Fr, 23. Februar 2018

Daten gestohlen

09.12.2016 06:55

Cyberkriminelle hatten ThyssenKrupp im Visier

Nach der Deutschen Telekom hat nun auch ThyssenKrupp einen massiven Hackerangriff eingeräumt. Unbekannte hätten im Frühjahr bei einer breit angelegten Attacke Daten in bisher unbekanntem Ausmaß gestohlen, teilte der Industriekonzern am Donnerstag mit: "ThyssenKrupp ist Ziel eines massiven Cyberangriffs geworden."

Der Angriff sei bereits im April von der konzerneigenen Sicherheitszentrale entdeckt und bis Februar zurückverfolgt worden. Ziel sei vor allem der Diebstahl von technologischem Know-how und Forschungsergebnissen in einigen Bereichen der Anlagenbautochter Industrial Solutions und der europäischen Stahlsparte gewesen. Es sei unklar, ob durch den Datenabfluss ein Schaden entstanden sei.

"Es handelte sich um einen professionellen Angriff", höchstwahrscheinlich aus dem südostasiatischen Raum, erklärte das Unternehmen. Aufgefallen sei dies, nachdem es mehrere fehlgeschlagene Anmeldeversuche auf einem Server gegeben habe. Speziell abgesicherte IT-Systeme für besonders kritische Bereiche wie die für den U-Boot-Bau zuständige Sparte Marine Systems oder die Produktions-IT der in Duisburg betriebenen Hochöfen und Kraftwerke seien nicht betroffen gewesen. Die befallenen Systeme seien gereinigt worden.

"Kein vollständiger Schutz"
Der Konzern habe beim Landeskriminalamt NRW Anzeige erstattet. ThyssenKrupp kooperiere mit verschiedenen Behörden und Spezialeinheiten für Cybercrime der Polizei, um die Informationssicherheit weiter zu entwickeln. Der Fall lasse nicht auf Sicherheitsmängel schließen, betonte der Industriekonzern. Auch menschliches Versagen sei auszuschließen. Nach Ansicht von Experten gebe es vielmehr "in den komplexen IT-Landschaften von Großunternehmen" keinen vollständigen Schutz gegen derartige Angriffe.

Daten-Fragmente gestohlen
Anhaltspunkte für Sabotage seien nicht entdeckt worden, erklärte der Konzern. Es gebe auch keine Hinweise auf eine Manipulation von Daten oder Applikationen. "Es wurde festgestellt, dass über die betroffenen Bereiche Daten-Fragmente gestohlen worden sind. Der Inhalt des Datenabflusses ist mit Ausnahme bestimmter Projektdaten in einer operativen Einheit aus dem Bereich Anlagenbau bisher noch nicht bekannt." Weitere Hackerangriffe habe es seitdem nicht gegeben. Welche Länder betroffen waren, sagte ThyssenKrupp nicht.

Laut "Wirtschaftswoche", die zuerst von dem Angriff berichtet hatte, seien es bei Industrial Solutions mehrere Standorte in Europa, Indien, Argentinien und den USA gewesen. In der Stahlsparte hätten die Hacker das Walzwerk Hohenlimburg in Hagen angegriffen.

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