Fr, 17. November 2017

Ist das so okay?

21.11.2016 13:14

Direktorin: Deutschpflicht in Pause „Schwachsinn“

"Schwachsinn" nennt eine Wiener Schuldirektorin die bereits oft diskutierte und in Oberösterreich heuer verordnete Deutschpflicht auf Schulhöfen - und das, obwohl fast 100 Prozent der Kinder ihrer Schule Migrationshintergrund haben. Es sei "selbstverständlich", dass die Schüler in den Pausen in ihrer Muttersprache reden können. Die Probleme lägen woanders.

Diskussionen über eine Deutschpflicht auf Österreichs Schulhöfen gibt es bereits seit Jahren. Erst heuer verordnete die schwarz-blaue Koalition in Oberösterreich eine solche und forderte per Resolution eine entsprechende Änderung im österreichischen Schulunterrichtsgesetz. Der Bund erteilte den Wünschen aus Linz allerdings eine Absage. Der Verfassungsdienst des Bundeskanzleramtes wertete die Deutschpflicht zum einen als "Eingriff in das Privatleben der Schülerinnen und Schüler", zum anderen sehe der Deutsch-Lehrplan in Volksschulen ausdrücklich vor, dass "jede Abwertung der Herkunftssprachen" der Kinder zu vermeiden sei.

Erika Tiefenbacher, Direktorin an der Neuen Mittelschule in der Schopenhauerstraße 79 in Wien, weiß um die Aufgabe, den Kindern an ihrer Schule Deutsch beizubringen. Ihnen am Schulhof aber ihre Muttersprache zu verbieten, gehört für sie nicht dazu - das funktioniere auch nicht. Das sei "Schwachsinn", sagte Tiefenbacher wörtlich im Interview mit dem "Standard", relativierte aber sogleich: "Oder besser: offensichtlich Unwissen und fehlende Erfahrungen."

Höchstens zwei Kinder pro Klasse mit Deutsch als Muttersprache
Denn man müsse es selber erlebt haben, "damit man versteht, dass man den Kindern ihre Herzenssprache nicht verbieten kann. Jeder, der in einem fremden Land auf eine Fremdsprache angewiesen war, die man nicht gut kann, stürzt sich auf jeden, der Deutsch oder Englisch spricht." Dass an ihrer Schule höchstens ein oder zwei Kinder pro Klasse Deutsch als Muttersprache haben, ändere an ihrer Ansicht nichts.

"Wir haben an die 20 Muttersprachen und wollen aus der Vielsprachigkeit unserer Kinder, die uns ja von vielen als Nachteil ausgelegt wird, einen Mehrwert machen", so die 51-Jährige. "Muttersprachen und damit auch der Bezug zur Kultur" würden sogar gefördert, damit die Kinder "die Eltern bei den Hausübungen einbeziehen können". Kinder mit null Deutschkenntnissen werden elf Stunden pro Woche separat in einem Deutschkurs unterrichtet.

"Hoffentlich macht es irgendwann Klick"
Allerdings sieht auch sie Probleme: "Das Problem ist, dass wir als Lehrerinnen in diesen 50 Minuten Unterricht die einzigen Bezugspersonen mit Deutsch sind. Die Familie, aber auch Freundinnen und Freunde reden in der Muttersprache." Sie hoffe darauf, dass es bei den Kindern mit nicht-deutscher Muttersprache "irgendwann Klick macht oder wir von den Sprachen her so viele Mischgruppen in der Klasse haben, dass dann die gemeinsame Sprache Deutsch ist".

Auch würde es ihrer Meinung nach helfen, "würde man die außerordentlichen Kinder auf ganz Wien gerecht aufteilen, das heißt, auch auf Gymnasien, auch auf Privatschulen, damit es Mischklassen gibt". "Dann hätten wir kein Problem."

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