Mo, 21. Mai 2018

Führungsanspruch

13.12.2016 06:01

Der neue 5er-BMW im ersten Test

Das ist der brandneue 5er-BMW, und man muss schon sehr oberflächlich hinschauen, um ihm eine ungebührliche optische Nähe zum Vorgänger vorzuwerfen. Natürlich erkennt man ihn als 5er, aber das Design ist deutlich gestrafft und wirkt eleganter. Man sieht ihm geradezu an, dass er mit Leichtbau, Vernetzung und Hightech den neuen Benchmark in der Business-Class setzen will.

Auffälligstes Design-Detail an der um 3,6 Zentimeter auf 4,94 Meter gewachsenen Karosserie ist die Seitenlinie, in der sich die Sicke vom Schatten ins Licht dreht, nach hinten ausläuft und dabei den typischen Hofmeisterknick einfasst. Die serienmäßigen LED-Scheinwerfer sind hexagonal ausgeführt und reichen bis an die Nieren, hinter den Radhäusern sorgen die vom 7er bekannten "Air Breather" nicht nur für eine bessere Aerodynamik, sondern unterstützen auch die Belüftung bzw. Trocknung der Bremsen.

Am Heck fallen die flacher, länger und schärfer gezeichneten LED-Leuchten auf, aber auch die Doppelrohrauspuffanlage, die ohne Blenden und Attrappen auskommt - im Gegensatz zu dem Trend, der teilweise bei der Konkurrenz einreißt.

Im Innenraum geht es sportlich-elegant zu, das Ambiente ist 7er-like. Das gilt auch für das Platzangebot auf der Rückbank. Das ist zwar nicht gerade opulent, fühlt sich aber ähnlich an wie im Flaggschiff der bayrischen Marke. Für wirklich gute Beinfreiheit müsste man schon zur Langversion des 7ers greifen.

Das Motto lautet nicht "Freude am Schauen"
Bei aller Eleganz und bei allem gelungenem Design - bei BMW geht es doch klassisch ums Fahren. Und hier hat der neue 5er einen echten Sprung zum alten hingelegt. Das liegt unter anderem daran, dass er rund 100 kg leichter ist. Wenn dann auch noch die mitlenkende Hinterachse an Bord ist, setzt der 5er-BMW in Sachen Handlichkeit wohl den Klassenmaßstab. Ich wähne mich beinahe in einem 3er. Schluss mit Übergewicht, der leichteste 5er, der 530i, bringt ohne Fahrer gerade mal 1540 kg auf die Waage. Der sechszylindrige Allrad-Diesel BMW 530d xDrive kommt auf 1695 kg, die man ihm kaum anmerkt.

Auf ein Luftfahrwerk - wie es die Mercedes-E-Klasse hat - verzichtet BMW. Es fehlt aber auch nicht, denn auch ohne dämpft der 5er souverän auch über schlechte Straßen hinweg. Ein Druck auf den Fahrerlebnisschalter, und die (optional) einstellbaren Dämpfer sorgen für herrliche Präzision, die mich durch Wechselkurven in der Gegend von Lissabon nur so fliegen lässt. Die Lenkung gibt dabei hervorragende Rückmeldung und ermöglicht ein geradezu spielerisches Wedeln. Auch die Achtgang-Automatik gibt sich keine Blöße.

Motoren von supersparsam bis stark
Bei der Präsentation in Portugal standen der 530d (als xDrive) sowie der 540i zum Test zur Verfügung, beides Dreiliter-Sechszylinder, beide serienmäßig mit Automatik. Vor allem der Diesel zeigt, wie gut BMW die Gegenpole Effizienz und Dynamik nicht nur im Marketing-Begriff "Efficient Dynamics" zusammenbringt, sondern in der Realität. Der Allradler kommt auf einen Normverbrauch von nur 5,0 l/100 km, drückt mit seinen 265 PS und 620 Nm bei 2000/min. mit Macht vorwärts. 5,4 Sekunden reichen dem seidigen Selbstzünder für den Standardsprint, das liegt nur knapp über dem Niveau des 540i. Der ist natürlich ein Sechszylinder für Genießer, mit 340 PS und einem maximalen Drehmoment, das bereits bei 1380/min. anliegt. 450 Newtonmeter sind es an der Zahl. Mit Allradantrieb knackt er sogar knapp die 5-Sekunden-Marke.

Zum Marktstart im Februar außerdem verfügbar sind zwei Vierzylinder, der BMW 520d (190 PS/400 Nm/ab 4,0 l/100 km) sowie der 530i (252 PS/350 Nm/ab 5,4 l/100 km), alle wahlweise mit Heck- oder Allradantrieb. Im März kommen einige Varianten dazu, von der 3,9-Liter-Sparversion des 520d bis zum 462 PS starken vorläufigen Topmodell M550i xDrive, das den Sprint auf 100 mit 4,0 Sekunden sogar schneller absolviert als der auslaufende M5 (dessen Nachfolger kommt später).

Außerdem wird dann der 530e iPerformance genannte Plug-in-Hybrid angeboten, der die (allerdings leistungsreduzierte) Technik des BMW 740Le übernimmt. Die Systemleistung von 252 PS entspricht dem 530i und setzt sich zusammen aus den 184 PS des Vierzylinder-Benziners und den 88 PS des Elektromotors (740Le: 252 plus 113 PS), der in das Getriebe integriert ist. Der Akku soll für eine rein elektrische Reichweite von 50 km gut sein.

"Freude am Fahrenlassen"
So sehr der 5er-BMW ein Auto zum Selbstfahren ist - man kann ihn auch ganz entspannt selber das Steuer übernehmen lassen, wenn man die entsprechenden Funktionen mitbestellt. Bis 210 km/h übernimmt der Wagen auf Autobahnen selbst das Lenken. Dabei muss lediglich eine Hand das Lenkrad berühren, also nicht - wie das bei der Mercedes-E-Klasse der Fall ist - aktiv das Lenkrad bewegen.

Der adaptive Tempomat übernimmt auf Knopfdruck am Lenkrad auch das geltende Tempolimit. Dafür kann man vorher im Menü eine gewünschte Abweichung einstellen, plus/minus 15 km/h. Weiterhin ist die Abstandshalte-Funktion unkompliziert aus- und wieder einschaltbar.

Auch Spurwechsel beherrscht der BMW, wenn er quasi-autonom unterwegs ist. Kommt ein schnelleres Fahrzeug von hinten, wartet er, bis dieses vorbei ist, und zieht dann hinüber.

Bei den Testfahrten funktionierte das System fehlerfrei. Es wäre lediglich eine akustische zusätzlich zur optischen Warnung wünschenswert, wenn der Fahrer die Lenkung wieder übernehmen muss, etwa weil die Linien auf der Straße zur Orientierung nicht ausreichen.

Dauerüberwachung rundherum per Handy
Der neue 5er-BMW bietet Assistenten, die alle aufzuzählen den Rahmen hier sprengen würde. Nur ein Beispiel: Per App am Smartphone lässt sich der Bereich rund um das Fahrzeug betrachten. Dreimal in zwei Stunden wird eine solche dreidimensionale Panorama-Aufnahme übermittelt - mehr ist aus Datenschutzgründen nicht erlaubt.

Per Display-Schlüssel kann der 5er ferngesteuert aus engen Parklücken rangiert werden (oder hinein).

Die Preisliste beginnt bei 50.400 Euro für den 190 PS starken BMW 520d mit Heckantrieb (Automatik +2400, Allrad und Automatik +5000 Euro). Der 540i kostet (immer mit Automatik) 65.650 Euro, der 530d 59.950 Euro. Markteinführung am 11. Februar 2017.

Unterm Strich
Zwar ist der 5er-BMW nicht Benchmark in puncto Komfort oder Platz auf der Rückbank, aber fahrdynamisch und was die Assistenzsysteme betrifft macht ihm niemand etwas vor. Wo die E-Klasse bei ihren Autonom-Funktionen durch gefährliche Fehleranfälligkeit und Entspannung verhindernde Bedienung nervt, ist man im BMW deutlich geschmeidiger unterwegs. In der Business-Class geht der 5er in Führung.

Warum?

  • Fahrdynamisch ein Gedicht
  • Assistenten nicht um ihrer selbst willen, sondern zur Unterstützung

Warum nicht?

  • Auf der Rückbank könnte mehr Beinfreiheit sein.

Oder vielleicht …

... Audi A6, Mercedes E-Klasse

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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