Sa, 18. November 2017

Nach Folter-Fahrt

23.11.2016 12:37

Hameln-Drama: Polizei übt heftige Kritik an Justiz

Nachdem in der deutschen Stadt Hameln ein Mann seine ehemalige Freundin mit dem Auto fast zu Tode geschleift hat, übt die Polizeigewerkschaft scharfe Kritik an der Justiz. Der 38-Jährige sei bereits vor seiner Wahnsinnstat immer wieder mit Straftaten aufgefallen, aber dennoch nie im Gefängnis gesessen, sagte Gewerkschaftschef Rainer Wendt am Mittwoch. Die Polizei fühle sich im Vorgehen gegen Gewalttäter "von der Justiz komplett alleingelassen".

Wendt sagte gegenüber der "Passauer Neuen Presse", der Mann kurdischer Abstammung habe eine lange Gewaltkarriere hinter sich, trotzdem sei er nie wegen einer Straftat verurteilt worden. "Die volle Härte des Gesetzes heißt heute oft, wir stellen von Straftätern die Personalien fest, und Richter lassen sie wieder frei", so der Chef der zweitgrößten Polizeigewerkschaft DPolG. Bezüglich des 38-Jährigen sagte Wendt: "Es wird sich ein Richter finden, der ihm auch jetzt wieder eine positive Sozialprognose geben wird."

Auch Kritik an Urteil zu "Scharia-Polizei"
In diesem Zusammenhang kritisierte Wendt auch die Entscheidung eines Gerichts in Wuppertal, das am Dienstag die sogenannte Scharia-Polizei freigesprochen hatte. Das sei "unfassbar und ein verheerendes Signal" angesichts der Tatsache, dass zuletzt Hunderte von Polizisten wochenlang rund um die Uhr gearbeitet hätten, um erfolgreich eine Razzia gegen die Salafistenszene durchführen zu können. Der Gewerkschaftschef sprach sich generell dafür aus, die Ausbildung und Berufung von Richtern zu überprüfen, denn die Ermittler fühlten sich "von der Justiz komplett alleingelassen".

Frau mit Auto durch die Stadt geschleift
Der Gewaltexzess in Hameln sorgt nach wie vor für Entsetzen. Der Mann hatte seiner 28-jährigen Exfreundin am Sonntagabend einen Strick um den Hals gebunden und diesen an seinem Auto befestigt. Danach schleifte er die Frau rund 250 Meter durch mehrere Straßen der Stadt, bevor sich das Seil vom Wagen löste und das Opfer schwer verletzt auf einem Gehsteig liegen blieb.

Sohn musste am Rücksitz alles mit ansehen
Laut Staatsanwaltschaft hatte ihr der Verdächtige bereits zuvor durch zwei Stiche "erhebliche Verletzungen" zugefügt. Laut Angaben der Polizei besteht außerdem der Verdacht, dass der gemeinsame Sohn des Paars bei dem brutalen Verbrechen im Auto am Rücksitz saß. Die Frau befindet sich nach einer Notoperation weiter im künstlichen Koma, der Mann sitzt wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft.

Anzeige kurz vor Tat blieb ohne Folgen
Die Hintergründe und Motive für die brutale Tat sind weiter unklar. Der Mann habe in allen Vernehmungen bisher keine Angaben gemacht, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstagabend. Doch schon am Montag hatte die Behörde von Hinweisen auf Streitigkeiten zwischen den ehemaligen Partnern berichtet. Demnach hatte die Frau ihren Exfreund erst vor einigen Tagen wegen Bedrohung angezeigt. Polizisten hätten daraufhin eine sogenannte Gefährderansprache vorgenommen, eine weitergehende rechtliche Handhabe hätten sie nicht gehabt. Es gebe zudem Hinweise, dass der 38-Jährige auch schon früher gewalttätig gegen die 28-Jährige sowie deren Mutter geworden sei.

Wie der "Spiegel" berichtet, seien Täter und Opfer Kurden. Der Kurdischen Gemeinde in Deutschland zufolge würden sie einem arabischen "Clan" aus dem Libanon und der Türkei angehören, der unter dem Namen "Mhallami-Kurden" auftrete, aber kein Teil der kurdischen Gemeinschaft in Deutschland sei.

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