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14.12.2016 15:12

Bowlus Road Chief: Wohnwagen zum Eigenheimpreis

Eine junge Amerikanerin produziert in der Nähe von Los Angeles einen Wohnwagen im Design der 1930er-Jahre mit einem hochmodernen Innenleben. Jetzt brachte sie eine limitierte Sonderedition mit allen Schikanen auf den Markt, deren Stromversorgung sogar dafür ausreichen soll, ein Elektroauto mit Energie zu versorgen. Die Ausstattung entspricht darüber hinaus amerikanischem Geschmack und bietet Luxus ohne Ende. Einziger Wermutstropfen des Trailers: sein Preis.

Bowlus Road Chief? Der Name dürfte Kennern der US-Wohnwagenszene bekannt vorkommen. So hieß in den 1930er-Jahren ein Trailer, der mit seiner glänzenden Außenhaut zum Vorbild einer ganzen Caravan-Gattung wurde. Sein Schöpfer, der Flugzeugkonstrukteur William Hawley Bowlus, hatte sich bereits vor der späteren Gründung seines eigenen Wohnwagen-Unternehmens einen Namen in der Fliegerei gemacht. The Spirit of St. Louis, das Flugzeug mit dem Charles Lindbergh 1927 als erster Mensch den Atlantik überquerte, war sein Entwurf. Kein Wunder deshalb, dass Bowlus' stromlinienförmige Wohnwagen an Flugzeuge erinnerten, nur ohne Tragflächen. Die Schalenkonstruktion bestand aus Aluminiumrohr, beplankt mit genieteten Aluminiumtafeln. Resultat dieses Konstruktionsprinzips war eine hohe Stabilität bei gleichzeitig geringem Gewicht.

Die Geburt von "Airstream"
Gedacht waren die rollenden Schlafzimmer zunächst als Übernachtungsmöglichkeit für Flugzeug-Crews an einsamen Startplätzen. Da sie auch bei reiselustigen Amerikanern Interesse fanden, gründete Bowlus 1934 seine eigene Firma und brachte den Bowlus Road Chief auf den Markt. Doch der geniale Ingenieur war als Geschäftsmann eine absolute Niete. Zwei Jahre später war er pleite, und die verbliebenen Reste des Ladens übernahm sein Ex-Angestellter Wally Byam. Der gründete sein eigenes Unternehmen namens Airstream, das den Road Chief sowie das Bauprinzip aus Aluminium übernahm und bis heute mit seinen nostalgisch anmutenden Aluminium-Zigarren weltweit Erfolge feiert.

Wally Byam fertigte mit dem Airstream nicht nur ein Produkt, nicht nur einen Caravan. Er schuf auch einen glänzenden, stromlinienförmigen Lebensstil, gemütlich und nützlich zugleich. Und der ist auch nach mehr als sieben Jahrzehnten immer noch modern. Rund zwei Drittel der Caravans in Zeppelinform, gebaut aus glänzendem Aluminium, rollen heute noch auf den Straßen der Welt. Damit liegt die Quote höher als bei Rolls-Royce. Kein Wunder, dass die Airstreams mittlerweile Kult geworden sind.

Und nun kehrt Bowlus zurück
Möglicherweise würde Airstream immer noch Wohnwagen unter dem Namen Bowlus bauen, wenn sich nicht die junge amerikanische Unternehmerin Geneva Long in einen Road Chief verliebt hätte. Da war sie gerade zehn Jahre alt. Ihr Vater hatte einen solchen Caravan aus dem Baujahr 1935 restauriert und war mit der Familie auf ausgedehnte Reisen durch die USA gegangen. Nach ihrer Ausbildung zur Finanzexpertin auf der renommierten Wirtschaftsuniversität Wharton School schaffte Geneva es, sich die Rechte am Namen Bowlus zu sichern. Sie gründete daraufhin in Oxnard/Kalifornien ihre eigene Wohnwagenfabrik.

Hightech in der Glanz-Zigarre
Am Design des Bowlus Road Chief brauchte die Jungunternehmerin nichts ändern. Das ist nach wie vor zeitlos schön. Stattdessen schenkte sie dem Innenleben des Trailers ihre Aufmerksamkeit und passte es den Anforderungen des 21. Jahrhunderts an. Heute steht den modernen Campern zum Beispiel ein eingebautes Ladegerät für ihre Akkus ebenso zur Verfügung wie ein Signalverstärker für ihre Mobiltelefone. Es gibt eine Fußbodenheizung, acht Heizkörper für den Winter, LED-Beleuchtung und eine Vorrichtung für Solarzellen.

Jetzt präsentierte Geneva Long eine Weiterentwicklung, den Bowlus Road Chief Lithium +, den sie in limitierter Auflage für 219 000 Dollar (rund 206 000 Euro) anbietet. Mit mehr als zwei Dutzend neuen Features und modernem Zubehör zählt er zum Fortschrittlichsten, was es derzeit auf dem Trailer-Markt gibt. Das Paket rankt sich um einen Lithium-Eisenphosphat-Akku, der angeblich für eine Woche genügend Energie enthält, bevor er wieder aufgeladen werden muss. Der Strom reicht für Klimaanlage und Mikrowelle und kann bei Notfällen über eine Steckdose auch ein Auto mit Batteriebetrieb aufladen. Und wenn sich in einsamen Gegenden einmal keine Ladestation befindet, lädt eine Solarzelle die Batterie wieder auf.

WLAN und Meteo-Instrumente an Bord
Die gesamte Elektroanlage lässt sich per Smartphone überwachen, Sicherungen verhindern Überhitzung, Überladung und ähnliche Komplikationen, und es fehlen weder Navigationsgerät noch ein eingebautes WLAN-Netz. Neben der umfassenden Elektrifizierung bietet der Luxus-Wohnwagen Oberlichten im Dach sowie eine Reihe von meteorologischen Instrumenten, damit die Insassen ständig darüber auf dem Laufenden sind, was gerade draußen für ein Wetter herrscht. Im Heck liegt ein Schlafzimmer mit Doppelbett, vorne die Küche mit allem Drum und Dran. Dazwischen befindet sich das Wohnzimmer, das bei Bedarf in ein weiteres Schlafzimmer verwandelt werden kann. Die sich zwischen Wohn- und Schlafbereich befindende Nasszelle mit Toilette ist 0,9 mal 1,5 Meter groß und hat eine Dusche, die auch als Außendusche eingesetzt werden kann. Viel Holz im Innenraum soll für eine gemütliche Atmosphäre sorgen, sogar für das vierbeinige Familienmitglied gibt es ein eingebautes Hundebett.

Dieser amerikanische Traum hat natürlich seinen Preis. Doch wer die geforderten 219 000 Dollar gerade nicht flüssig hat, dem bietet Geneva Long die Finanzierung über eine Bank an. Der Käufer kann dann den Wohnwagen wie ein Haus mit 240 Monatsraten zu jeweils 1156 Dollar (knapp 1090 Euro) abzahlen. Das dauert allerdings 20 Jahre bis zur kompletten Tilgung.

(ampnet)

Stephan Schätzl
Redakteur
Stephan Schätzl
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