So, 19. November 2017

„Nur eine Frau!“

30.11.2016 15:18

Muslim lehnt bei Kindsgeburt männlichen Arzt ab

Wüste Szenen haben sich jüngst im Wiener Wilhelminenspital abgespielt. Auf der Gynäkologie lag eine muslimische Patientin in den Wehen, ihr Mann verwehrte dem behandelnden Arzt aber den Zutritt zum Raum - und das nur, weil er männlich ist. "Kein Mann darf hinein, nur eine Frau", wetterte er. Übrigens: Der Mediziner selbst ist ebenfalls Muslim.

Als der zuständige Assistenzarzt vergangene Woche auf der Geburtenstation nach dem Rechten sehen wollte, wurde ihm von dem werdenden Vater der Weg in den Kreißsaal versperrt. "Kein Mann darf hinein, nur eine Frau", sagte er nach krone.at-Infos zum Arzt. Daraufhin übernahm eine Hebamme die Geburt, wie sonst auch üblich. Alles verlief gut. Später kehrte der Mediziner zur Nachuntersuchung zurück - als zuständiger Arzt muss er zumindest dabei anwesend sein - und wieder wehrte sich der Mann vehement.

"Du bist ein schlechter Mensch!"
Der Vater nahm den Mediziner, der selbst Muslim ist, zur Seite: "Du bist ein schlechter Mensch, so was darf man nicht, in meiner Religion steht geschrieben, dass das verboten ist!" Dann: "In welche Moschee gehst du? Frag deinen Imam, er wird es dir bestätigen, dass ich recht habe. Würdest du deine Mutter von männlichen Ärzten behandeln lassen?" Darauf entgegnete der Arzt: "Ja, das ist schon öfter passiert." Um die Situation zu entschärfen, fügte er hinzu: "Wir sind alle gute Menschen." Dann verließ er das Behandlungszimmer.

"Den Vorfall verurteilen wir aufs Schärfste"
Im Wilhelminenspital ist der Anteil der muslimischen Patienten hoch. Auf Anfrage erklärte Nani Kauer, die Sprecherin des Wiener Krankenanstaltenverbunds: "Den von Ihnen angesprochenen Vorfall verurteilen wir aufs Schärfste. Wir können unsere Patientinnen nur dann gut behandeln und versorgen, wenn sich alle - auch Angehörige - an die Abläufe und Regeln im Krankenhaus halten."

Es komme leider immer wieder und aus den unterschiedlichsten Gründen vor, "dass Patientinnen oder deren Angehörige mit Behandlung oder Betreuung nicht zufrieden sind und das mitunter auch lautstark artikulieren", so Kauer. Das Personal der Wiener Gemeindespitäler werde immer wieder im Umgang mit derartigen Situationen geschult. "Für die Wiener Gemeindespitäler ist gute Behandlung und Betreuung aller Patientinnen oberstes Ziel." Das sei auch im geschilderten Fall geschehen.

Schriftliche Absicherung geplant
Es steht im Raum, dass, um solche Szenarien künftig zu unterbinden, ein Formular erstellt wird. In diesem sollen sich Patienten bereits im Vorhinein bereit erklären, sich sowohl von männlichem als auch weiblichem Personal betreuen zu lassen.

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