Mi, 13. Dezember 2017

Mädchen tötete sich

12.12.2016 21:53

Anonymous brachte Vergewaltiger vor Gericht

Rehtaeh Parsons war erst 17 Jahre alt, als sie sich 2013 aus Verzweiflung erhängte. Eineinhalb Jahre zuvor war die kanadische Schülerin auf einer Party in der Hafenstadt Halifax vergewaltigt worden. Die vier Täter fotografierten das Verbrechen, stellten Bilder ins Netz, verhöhnten ihr Opfer und zerstörten so den Ruf des Mädchens, das schließlich keinen Ausweg mehr sah. Die Vergewaltiger kamen zunächst ungestraft davon, bis die Hackergruppe Anonymous eingriff und zumindest für etwas Gerechtigkeit sorgte ...

Das Thema Hass im Web oder Cybermobbing, auch in Bezug auf Sexualdelikte, scheint allgegenwärtig. Rehtaeh Parsons' Schicksal berührte nach einem TV-Bericht, der sich viral im Internet verbreitete, nun erneut Tausende Menschen. krone.at fasst die wichtigsten Fakten noch einmal für Sie zusammen.

Grausame Tat während Highschool-Party
Zum Zeitpunkt der Vergewaltigungen war Rehtaeh erst 15 Jahre alt. Auf einer Party hatte sie zuvor zu viel Alkohol getrunken. Vier Burschen nutzten den wehrlosen Zustand der Highschool-Schülerin schamlos aus. Sie führten das Mädchen in einen anderen Raum und vergingen sich an ihr, während sie sich vor Übelkeit durch ein offenes Fenster übergab.

Bilder auf Facebook veröffentlicht
Einer ihrer Peiniger ließ sich bei seinem Verbrechen fotografieren und veröffentlichte die Bilder auf Facebook. Darunter schrieb er: "Das bin ich und das ist Rehtaeh Parsons. Ich habe Sex mit ihr, während sie kotzend aus dem Fenster hängt." Rehtaeh selbst konnte sich an die Vorgänge kaum erinnern. Ihrer Mutter zufolge wusste sie nach der verhängnisvollen Nacht nur noch, dass sich die jungen Männer "auf ihr bewegten" und dass sie sich den Kopf an einem Fenster stieß.

Via Social Media schonungslos verhöhnt
"Ihr Ruf war augenblicklich zerstört", erinnert sich Rehtaehs Vater. Sie wurde in den sozialen Medien angepöbelt und verhöhnt. Sie wurde "Schlampe" genannt, Freunde wandten sich von ihr ab, anstatt sie zu unterstützen. Die Familie zog schließlich um, Rehtaeh wechselte die Schule - in der man aber längst über die Fotos Bescheid wusste ...

Tod eineinhalb Jahre nach Gruppenvergewaltigung
Noch schlimmer als aller Spott und Hohn war für die Schülerin allerdings, dass die Vergewaltiger ungestraft davonkamen. Die Polizei stellte ihre Ermittlungen ein, nachdem sie nicht beweisen konnte, welcher der Burschen nun tatsächlich die Fotos gemacht hatte. Rehtaeh zerbrach an dem, was ihr angetan wurde. Im April 2013 erhängte sie sich in ihrem Badezimmer. Bei ihrer Beerdigung trauerten Hunderte Menschen, darunter hohe Politiker.

Anonymous drohte, Täter bloßzustellen
Ihre Eltern kämpfen seither durch Vorträge in Schulen und Postings in sozialen Medien gegen Cybermobbing. Auch Anonymous war auf den Fall aufmerksam geworden und zur Tat geschritten. Die Hackergruppe soll die Verdächtigen binnen kürzester Zeit identifiziert haben und drohte damit, die Namen der mutmaßlichen Täter selbst im Internet anzuprangern, sollten die Ermittlungen nicht fortgesetzt werden. Anonymous erreichte, dass die kanadische Regierung ein Gesetz gegen Mobbing verabschiedete - und dass einer der Täter auf Facebook ein Geständnis ablegte.

Verurteilungen auf Bewährung
Die Polizei nahm ihre Ermittlungen wieder auf, wenigstens zwei der Täter kamen vor Gericht. Doch trotz des Fotos der Tat und des Geständnisses wurde der Vorwurf der Vergewaltigung aus Mangel an Beweisen fallengelassen. Angeklagt wurden die beiden wegen Kinderpornografie - sie erhielten immerhin einjährige Bewährungsstrafen.

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