So, 21. Jänner 2018

04.10.2006 16:20

Olympia - Peking 2008

Das freie Wort

Schon in gewachsenen Demokratien weiß jeder inzwischen, was man von Politiker-Versprechungen halten kann; für (ebenso gestandene) Diktaturen gilt das in noch wesentlich höherem Maß. Und dennoch hat man bei der Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2008 ausgerechnet Peking den Zuschlag erteilt.

Treuherzig wurde seitens der kommunistischen Führung Rot-Chinas versichert, die Vorbereitung auf dieses sportliche Weltereignis werde mehr Offenheit und Transparenz in Staat und Gesellschaft bringen sowie den Demokratisierungsprozess generell beschleunigen.

Selbstverständlich werde auch auf dem Gebiet der Menschenrechte nur so Fortschritte zu erzielen sein. Nicht nur aus den bei der Abstimmung unterlegenen Ländern wurde diesbezüglich äußerste Skepsis angemahnt. Tatsächlich hatte die Pekinger Regierung nie die Absicht, all diese schönen Schalmeienklänge auch in die Praxis umzusetzen. Es hatte schließlich genügt, den für das Votum wichtigen Leuten, "1000 Blumen" zu streuen.

Aber die Pessimisten hatten leider tatsächlich Recht: Denn derzeit erleben wir im "Reich der Mitte" eine Knebelung des freien Zugangs zu Informationen, wie man dies bisher eigentlich nur von ökonomisch völlig unterentwickelten Drittweltstaaten her kannte, wo der Profit aus international gefragten Ressourcen in die Taschen eines Despoten und seiner Familie fließt.

Doch China versucht ja mit enormem Ehrgeiz technisch-wirschaftlich-wissenschaftlich nicht nur "global mitzuplayen", sondern sogar auf zahlreichen Sektoren in jeder Hinsicht "Weltmarktführer" zu werden. Indes gelingt der Spagat zwischen omnipotenter Kontrolle durch die Partei und dem "freien Fluss der Gedanken" immer weniger.




Helmut Magnana, Wien
erschienen am Do, 5.10.
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