Sa, 18. November 2017

Evakuierung stockt

18.12.2016 19:56

Aleppo: Busse attackiert und in Brand gesteckt

Seit der Aussetzung der Evakuierung der Rebellengebiete in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo harren seit Freitag Tausende Menschen in klirrender Kälte in den zerbombten Stadtteilen aus. Nur kurz keimte am Sonntag wieder etwas Hoffnung aus: Die Nachrichtenagentur Sana berichtete, dass die Busse wieder fahren würden. Doch wenig später gab es sowohl von Regierungsseite als auch von Oppositionellen Berichte über angegriffene und in Brand gesteckte Evakuierungsbusse.

Im syrischen Fernsehen wurden die Angreifer als "bewaffnete Terroristen" bezeichnet. Lediglich einige Busse und Fahrzeuge des Roten Kreuzes hätten den Eingang der von Rebellen belagerten Dörfer al-Fua und Kefraja in der Provinz Idlib erreicht, erklärte die oppositionsnahe Beobachtungsstelle am Sonntag. Die Evakuierung von Menschen aus den beiden Ortschaften ist die Bedingung dafür, dass auch aus dem zerstörten Osten Aleppos weitere Menschen abtransportiert werden dürfen. Nach Angaben des UNO-Sonderbeauftragten Staffan de Mistura befinden sich in dem fast vollständig von der syrischen Armee zurückeroberten Osten von Aleppo noch etwa 40.000 Zivilisten.

International wächst die Sorge, dass sich die Situation in Aleppo zu einem "zweiten Srebrenica" entwickeln könnte. Viele Beobachter sehen den Transport der Bewohner Aleppos in andere von Rebellen gehaltene Gebiete als Vertreibung. Der französische UN-Botschafter Francois Delattre sagte am Sonntag, aus diesem Grund müsse die Entsendung internationaler Beobachter nach Aleppo in die Wege geleitet werden. In Srebrenica hatten im Jahr 1995 bosnisch-serbische Milizen etwa 8000 muslimische Männer und Buben getötet. Das Massaker ging als das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg in die Geschichte ein.

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