So, 19. November 2017

Neue Methode

29.11.2016 06:01

Forscher in NÖ steuert mit Licht Zellwachstum

Krankheiten entstehen bekanntlich, wenn der menschliche Körper aus dem Gleichgewicht gerät. "Ein besonders fragiles Gleichgewicht reguliert das Überleben und den Tod jeder einzelnen Körperzelle, da sowohl übermäßiges Zellwachstum als auch übermäßiger Zelltod den Körper schädigen können", erläutert Dr. Harald Janovjak vom Institute of Science and Technology (IST Austria) in Klosterneuburg. Der Schweizer Biologe erforscht die Rolle des Lichts bei der Steuerung des Zellwachstums.

Eine Verschiebung des Gleichgewichts zu unkontrolliertem Wachstum wird bei Krebserkrankungen beobachtet, während unkontrollierter Zelltod ursächlich neurodegenerativen Krankheiten und auch bestimmten Formen von Diabetes zugrunde liegt. "Im Gegensatz zu Krebserkrankungen, für die bereits wachstumshemmende Wirkstoffe bekannt sind, gibt es nur wenige therapeutische Ansätze für Krankheiten, die nach einer Wachstumsförderung verlangen", so Janovjak.

Die besondere Anforderung an solche Ansätze ist, dass das Wachstum nur in den Zellen angeregt wird, welche vom Zelltod bedroht sind, damit eine Störung der Gleichgewichte in gesunden Zellen vermieden werden kann.

Neue Methode zur Wachstumsförderung entwickelt
Dr. Janovjak und seine Forschungsgruppe haben in Zusammenarbeit mit dem Institut für Krebsforschung der Medizinischen Universität Wien neue Methoden entwickelt, die eine hochpräzise Wachstumsförderung ermöglichen. Als Inspiration dienten Mikroben und Pflanzen, die ebenfalls am IST Austria untersucht werden. Diese besitzen nämlich die besondere Fähigkeit, Licht zur Steuerung ihres Wachstums zu verwenden. Nun ist es in Niederösterreich gelungen, auch tierischen Zellen diese Fähigkeit beizubringen. Die Verwendung von Licht ermöglicht das "Anvisieren" bestimmter Zellen und dadurch den präziseren Schutz vor Zelltod.

Die Technologie wird in Modellen neurodegenerativer Krankheiten und Diabetes erprobt, mit dem Ziel, das Gleichgewicht zwischen Zellwachstum und Zelltod besser zu verstehen und gezielt wiederherzustellen. Unterstützt wird dieses Projekt durch den Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) und durch das Europäische Forschungsrahmenprogramm.

Zur Person:
Harald Janovjak ist Schweizer Biologe und leitet die Forschungsgruppe "Synthetische Physiologie" am Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg. Nach dem Studium in Molekularer Biologie am Biozentrum der Universität Basel forschte er an der Technischen Universität Dresden in Biophysik, der University of California in Berkeley (USA) und der Ludwig-Maximilians-Universität München in chemischer Biologie.

In der Serie "Krone der Wissenschaft" stellen wir Projekte von Spitzenforschern und -forscherinnen in Österreich vor. Ausgewählt werden sie von Prof. Dr. Georg Wick, dem Leiter des Labors für Autoimmunität an der Medizinischen Universität Innsbruck.

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