Di, 22. Mai 2018

Am Panoramaweg

14.12.2016 16:16

Wildkameras sorgen im Ötztal für riesigen Wirbel

Es herrscht Aufruhr in der Gemeinde Längenfeld - und zwar unter Jägern und Bürgern. Der Grund dafür: Wildkameras entlang des öffentlichen Panoramaweges, die nicht ausgeschildert sind und somit illegal sein dürften! Der Bürgermeister und der Ötztal Tourismus halten sich bedeckt, die BH Imst sieht sich die Causa nun an.

Anfang Dezember streifte - wie berichtet - ein mutmaßlicher Wilderer mit einer Langwaffe durch ein Jagdrevier in Längenfeld. Die Polizei nahm in Kooperation mit dem Einsatzkommando Cobra West die Fahndung auf, doch der Erfolg blieb bis dato aus.

Aufnahme als Auslöser

Der Auslöser für diese Suchaktion war nicht - wie ursprünglich von der Polizei kommuniziert - der Notruf eines Einheimischen, der den vermummten Mann gesehen haben soll, sondern eine an einem Baum montierte Wildkamera. "Einige Jägerkollegen, die Reviere entlang des Panoramaweges gepachtet haben, haben solche Kameras angebracht. Genau von einer solchen Kamera wurde ein Foto des gesuchten Mannes geschossen, das dann an die Polizei weitergeleitet wurde", sagt Rudi W. (Name von der Redaktion geändert).

"Kein Eintrag bei der Datenschutzbehörde"

Das Prekäre daran? "Diese Kameras sind nicht ausgeschildert und somit illegal - und das auf einem öffentlichen Panoramaweg, der zusätzlich von Wanderern sowie Spaziergängern benutzt wird", schildert der Ötztaler und ergänzt: "Es liegt nahe, dass die Pächter über keine Genehmigung von der Datenschutzbehörde verfügen. Zumindest gibt es auf der Homepage keinen einzigen nachweislichen Eintrag."

Kameras auf aktuellstem Stand

Zudem sind diese Wildkameras auf dem aktuellsten technischen Stand. "Sobald eine der Kameras ein Foto schießt, landet dieses unmittelbar danach auf dem Handy des Besitzers. Also: Jeder einzelne, der sich auf diesem Weg befindet, wird unwissentlich fotografiert und keiner weiß, was mit seinem Foto wirklich passiert. Das kann es doch wirklich nicht sein", ärgert sich Rudi W. Übrigens: Diese Spezialkameras sind angeblich nicht nur entlang des öffentlichen Weges, sondern auch am Umkehrplatz des Güterweges versteckt montiert.

BH Imst nimmt sich der Angelegenheit nun an

Richard Grüner, BM der Gemeinde Längenfeld, sagt, er habe diese Causa zwar mitbekommen, wolle sie aber nicht kommentieren. Auch Vertreter des Ötztal Tourismus wollen sich inhaltlich nicht äußern, "da wir bisher von niemandem kontaktiert worden sind." Der Imster Bezirkshauptmann Raimund Waldner hingegen betont im "Krone"-Gespräch, dass er sich dieser Sache annehmen und sie weiter verfolgen wird.

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"Wir sind nicht die Tiroler Jagdpolizei"

Landesjägermeister Anton Larcher kann die Anschuldigungen zwar nicht beurteilen, doch er weiß um den äußerst komplexen Einsatz von Wildkameras Bescheid.

Ist Ihnen der Vorfall aus Längenfeld bekannt?

Ob das Vorgebrachte stimmt, kann ich derzeit nicht beurteilen. Nur soviel: In Tirol haben wir mehr als 1200 Jagdreviere. Der sorgsame Umgang mit Wildkameras liegt in der Verantwortung jedes einzelnen Jägers.

Laut dem Datenschutzgesetz können Wildkameras angebracht werden - jedoch nur, wenn Personen nicht identifiziert werden können. Im Fall von Längenfeld scheint hier ein Verstoß vorzuliegen.

Der Tiroler Jägerverband ist nicht die Tiroler Jagdpolizei und als solches auch in keinster Weise dafür verantwortlich, die Jägerschaft in ganz Tirol zu überwachen.

Was wäre in Ihren Augen nun eine passende Lösung?

Ganz klar: Der gesetzesmäßige und behutsame Umgang mit Wildkameras. Ich sehe hier aber auch ganz klar den Handel gefordert, über die sachgerechte Verwendung dieser Kameras aufzuklären.

Sind derartige Spezialkameras unter den Jägern häufig in Verwendung?

Wir verfügen über keine genauen Zahlen, da diese Kameras dem Vernehmen nach auch von zahlreichen "Nicht-Jägern" problemlos erworben und verwendet werden können.

Welche Vorteile bieten diese Wildkameras?

Richtig eingesetzt, liefern sie wertvolle Informationen. Jäger können sie etwa als technisches Hilfsmittel für die gesetzlich vorgeschriebene Wildstandserhebung verwenden. Immer öfter dienen sie auch wissenschaftlichen Projekten.

Jasmin Steiner
Jasmin Steiner

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