Mi, 13. Dezember 2017

"Nobelpreis"-Eklat

25.11.2016 12:52

Ägypten: Frauenrechtlerin an Ausreise gehindert

Eklat vor der Verleihung der "Alternativen Nobelpreise" (Right Livelihood Awards) am Freitag im schwedischen Stockholm: Die Regierung in Kairo hat ein Ausreiseverbot gegen die ägyptische Frauenrechtlerin Mozn Hassan verhängt, wodurch ihr die Entgegennahme der Auszeichnung unmöglich gemacht wurde. Zu den Preisträgern zählt auch die türkische Oppositionszeitung "Cumhuriyet", doch deren gesamte Führungsriege befindet sich derzeit bekanntlich in Haft.

Während von der "Cumhuriyet" mit zwei Kolumnisten immerhin zwei Vertreter für den Empfang des Preises nach Stockholm gebracht werden konnten, sei geplant, die Verleihungsurkunde für Mozn Hassan am Freitagabend lediglich symbolisch im Protest hochzuhalten, sagte Right-Livelihood-Stiftungsvorsitzender Ole von Uexküll.

Hassan dokumentriert sexuelle Übergriffe in Ägypten
Die 1979 geborene ägyptische Feministin Mozn Hassan gründete 2007 die Organisation "Nazra für feministische Studien". Inzwischen 20 Mitarbeiter stark, hat "Nazra" es sich zur Aufgabe gemacht, die Rechte von Frauen in Ägypten und im gesamten arabischen Raum zu stärken. Hassan dokumentiert sexuelle Übergriffe und hilft den Opfern medizinisch, psychologisch und juristisch. Im Zusammenschluss mit anderen Frauenorganisationen hat sich "Nazra" laut der Stiftung 2014 erfolgreich für die Aufnahme der Frauenrechte in die ägyptische Verfassung eingesetzt und die Ausweitung der Definition sexueller Straftatbestände im Strafgesetzbuch erreicht. Außerdem unterstützt Hassan Frauen bei ihrer Kandidatur für politische Ämter.

"Cumhuriyet": Ex-Chefredakteur nach Deutschland geflüchtet
Auch die türkische Oppositionszeitung "Cumhuriyet" gehört zu den Preisträgern. Den derzeit inhaftierten Journalisten werde seitens der türkischen Regierung Unterstützung terroristischer Aktivitäten sowie Verbindungen zur Bewegung des im US-Exil lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen vorgeworfen. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan macht Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Dabei ist die auf Anregung von Republiksgründer Mustafa Kemal Atatürk gegründete "Cumhuriyet" ein Sprachrohr der Verfechter der laizistischen Staatsordnung. Zuletzt wurde der Herausgeber, Akin Atalay, in Untersuchungshaft genommen. Der frühere Chefredakteur der Zeitung, Can Dündar, ist vor der Verfolgung nach Deutschland geflüchtet. Sein Nachfolger Murat Sabuncu sitzt im Gefängnis.

Weitere Preisträger aus Syrien und Russland
Die Übergabe der vier Preise im Gesamtwert von drei Millionen Schwedischen Kronen (rund 300.000 Euro) findet heuer erstmals nicht im schwedischen Parlament statt, sondern im Stockholmer Vasa-Museum statt. Neben Hassan und der "Cumhuriyet" erkor eine internationale Jury die freiwillige syrische Rettungsorganisation "Weißhelme" und die russische Menschenrechtsaktivistin Swetlana Gannuschkina zu den Preisträgern. Vor zwei Jahren erhielt der US-Whistleblower Edward Snowden den "Alternativen Nobelpreis". Die Auszeichnung wird seit 1980 jährlich an Kämpfer für Menschenrechte, Umweltschutz und Frieden vergeben.

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