Mi, 23. Mai 2018

"Krone"-Interview

14.12.2016 12:59

Andrea Berg: "Ich lade alle in meine Welt ein"

Seit vielen Jahren ist der deutsche Schlagerstar Andrea Berg eine Fixkonstante in den oberen Chartregionen. Auch ihr aktuelles Album "Seelenbeben" war ein durchschlagender Erfolg, der mit einer opulenten, mehrteiligen Tour fortgeführt wird. Das Bühnenbild mit einem 35 Meter langen Drachen als Höhepunkt kommt Ende Jänner auch nach Linz, Graz und Wien. In der Bundeshauptstadt feiert die 50-Jährige am 28. Jänner auch Geburtstag. Wir haben mal nachgefragt und uns einen kleinen Einblick in das Kommende geben lassen.

"Krone": Frau Berg, Sie sind derzeit im zweiten Teil Ihrer großen "Seelenbeben"-Tour unterwegs. Wie würden Sie die bisherigen Konzerte in Deutschland resümieren?
Andrea Berg: Es ist alles traumhaft schön. Es gibt ganz viel Party, Energie und Freude, aber es kommen auch die stillen Momente nicht zu kurz, was sehr schön ist. Die Bandbreite zwischen dem Lachen und dem Weinen hat eine große Intensität. Das Feedback der Menschen zeigt mir, dass sie das genauso empfinden wie ich selbst.

Ist es nicht manchmal schwierig, zwischen den verschiedenen Emotionen hin- und herzuspringen?
Deshalb ist es ja das Seelenbeben. Ich bewege mich zwischen den beiden Welten und allen Emotionen. In den zweieinhalb Stunden der Show können alle ihre Seelen baumeln lassen und sich entspannen. Ich merke, dass mein Publikum genau das fühlt, was ich ihm gerne mitgeben möchte.

Was war das letzte markante Seelenbeben, das Sie selbst erlebt haben?
Ich erlebe jeden Tag ein Seelenbeben. (lacht) Die letzten habe ich mit den Menschen auf Tour erlebt. Ich hole bei jedem Konzert einen Gast spontan auf die Bühne und da kommen so echte, wunderschöne Momente zustande, dass es jedes Mal sehr berührend ist.

Die Show ist vor allem optisch sehr opulent. Als Highlight fungiert ein 35 Meter langer, feuerspeiender Drache. Inwieweit sind Sie selbst in die Bühnenkonzeption involviert?
Alles was visuell stattfindet, kommt aus meiner Seele. Ich erarbeite das gemeinsam mit DJ Bobo und unserem Team. Von dem Drachen träume ich schon seit fünf Jahren und nun konnten wir meinen Traum endlich umsetzen, was ein enormer Aufwand war. Das Modell wurde übrigens ein halbes Jahr lang von einem österreichischen Herrgottschnitzer gefertigt. Daraus entstand schlussendlich der große Bühnendrache, der auch feuerfest sein muss. Ich bin extrem glücklich damit, denn er ist gleichzeitig der Phönix und Glücksdrache, der diese enorme Kraft transportiert und uns darüber hinaus auch behütet. Er lässt viel Raum für Fantasie und Träume.

Was ist für Sie das Herausfordernste auf der Bühne?
Die Show ist psychisch und physisch Hochleistungssport. Die Bühne ist schräg, man ist die ganze Zeit unterwegs und steht immer unter Strom, aber in den leiseren Passagen nimmt man viel von diesem Tempo zurück - allerdings brauchen die emotionalen Teile sehr viel Kraft. Es ist eine Herausforderung, die einem jeden Abend an seine Grenzen bringt.

Da können auch mal Fehler passieren - so wie bei einer Show im Juli, wo Sie sich Verbrennungen zweiten und dritten Grades zugezogen haben. Kommt man nach so einem Vorfall zum Umdenken, wie man die Livekonzeptionierung macht?
Ich denke nicht. Man sollte ohnehin immer wachsam und lebendig sein und alles beachten, aber immer nur auf Nummer Sicher zu gehen ist nicht der richtige Weg. Man sollte nicht mit dem Feuer spielen, aber das was geschah, war ein Glücksfall als Katastrophe verkleidet. Es war die erste Show und der erste Pyroeffekt. Er hat mich getroffen und niemand anderen und so konnte man gleich am Anfang schauen, wo man ansetzt, um es zu korrigieren. Jetzt ist die Sache absolut gesichert. Solche Dinge passieren nicht umsonst, aber man muss die Signale richtig erkennen.

Schon bei Ihrer "Atlantis"-Tour hatten Sie ein großes Bühnenbild, das vor Superlativen nur so strotzte. Ist es schwierig, sich immer wieder selbst übertreffen zu müssen?
Es ist nur dann schwierig, wenn man sich zu einer Verbesserung zwingt. Man muss die Träume weiterträumen und irgendwann kommt das Bild, wie man weitermacht. Es geht darum, etwas Neues und anderes zu machen. Es gibt keine Steigerung der Superlative, aber die suche ich auch nicht. Was ich suche, ist etwas, das zu mir passt, das spezifisch ist und das ich umsetzen kann. In dem Moment, wo ich mich in meiner Fantasie bewege, habe ich alle Möglichkeiten. Dort ist alles erlaubt und ich lade alle ein, teilzunehmen.

Gibt es eine bestimmte visuelle Konzeption, die Ihnen jetzt schon im Kopf herumschwebt und die Sie unbedingt realisieren wollen?
Im Moment bin ich mit meinem Drachen rundum glücklich und will das genießen. Ich habe jeden Abend eine Riesenfreude, und ich kann mich richtig reinfallen lassen.

Eine Show wie die Ihre ist auch physisch extrem anstrengend. Wie entspannt man sich außerhalb der Bühne am besten und wie hält man sich dafür fit?
Unser Trick ist, dass wir die Woche über drei Tage nach Hause gehen. Auf einer Tour gerät man schnell in einen Sog, weil man jeden Tag in einer anderen Stadt ist und das nicht nur für mich, sondern auch für die ganzen Mitarbeiter, die bis nachts um 2 Uhr abbauen müssen, ein Stress ist. Wenn man sich dann in der Woche drei Tage rauszieht, in den Alltag und zur Familie heimkehrt, dann hat das mehr Erholungswert als irgendwelche Entspannungsübungen. Das eine muss das andere kompensieren. Ich brauche meine normale Zeit daheim, kann dort meinen Sport machen und dann kommt man wieder frisch in die nächste Stadt.

Wie wichtig ist eine derart pompöse, mit Effekten beladene Show im Vergleich zur Musik selbst, um Erfolg zu haben?
Nur mit pompöser Show und Superlativen funktioniert es nicht - das eine trägt das andere. Wenn ich eine große, emotionale Show mache und das nicht emotional transportieren kann, dann kann ich noch so viele Raketen hochschießen oder mich auf den Kopf stellen, es würde keinen bewegen. Unsere ganz spezifische Märchenwelt, mit mir im Zentrum, die diese Botschaft transportiert, weil sie sie glaubt und lebt, das funktioniert. Eine riesengroße, teure Show alleine bringt aber keinen Erfolg.

Ende Jänner kommen Sie für drei Shows nach Österreich - Wien, Graz und Linz.
Und in Wien feiere ich meinen 51. Geburtstag. Das wird auf jeden Fall eine schöne Party.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Wien, wo sie schon oft auftraten und stets gut empfangen wurden?
Mit Österreich bin ich fast heimatlich verbunden, das sind immer sehr schöne und herzliche Begegnungen mit den Menschen. Gerade die Wiener drehen richtig auf und können gut feiern. Die Österreicher verstehen meine Mentalität. Österreicher sind sehr einfühlsame, naturverbundene und emotionale Menschen und das passt sehr gut zu dem, was ich fühle.

Ist Ihnen ein spezielles Konzert oder eine spezielle Geschichte besonders in Erinnerung geblieben?
Ich habe sehr viele gute Freunde in Österreich und wenn ich Urlaub mache, dann meistens bei euch. Deshalb ist es auch ein Land, das ich sehr liebe. Ich hatte wahnsinnig viele schöne Begegnungen mit den Menschen hier auf eine ganz einfache Art. Ich mag auch die österreichische Küche, weil sie so herzhaft und bodenständig ist. Das zeichnet euch auch aus.

Ihr "Best Of"-Album wird im Laufe des Jahres 2017 dann 700 Wochen lang durchgehend in unseren Charts sein - das ist dann fast doppelt so lang, wie ihr Deutschland-Rekord mit 347 Wochen.
Das spricht auch für eine langfristige, tiefe Liebe zwischen Österreich und mir und diese Liebe erwidere ich sehr gerne.

"Seelenbeben" ist Ihr insgesamt 15. Studioalbum. Wird es mit der Zeit schwieriger, frische Ideen zu finden, in textlicher als auch musikalischer Hinsicht?
Es ist wie bei der Tour und den Shows - man sollte nie sagen, man müsse etwas besser machen, sondern einfach die Arbeit fortsetzen. Das Leben und die Träume gehen auch weiter. Wenn man sensibel darauf hört, dann wird es gut. Ich habe permanent Momente, wo ich mir Dinge aufschreibe, die ich einmal realisieren möchte - dieser Prozess ist unerschöpflich.

Eine besondere Partnerschaft haben Sie mit Dieter Bohlen, der schon seit einigen Jahren ein wichtiger Part der musikalischen Umsetzung ist. Was macht die Magie zwischen Ihnen beiden aus?
Das hat sich zueinander gegrooved. Wir arbeiten mittlerweile sehr g ihn durch eine Textzeile. So ist das ein schönes Miteinanderarbeiten, weil wir als Team auftreten. Beim letzten Album haben wir ungefähr 40 Songs angefangen und dann aussortiert. Es ist schon extrem großartig, dass man dann aus so einem großen Pool an Songideen die besten rausfischen kann.

Auf den letzten vier Alben haben Sie die Texte alleine verfasst, früher nicht ausschließlich. Waren Sie da noch unsicherer?
Ich habe schon für meine erste Single 1992 den Text geschrieben. Anfangs habe ich noch viel mit Eugen Römer und Irma Holder zusammengeschrieben. Irgendwann habe ich die Geschichten des Lebens selbst erzählt und dadurch bin ich heute viel authentischer und näher dran und kann meine Seele erzählen lassen.

Auf "Seelenbeben" geht es nicht nur um die schönen Seiten des Lebens, sondern auch um das Altern, Tod und Trauer. Werden Sie mit zunehmendem Alter nachdenklicher und melancholischer?
Je eher wir uns damit auseinander setzen, dass wir selbst alle auf der gleichen Reise sind, umso größer die Chance, lebendig zu sein und zu bleiben. Nichts ist schlimmer, als irgendwann am Ende des Lebens retrospektivisch zu denken, dass man gerne alles anders gemacht hätte. Natürlich kommt diese Reife erst mit den Jahren, aber heute tut es mir extrem gut, darüber reden zu können und den Menschen zu sagen, dass wir alle auf derselben Reise sind. Wir können am Tod nichts ändern, nur am Leben. Es ist wichtig, sich des Lebens bewusst zu sein und den Moment zu genießen. Man muss glücklich und mit sich selbst zufrieden sein - das will ich transportieren und ich hoffe, dass die Menschen das so mitnehmen können.

Sind Sie im Vergleich zu früher selbstsicherer geworden?
In der Entwicklung natürlich. Als Mitte 20-Jährige war ich zwischen den Welten und heute befinde ich mich an einem der stabilsten Augenblicke meines Lebens. Es ist auch toll, das so zu leben.

Gibt es etwas, dass Sie rückblickend bereuen?
Das Leben ist nicht jeden Tag wie ein Märchen. Aber all das, was wir hinterher oftmals bereuen, war dennoch ein Schritt in der Entwicklung. Viele Dinge im Leben würden niemals passieren, wenn man von Anfang nur in Watte gepackt und behütet wird. Wir hätten dann die schmerzlichen Erfahrungen nicht gemacht und wer den Schmerz nicht kennt, kann auch das Glück nicht schätzen.

Im deutschsprachigen Raum haben sie quasi ein Abonnement auf die Spitzenpositionen in den Charts. Ist es dadurch manchmal schwierig, sich selbst zu motivieren, weil jeder von einem das Beste erwartet und das für gewöhnlich auch so eintritt?
Ich will das nicht als Druck sehen, denn ich möchte ja etwas perfekt abliefern. Und wenn ich fünf Mal nach Hamburg ins Studio fliege, um noch einmal ein Wort auszutauschen, ist es das wert, denn ich muss damit zufrieden sein. Den Druck mache ich mir also selber, denn im Endprodukt muss ich mich wiederfinden können. Das, was ich meinen Fans gebe, muss echt sein, denn die Leute spüren diese Authentizität.

Gibt es ein spezielles Ziel, dass Sie sich noch erfüllen wollen, es bisher aber noch nicht konnten?
Es gibt nichts, was ich aufschiebe. Das würde total gegen meine eigene Überzeugung gehen. Ich mache immer das, was ich tun will. Die erste Erkenntnis, die wir alle auf unserer Reise haben sollten ist, nichts zu tun, weil man es tun muss. Wenn man etwas halbherzig abliefert und nicht dazu stehen kann, dann funktioniert es auch garantiert nicht.

Andrea Berg kommt im Zuge ihrer aktuellen "Seelenbeben"-Tour am 26. Jänner in die Linzarena, am 27. Jänner in die Grazer Stadthalle und am 28. Jänner in die Wiener Stadthalle. Infos und Karten gibt es unter 01/588 85-100 oder unter www.ticketkrone.at.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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