Do, 23. November 2017

Herkunft ist Problem

12.12.2016 08:14

PISA-Test: Was ist an Salzburgs Schulen los?

Nach der Veröffentlichung der fragwürdigen PISA-Studie war der Aufschrei in Österreich wegen des schlechten Abschneidens der heimischen Schüler groß. Experten sehen die Gründe für das Resultat auch in den steigenden Anteilen der Schüler mit nicht deutscher Muttersprache - eine Übersicht aus Salzburg.

Bildungsministerin Sonja Hammerschmid sprach auch in der "Krone" von "inakzeptablen Ergebnissen", die dringendes Handeln erfordern. Die Gruppe der Risikoschüler sei zu groß, der Zusammenhang von Bildungserfolg und Herkunft "erschreckend". Demnach würden Schüler, die nicht Deutsch als Muttersprache gelernt haben, den Durchschnitt nach unten ziehen - das ist zwar empirisch nicht bewiesen, viele Berichte aus den Schulen zeichnen aber ein eindeutiges Bild.

Ein Blick in den aktuellen Kulturbericht der Stadt Salzburg zeigt das Verhältnis an Volksschulen und an den NMS auf - für die Integrationsarbeit und den Einsatz des Lehrpersonals bedeutet das weiter eine riesige Herausforderung - laut aussprechen will es aber keiner:  Vor allem die Neuen Mittelschulen werden von vielen Eltern gemieden, weil sie als soziale Brennpunkte und Sammelbecken für Leistungsschwache gelten. Gesamt 64,18 Prozent der Schüler sind bereits nicht deutscher Muttersprache, an der NMS Schlossstraße stellen sie 80 Prozent, an der NMS Haydnstraße 87 Prozent und an der NMS Lehen gar 89 Prozent.

Nur in der NMS Praxisschule Erentrudis (21 Prozent n.d. MS) und der NMS Maxglan II (45 Prozent n.d. MS) überwiegen Schüler deutscher Muttersprache noch: "Es ist Zeit der Realität ins Auge zu blicken. Die Entwicklung einer Parallelgesellschaft ist in manchen Teilen der Stadt eine nicht zu leugnende Tatsache. Ein derartig hoher Anteil hat negative Auswirkungen auf das Lern- und Unterrichtsniveau aller Schüler. Die Sprache ist der Schlüssel zur Integration, es ist nicht zuviel verlangt, dass jeder auch die deutsche Sprache erlernen muss", meint FP-Klubchef Andreas Reindl.

Ähnliches Bild an Volksschulen
In den Volksschulen zeichnet sich ein ähnliches Bild, wobei der Anteil von Kindern nicht deutscher Muttersprache mit 51,18 Prozent leicht überwiegt. Die Spitzen liefern die VS Pestalozzistraße, Lehen I und Haydnstraße. Die Stadt wirkt mit der zuständigen Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer deutlich stärker der Abwärtsspirale entgegen, als es andere Städte machen - dass dies ein harter Weg ist, ist allen bewusst. Mit Sprachprojekten wie "Ein Rucksack voller Lebenschancen" und ähnlichem wird versucht die Integration schon in den Kindergärten und Volksschulen zu meistern, Erwachsene werden zu Deutschkursen verpflichtet. Am Ende liegen alle Bemühungen aber auch an dem Willen der Betroffenen.

MICHAEL PICHLER, Kronen Zeitung/red

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden