Mo, 23. Oktober 2017

Selbstversuch

07.12.2016 10:04

Bahnrad: Popo-Panne im Dusika-Stadion

Ein Beitrag mit einem Selbstversuch im Bahnradfahren soll gedreht werden. Im ehrwürdigen Wiener Ferry-Dusika-Stadion, Österreichs einziger Bahnrad- und Leichtathletik-Indoor-Anlage. "Kein Problem", denke ich mir, "radeln kann jedes Kind". Dass ich noch auf einem Rennrad gesessen, in Rennpedalen geklemmt und ein Radl ohne Bremsen und Leerlauf bedient habe, ist mir zu diesem Zeitpunkt noch ziemlich wurscht. Noch.

Als Lehrmeister kralle ich mir einen echten Kapazunder: Wolfgang Eibeck, zweifacher Paralympics-Sieger. In Rio ist er zwar "hinter den Erwartungen" geblieben - es sieht trotzdem sehr geschmeidig aus, wenn er gemeinsam mit seinen Kollegen vom Team Nora Pure Sports über die doch recht steile Bahn im Dusika-Stadion cruist.

Die Crux mit den Pedalen
Allerdings hat Kollege Eibeck wohl eines unterschätzt: wie schwer sein heutiger Fall, also ich, ist. "Ich habe gar nicht bedacht, dass es ein Thema sein könnte, wie man überhaupt in die Rennpedale kommt. Die meisten, die mit dem Bahnradfahren beginnen, sitzen regelmäßig am Rad und haben schon Erfahrung mit Rennrädern", sagt er. Bei mir stellt sich das ganz anders dar. Es dauert Minuten, bis ich heraußen habe, wie ich mich in die Pedale einklinke, rutsche beim Versuch einzusteigen immer wieder ab. Mit der beherzten Hilfe von fünf Mitgliedern von Team Nora Pure Sports schaffe ich's dann aber doch. Und: Einmal in den Pedalen, gibt's kein Zurück. Jetzt heißt's: Strampeln und nur ja nicht aufhören! Kurz einmal durchschnaufen und das Rad laufen lassen - Fehlanzeige! Die Bahnräder verfügen über keinen Leerlauf und über keine Bremsen. Sehr ungewohnt für mich.

Zu langsam fürs Steile
Entsprechend wackelig stellt sich die Sache für mich da. Ich bleibe im gesicherten flachen Bereich. Obwohl mir meine Teamkollegen mehrfach versichern, mir könne im Flachen nichts passieren, habe ich allergrößten Respekt vor meinem Arbeitsgerät und der Holzbahn im Dusika-Stadion. Zwar fühlt es sich extrem lässig, auf dem brettlebenen Untergrund gleichsam dahin zu schweben - allerdings überwieg in jeder Kurve der Bammel. Ich habe jetzt etwas über 20 Stundenkilometer drauf. Um es in die Steillage zu wagen, bräuchte ich mindestens 30 km/h, sonst wären die Fliehkräfte nicht stark genug.

Wolfgang Eibeck sagt, ich solle versuchen, auf die 30 km/h zu beschleunigen - nur um zu sehen, wie sich die nötige Geschwindigkeit anfühlt. Er gibt Gas, ich versuche, mich an ihn anzuhängen. Schon in der zweiten Kurve lasse ich aber abreißen. Zu stark ist die Vorherrschaft von Genosse Angst. Ich fühle mich in den Rennpedalen eingeengt, muss mich immer wieder daran erinnern, nur ja nicht mit dem Treten aufzuhören, kann schwer einschätzen, wie das feinfühlige Gestell unter mir in Kurven reagiert.

Der Popo schmerzt
Ich wage den Sprung in den Steilhang jedenfalls nicht. Das hat aber zusätzlich zu den oben genannten Gründen einen noch viel triftigeren. Und schmerzhafteren. Nach geschätzten 15 Runden durchs imposante Innere des Dusika-Stadions krampft, schmerzt, streikt mein Allerwertester. Das "verkrampfte Sitzen" (Copyright: Wolfang Eibeck) auf dem harten Sattel hat dem Popo zu viel abverlangt. Nichts geht mehr. Ich muss wegen "technischen Gebrechens" gleichsam w.o. geben, noch bevor ich überhaupt daran zu denken wagt, ins Steile zu gehen.

"Man hat schon gesehen, dass die Angst groß war", kann sich Coach Eibeck danach ein Schmunzeln nicht verkneifen. Auf meinen kecken Einwand, dass ich an mir selbst großes Potenzial erkannt habe, kontert er: "Ja, man muss es nur von ganz weit unten hervorholen". Da ist was dran. Weswegen ich mich wieder in die Beobachter-Position zurückziehe und Eibeck und Co. beim richtigen Bahnradfahren bewundere. Ein bisserl sieht's doch besser aus wie bei mir.

von Michael Fally

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