Mi, 21. Februar 2018

Mazda far niente

16.12.2016 03:11

Fiat 124 Spider: Der Nespresso-Roadster

Der Fiat 124 Spider ist eine der automobilen Herzensangelegenheiten für jeden italophil veranlagten Zeitgenossen. Wie der Fiat 500. Oder die Ape. Oder die Vespa. Vergleichbar mit einem Espresso um 1000 Lire. Nun endlich gibt es eine Neuauflage des Zweisitzers. Die ist technisch gesehen zwar im Wesentlichen ein Mazda MX-5, aber optisch zitiert sie das Original. Jedenfalls äußerlich.

Die Haube ist lang, darauf sitzen wie früher zwei Wölbungen, aus den Türen schwellen die Schultern über den Hinterrädern, die in ein eigenständiges Heck mit Doppelauspuffanlage übergehen. Lediglich die Heckleuchten wirken ein wenig blind. In Sachen Karosseriedesign kann man den Italienern objektiv nicht viel vorwerfen. Auch wenn der Spider bei Mazda in Hiroshima vom Band läuft: An den MX-5 erinnert hier nichts.

Und das ist gut so, denn dadurch nehmen die Zwillinge einander weniger Käufer weg. Obwohl beide heckgetriebene Roadster sind, mit derselben Basis- ihr Charakter ist unterschiedlich.

Blickt man jedoch hinter die Fassade, ist finito mit Italianitá: Im Innenraum geht es japanisch zu. Bis auf Türverkleidungen und Hupe in der Lenkradmitte stammt das Interieur aus dem Mazda MX-5. Die Lüftungsausströmer sind der Form der Heckleuchten nachempfunden - allerdings denen des Japaners. Da haben sie es sich zu leicht gemacht in Turin.

Da denkt der Fan wehmütig an den seligen Fiat Barchetta (auf Fiat-Punto-Basis), der zwar Frontantrieb hatte, aber einen völlig eigenständigen, wunderschönen und höchst stilvollen Innenraum. Abgesehen davon, dass ich mich mit meinen 1,88 m Körpergröße nicht über Platzmangel beklagen konnte.

Beklagen möchte ich mich aber auch hier nicht, denn die Enge im Innenraum gehört zum Konzept. Nicht weil Japaner und Italiener eher klein gewachsen sind, sondern weil mehr Platz auch mehr Gewicht bedeuten würde. Schließlich wiegt der aktuelle 124er nur 1050 kg und damit rund 200 kg weniger als der Barchetta, was ihn zusammen mit dem Heckantrieb zu einem echten Spaß-Roadster macht. Ähnlich wie der Mazda MX-5, aber doch ganz anders.

Den Hauptunterschied macht der Motor aus. Statt eines Saugers kommt hier Fiats 1,4-Liter-Turbo mit 140 PS zum Einsatz. Der klingt zurückhaltend, aber schön und glänzt dank satten 240 Nm maximalem Drehmoment mit jeder Menge Kraft (Testverbrauch: 8,6 l/100 km). Allerdings hat er ein Turboloch, das größer als der Kofferraum ist.

Da ist es gut, dass das Sechsganggetriebe kurz und knackig zu schalten ist (auch wenn es im Testwagen etwas Nachdruck verlangt hat), so kann man die Drehzahl locker immer im optimalen Bereich (ab 2250/min.) halten - und schafft den Sprint auf 100 in 7,5 Sekunden. Dem japanischen Bruder nimmt der Papagallo dabei fast eine Sekunde ab.

Beim Preis hingegen legt der Fiat was drauf, sein Einstiegspreis liegt mit 27.490 Euro fast anderthalb Tausender drüber. 16-Zoll-Alus, Ledersitze, Doppelauspuff und Klimaanlage sind Serie. Man darf aber ruhig noch etwas in Design und Komfort investieren, von größeren und breiteren Rädern über Navitainment mit Bose-Sound und Lautsprechern in den Kopfstützen bis zu Sitzheizung und LED-Scheinwerfern mit Kurvenlicht. So kommt der Testwagen auf über 35.000 Euro, was für einen sportlichen Roadster mit Topausstattung in Ordnung geht.

Unterm Strich
Der Fiat 124 Spider ist kein waschechter Italiener, auch wenn er sich alle Mühe gibt, einer zu sein. Immerhin ist er eine Art Ersatzdroge für Menschen, die den guten, alten Zeiten des italienischen Autobaus nachtrauern. Ein bisschen wie Nespresso.

Warum?

  • Zwei Sitze, Heckantrieb und ein Dach, das manuell in wenigen Sekunden zu öffnen und zu schließen ist. Sí!
  • Motor kraftvoller als im Mazda

Warum nicht?

  • Das Turboloch passt nicht zum Auto.

Oder vielleicht …

… Mazda MX-5, Abarth 124 Spider, Audi TT, irgendwie auch Mini Cabrio

Aus dem Video-Archiv: Mit dem Mazda MX-5 auf der besten Straße der Welt

Stephan Schätzl
Redakteur
Stephan Schätzl
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