Di, 16. Jänner 2018

Oedipus in Linz

02.10.2006 20:51

Tragödie als dichter Bilderbogen

Die Tragödie „Oedipus“ ist in den Linzer Kammerspielen in einer knappen, aber schlüssigen Inszenierung zu sehen. Bernarda Horres stellte das Spiel um den Vatermörder und Liebhaber der Mutter in einen weißen Raum. Es entfaltet sich eine Regie, die an ästhetischen Bildern und dramatischer Intensität interessiert ist.

Sophokles´ „Oedipus“ ist in der Übersetzung von Peter Krumme schon weit vom antiken Sprachpathos entfernt. Die Konzentration des Stücks ruht auf dem Protagonisten Oedipus, der von Konstantin Bühler gespielt wird. Er lässt als junger König anfänglich die Muskeln spielen, wird dann aber durch die sekkanten Weissagungen des blinden Sehers zum mitleidserregenden Helden. Bühler entwickelt Oedipus sehr behutsam. Nie verfällt er dem Größenwahn eines Königs ganz, sondern deutet das nur an. Er beugt sich nicht dem Schicksal, sondern kommt ihm auf die Spur und brüllt dagegen an.

Bettina Buchholz hat die Rolle des Teiresias. Sie lässt den Seher, der seine Macht gegenüber den Oligarchen unmissverständlich ausspielt, aus dem Volk kommen. Sebastian Hufschmidt ist ein stiller Kreon. Verena Koch macht die Iokaste zur undurchschaubaren Beobachterin. Eingerahmt wird die Erzählung durch einen Chor, der das Bühnengeschehen wunderbar kommentiert.

Nächste Vorstellungen: 5., 11., 12., 13. 10.

 

 

Foto: Artner

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