Mi, 22. November 2017

Mit Auto und Messer

29.11.2016 21:19

„Soldat des Kalifats“ richtete Blutbad in Ohio an

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat das Attentat an einer Universität im US-Bundesstaat Ohio für sich reklamiert. Der Angreifer sei ein "Soldat des Kalifats" gewesen, berichtete das IS-Sprachrohr Amak am Dienstag. Wie berichtet, raste der 18-jährige Student Abdul Razak Ali Artan am Montagvormittag am Uni-Campus zunächst mit seinem Auto in eine Fußgängergruppe und stach anschließend mit einem Fleischermesser auf mehrere Menschen ein. Der gebürtige Somalier verletzte elf Menschen zum Teil schwer, bevor er von der Polizei erschossen wurde.

Ähnliche Formulierungen wie "Soldat des Kalifats" hatten die Dschihadisten zuletzt verwendet, wenn ein Anschlag nicht vom IS geplant war, der Angreifer aber Beziehungen zur Terrormiliz hatte. Artan sei laut der IS-Agentur Amak den Aufrufen gefolgt, Bürger jener Länder anzugreifen, die an der internationalen Militärkoalition im Irak und in Syrien beteiligt sind. Die US-geführte Allianz bekämpft in diesen Ländern den IS mit Luftangriffen.

Islamistische Facebook-Parolen vor der Tat
Den Berichten zufolge hatte Abdul Razak Ali Artan vor seiner Attacke in sozialen Netzwerken eine gegen die USA gerichtete politische Botschaft gepostet. Darin forderte er die USA auf, ihre Einmischung in muslimischen Staaten zu beenden. "Wir sind nicht schwach, denkt daran", schrieb er laut Angaben des Senders CNBC. "Wir werden euch nicht schlafen lassen, ehe ihr den Muslimen nicht Frieden gewährt." Die Botschaft, vermutlich auf seiner Facebook-Seite, erschien wenige Minuten vor seiner Attacke, inzwischen sei die Seite aber blockiert, berichtete der Sender ABC.

Attentäter 2014 über Pakistan in die USA eingewandert
Der Angreifer wurde laut Angaben der Polizei binnen weniger als einer Minute von einem herbeigeeilten Polizisten getötet. Die Verletzten werden wegen Stich- oder Schnittverletzungen bzw. Blessuren nach dem Zusammenprall mit dem Auto behandelt.

Die Auswertung von Überwachungskameras habe eindeutig ergeben, dass Artan alleine gehandelt habe, sagte der Chef der Campus-Polizei, Craig Stone. Auf die Frage, ob es ein Terrorangriff gewesen sei, sagte die Polizeichefin von Columbus, Kim Jacobs, das sei eine "Möglichkeit". Es werde in alle Richtungen ermittelt. Laut Angaben des Weißen Hauses ist die Bundespolizei FBI an den Ermittlungen beteiligt.

Nach dem Angriff verbreiteten sich die Informationen darüber vor allem über die Nachrichten-App Telegram rasend schnell. Unter den Kommentaren waren auch viele Lobpreisungen des somalischen "Bruders" zu lesen, wie der US-Terrorexperte Michael S. Smith in einer Analyse auf seiner Website insidethejihad.com erläutert.

Gleichzeitig warnte Smith davor, solche Formulierungen in den sozialen Netzwerken gleich als Verbindung zu Terrororganisationen zu werten. Allerdings habe es nach der Terrornacht in Paris im November 2015 und auch nach dem Attentat in Nizza am 14. Juli des heurigen Jahres ähnliche Wellen auf Telegram gegeben. Später bekannte sich der IS zu den Anschlägen. Auch hier könnte es sich so verhalten, meint der Experte.

Uni-Rektor warnt vor pauschalen Schuldzuweisungen
Universitätsrektor Michael Drake warnte unterdessen vor pauschalen Schuldzuweisungen an bestimmte Gruppen: "Wir haben keine Belege, die diese Tat mit einer bestimmten Bevölkerungsgruppe in Verbindung bringen." Drake warnte davor, nun "Menschen in einen Topf zu werfen und alle möglichen Theorien zu verfolgen". Die Ohio State University ist mit rund 60.000 Studenten auf dem Hauptcampus in Columbus eine der größten Hochschulen der USA.

Erst im Sommer hatte die Campuszeitung "The Lantern" ein Porträt eines Studenten namens Abdul Razak Ali Artan veröffentlicht, der sich als Muslim an der Universität benachteiligt fühlte. Offenbar handelte es sich um den späteren Attentäter. Artan beklagte in dem Artikel, dass es auf dem Campus keinen Gebetsraum für Muslime gebe und er sich unwohl dabei fühle, offen vor den anderen Studenten zu beten. Artans Familie soll 2014 über Pakistan in die USA eingewandert sein. Er habe an der Uni Logistikmanagement studiert.

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