Fr, 27. April 2018

Putsch im Paradies

06.10.2006 08:28

Just Cause

Spätestens seit den Ereignissen in Thailand weiß man: Putsch liegt voll im Trend. Da kommt Eidos mit "Just Cause" gerade recht. Hauptfigur des Spiels ist Rico Rodriguez, eine coole, ganz in schwarz gekleidete Socke, dessen Spezial-Gebiet das Stürzen von Regierungen ist.

Diesmal verschlägt es Rico nach San Esperito. Ein sehr ansehnliches Inselchen, wenn da nicht der fiese Machthaber Präsident Mendoza wäre. Ähnlichkeiten zu einem real existierenden Inselstaat - beispielsweise Kuba - sind übrigens rein zufällig und sicher nicht beabsichtigt.

Stilecht springt der Spezial-Agent mit einem Fallschirm über San Esperito ab - und landet inmitten einer Schießerei, bei der es gilt einem Agenten-Freund zur Seite zu stehen. Die anschließende Flucht im Jeep zum Inselversteck gestaltet sich auch nicht gerade leicht, wird das Agenten-Duo doch von allerlei Jeeps, Motorrädern und sogar Hubschraubern aufs Ärgste beschossen.

Im Versteck, wo Rico sich immer wieder mit Munition, Health-Packages oder geparkten Fahrzeugen versorgen kann, gibt es dann den ersten Auftrag: Ein bekannter Rebellen-Führer muss auf den Fängen der Regierung befreit werden. Nun könnte sich Rico gemächlich zu Fuß auf den Weg durch das karibische Inselparadies machen, wesentlich bequemer geht es jedoch mit einem der zahlreichen Fortbewegungsmittel.

Ganz in GTA-Manier können allerlei Autos, Bikes, aber auch Boote, Jet-Skis, Flugzeuge oder Hubschrauber kurz "ausgeliehen" werden, um schneller auf den verstaubten Landstraßen voranzukommen. Doch Rico muss nicht unbedingt freundlich anklopfen, um sich eines Wagens zu bemächtigen. Bei voller Fahrt kann Rico nämlich auf seinem Fahrzeug eine Stunt-Position einnehmen, um dann kunstvoll auf das Wunsch-Vehikel zu springen oder um seinen Fallschirm zu öffnen und einen Base-Jump hinzulegen.

Sollte Rico einmal ohne Fahrzeug da stehen, dann kann per PDA Nachschub aus der Luft angefordert werden. Anfangs steht zwar nur ein Motorrad zur Verfügung, später kommen aber auch bewaffnete Autos oder ein Hubschrauber hinzu. Doch Ziel des Spiels ist ja nicht das entspannte Cruisen bei Sonnenuntergang, sondern ein Wechsel des Regimes. Zu diesem Zweck muss Rico mit Milizen, Revoluzzern oder Drogenbossen zusammenarbeiten bzw. diese gegeneinander ausspielen und für ordentlich Verwirrung und Chaos auf der Insel sorgen.

Natürlich hält jede der Gruppierung noch ein paar spezielle Aufträge für den Agenten parat. Beispielsweise müssen ein paar edle Zigarren für den Revolutionsführer angekarrt werden, Militär-Fahrzeuge gekapert oder Koffer voller Geldnoten gefunden werden. Natürlich dürfen auch ein paar Liquidationen wichtiger Personen nicht fehlen. Wer jedoch schnell Präsident Mendoza gegenübertreten möchte, der muss Stück für Stück Regionen der Insel freikämpfen. Für jede erfolgreiche Mission gibt es neben neuen Fahrzeugen oder Waffen auch den Respekt des Auftraggebers - und unter Umständen den Hass der jeweils anderen Gruppierungen.

Grafisch macht "Just Cause" auf der Xbox 360 einen mehr als gelungenen Eindruck. Die karibische Umgebung mit feiner Weitsicht lädt zum Entspannen ein und lässt für einen kurzen Moment vergessen, dass man ja eigentlich zum Arbeiten hier ist. Auch die Musik, mit ihren treibenden lateinamerikanischen Klängen, kann sich hören lassen. Lediglich die Sprachausgabe kommt manchmal etwas uninspiriert daher.

Fazit: Obwohl sich "Just Cause" bei vielen bekannten Spielen bedient, ist aus dem Agenten-Shooter auf San Esperito doch etwas Eigenständiges geworden. Dies liegt einerseits an den politischen Verstrickungen, anderseits an Ricos ungewöhnlicher Art sich fortbewegen zu können und natürlich auch an der wunderschönen und riesigen Insel-Umgebung. Leichte Abzüge gibt es für die sich oft wiederholenden Sager der Passanten, eine nicht immer glänzende KI sowie die sich häufig ähnelnden Nebenmissionen.

Plattform: Xbox 360 (getestet), Xbox, PC, PS2
Publisher: Eidos
Krone.at-Wertung: 88%

von Sebastian Räuchle

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