Do, 23. November 2017

PISA-Debakel

06.12.2016 16:22

Weltweit größte Kluft zwischen Mädchen und Buben

Für Österreich hat es am Dienstag schon wieder schlechte Noten gehagelt: Beim aktuellen PISA-Test haben sich die heimischen Schüler in allen Gegenständen verschlechtert. Besonders dramatisch ist der weltweit größte Abstand zwischen Mädchen und Buben. Für Bildungsministerin Sonja Hammerschmid sind die Ergebnisse insgesamt "inakzeptabel".

Was bei der Analyse der wenig erfreulichen Daten für Österreich speziell auffällt: Der Leistungsabstand zwischen Mädchen und Burschen ist in keinem anderen Land so groß wie hierzulande - sowohl in den Mathematik als auch in Naturwissenschaften, wo die Buben 27 bzw. 19 Punkte mehr als Mädchen erreichen. In früheren PISA-Erhebungen (2006 bis 2012) waren es immer nur statistisch nicht signifikante acht bis neun Punkte Unterschied gewesen.

Unterschied deutlich gewachsen
Dass die Mädchen in diesen Fächern hinterherhinken, ist nicht neu, statt kleiner ist die Kluft aber noch größer geworden. Generell ist die Freude an Naturwissenschaften bei den österreichischen Jugendlichen gering ausgeprägt. Im PISA-Musterland Finnland schneiden in Mathematik übrigens die Mädchen besser ab. Beim Lesen sind die Mädchen zwar vorne, der Vorsprung vor den Burschen ist hier allerdings mit 20 Punkten deutlich geringer als in der Vergangenheit.

Riesenproblem mit dem Lesen
Beim Lesen haben Österreichs Schüler insgesamt sehr schlecht abgeschnitten - 23 Prozent gehören zur Risikogruppe, die einen Text nicht erfassen kann. Knapp ein Viertel der Jugendlichen kann somit am Ende der Pflichtschulzeit Texte nicht sinnerfassend lesen, so das ernüchternde Fazit der aktuellen PISA-Studie. Dass Lesen ohnehin das traditionell schlechteste Testgebiet der heimischen Schüler ist, macht das schlechte Abschneiden auch nicht besser.

Die rot-weiß-roten Schüler kamen beim Lesen auf nur 485 Punkte, das ist signifikant unter dem OECD-Schnitt von 494. Auch hier zeigt sich die gleiche Wellenbewegung gegenüber den Tests der vergangenen Jahre: 2012 erreichten die österreichischen Schüler noch 490 Punkte (OECD-Schnitt: 496), 2009 waren es 470 (OECD: 494) und 2006 490 (OECD: 489).

Ministerin Hammerschmid im "Krone"-Interview

"Krone": Frau Minister, sind Sie überrascht von diesem PISA-Ergebnis?
Hammerschmid: Überrascht? Nein, nicht wirklich. Es gibt ja viele große Maßnahmen, die noch nicht umgesetzt worden sind. Wesentliche Stellschrauben wurden noch nicht realisiert. Das Ergebnis ist inakzeptabel, jetzt müssen wir sofort handeln.

Lesen ist schon seit vielen Jahren das große Sorgenkind Österreichs. Weshalb werden wir da nicht besser?
Wir brauchen Sofortmaßnahmen, die auf das einzelne Kind zugeschnitten sind. Die Lehrer benötigen Diagnosemöglichkeiten, um sofort zu reagieren. Das ist bis dato nicht der Fall. Wir müssen schon im Kindergarten und dann in der ersten Klasse Volksschule ansetzen. Die Sprache wirkt sich auf alles aus, wir müssen sie mehr in den Mittelpunkt stellen.

Sie sind erst seit wenigen Monaten im Amt und sehen sich durch das schlechte Ergebnis in Ihren Reformvorschlägen bestätigt. Das haben auch schon Ihre Vorgängerinnen betont. Wieso soll es nun anders werden?
Die Pakete liegen auf dem Tisch, wir haben im vergangenen halben Jahr bereits viel erreicht. Ich setze weiter auf Verhandlungen. Dass es Widerstand gibt, bin ich gewohnt, auch aus meiner Zeit an der Universität. Aber ich habe gelernt, Geduld zu haben, alle Beteiligten zu informieren und zu überzeugen. Durchschnitt ist für mich kein erstrebenswertes Ziel, das Ziel ist, dass Österreich zu den zehn Besten gehört.

Zuletzt gab es Diskussion und Kritik zum Ausbau der Ganztagsschule sowie am Autonomiepaket. Wie geht es in diesen Punkten weiter?
Mit den Plänen für die Ganztagsschule sind wir noch diese Woche im Unterrichtsausschuss und kommende Woche im Plenum im Parlament. Ich gehe von einer guten Lösung aus. Beim Autonomiepaket wird es sicher noch Debatten geben.

 krone.at
Redaktion
krone.at
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