Di, 21. November 2017

Prozess in Wien

28.11.2016 12:11

Eisenstangen-Mord am Brunnenmarkt: Einweisung!

Das Urteil der Geschworenen ist gefallen: Jener 21-jährige Kenianer, der im Mai am Wiener Brunnenmarkt eine 54-Jährige auf dem Weg zu ihrer Arbeit mit einer elfeineinhalb Kilogramm schweren Eisenstange erschlagen hatte, wird in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Der Mann ist einem psychiatrischen Gutachten zufolge aufgrund einer paranoiden Schizophrenie unzurechnungsfähig. Das Urteil fiel einstimmig aus, ist aber nicht rechtskräftig.

Maria E. querte am 4. Mai in der Früh mit einer Kollegin den Brunnenmarkt in Ottakring. Da stand unvermittelt der vorbestrafte Kenianer Francis N. mit einer Eisenstange vor ihnen, schlug auf Maria E. ein, zumindest acht Mal. Marias Kollegin konnte flüchten, die 54-Jährige selbst hatte keine Chance. Francis N. warf die Stange weg, schlenderte ruhig von dannen, bis er festgenommen wurde.

Sachverständiger Karl Dantendorfer attestierte dem Verdächtigen eine paranoide Schizophrenie: Die Wiederholungsgefahr ist groß, die Staatsanwaltschaft beantragte die Einweisung. Die Geschworenen folgten schließlich dieser Empfehlung und fällten einstimmig ihr Urteil. Der paranoid schizophrene Mann bedürfe einer dauerhaften engmaschigen Betreuung, sagte Richter Ulrich Nachtlberger.

"Genauso gefährlich wie zum Zeitpunkt der Tat"
"Er ist im Moment genauso gefährlich wie zum Zeitpunkt der Tat und würde zweifellos genauso schwere Straftaten wieder begehen", erklärte Dantendorfer. Die Tat selbst war laut dem Gutachter "nicht langfristig geplant", sondern ereignete sich "spontan, aus einer Wahnvorstellung heraus". Ob der gebürtiger Kenianer überhaupt soweit behandelt werden kann, dass sich sein Befinden irgendwann nachhaltig bessern wird, konnte der Experte nicht abschätzen: "Je länger jemand bei dieser Krankheit nicht behandelt wurde, desto schwieriger wird es." Verteidiger Richard Soyer bat um Bedenkzeit, das Urteil ist daher nicht rechtskräftig.

Weitere Attacken aktenkundig
Dantendorfer übte auch Kritik an den Behörden. Denn der offensichtlich psychisch Kranke soll bereits vor dem gegenständlichen Geschehen laut Aktenlage zwei Frauen mit einer Eisenstange geschlagen haben, wobei die Opfer vergleichsweise glimpflich davonkamen. Der verhaltensauffällige 21-Jährige blieb aber auf freiem Fuß. Zu der Bluttat an Maria E. wäre es möglicherweise nicht gekommen, hätten die Behörden rascher und konsequenter reagiert.

"Ich hoffe immer noch, dass Maria zur Tür reinkommt", hatte Marias Gatte nach der Tat zur "Krone" gesagt, "man begreift's halt nicht." Zur Urteilsverkündung erschien der Witwer im Großen Schwurgerichtssaal und nahm neben seinen Rechtsvertretern Platz, um den Ausgang des Strafverfahrens persönlich miterleben zu können.

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