Mo, 23. Oktober 2017

Massive Kritik

07.12.2016 11:11

Amnesty: Halbe Million Kurden in Türkei vertrieben

Die massive Repression durch Sicherheitskräfte in den Kurdengebieten im Südosten der Türkei habe rund eine halbe Million Menschen in die Flucht getrieben, prangert Amnesty in einem neuen Bericht an. Besonders die Situation vertriebener Familien aus dem kurdisch besiedelten Sur, einem Stadtbezirk von Diyarbakir im Südosten der Türkei, wird thematisiert.

Tausende Bewohner, die aus Sicherheitsgründen vertrieben wurden, können nicht in ihre Heimat zurückkehren, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation. "Während die Unterdrückung von Medien und der Zivilgesellschaft einige Beachtung gefunden hat, ist das Schicksal der vielen Menschen, die unter dem Vorwand der Sicherheit ihre Häuser verlassen mussten, weitgehend unbeachtet geblieben", kritisierte John Dalhuisen, Europa-Direktor von Amnesty International, fehlende Maßnahmen.

Zeitlich unbegrenzte Ausgangssperre in Sur
Bis zum Juli 2015 wurde Sur von der kurdischen Arbeiterpartei PKK selbstverwaltet. Nach Zusammenstößen kam es zu groß angelegten Militäroperationen der türkischen Sicherheitskräfte, die zeitlich unbegrenzte Ausgangssperren verhängten. Laut Angaben von Amnesty gelten die Ausgangssperren auch nach dem Ende der Kämpfe im März 2016 weiterhin. Bewohner, die nach Sur zurückkehren wollten, sollen vollständig zerstörte Häuser vorgefunden haben oder von Sicherheitskräften eingeschüchtert worden sein.

"Bewusste Vertreibung"
Amnesty zufolge erkennen die Vertriebenen eine bewusste Vertreibung für den Bau eines "städtischen Entwicklungsprojekts". Laut der Menschenrechtsorganisation gibt es ähnliche Projekte in weiteren Orten im Südosten der Türkei, bei denen Bewohner dauerhaft vertrieben werden. Angesichts dieser Situation fordert Amnesty die Aufhebung der Ausgangssperren, Möglichkeiten für die Bevölkerung, in Ersatzunterkünfte zu ziehen, oder eine Entschädigung für den Verlust von Wohnungen.

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Redaktion
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