Di, 21. November 2017

Massentierhaltung

17.11.2016 10:02

Greenpeace kritisiert Antibiotika-Einsatz scharf

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert anlässlich des morgigen Europäischen Antibiotikatages eine drastische Reduktion des Einsatzes von Antibiotika vor allem in der Tierhaltung. Die flächendeckende Verwendung von Antibiotika führt dazu, dass sich immer mehr Bakterien an die Medikamente anpassen.

Schon jetzt sterben in der EU jährlich mindestens 25.000 Menschen an Keimen, gegen die kein Medikament mehr wirkt. Greenpeace sieht in Österreich nun vor allem Gesundheitsministerin Oberhauser gefordert.

"Wir schlittern in eine enorme Krise"
"Wenn wir unser Gesundheitssystem nicht in eine enorme Krise schlittern lassen wollen, müssen wir den Einsatz von Antibiotika drastisch reduzieren, und das nicht nur beim Menschen, sondern vor allem auch in der intensiven Nutztierhaltung", sagt Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace in Österreich.

Resistente Keime auf Supermarktfleisch
Je mehr Antibiotika wir einsetzen, umso schneller werden die Keime resistent. In Österreich werden mehr Antibiotika an Tiere verabreicht als an Menschen. Greenpeace-Analysen der letzten Jahre haben gezeigt, dass sich auf Frischfleisch aus österreichischen Supermärkten regelmäßig resistente Keime finden. Die gefährlichen Bakterien gelangen also mit dem Produkt vom Stall bis in unsere Küche.

Gesunde Tiere werden gleich mitbehandelt
Die Intensivtierhaltung stellt für Tiere ein grundsätzliches Gesundheitsrisiko dar. Wenig Platz, viele Tiere auf engem Raum, unnatürliche Standflächen oder frühes Wegreißen der Jungtiere von den Müttern machen die Tiere anfällig für Krankheiten und Infektionen. Die Herdenbehandlung gehört hier zur Routine. "Herdenbehandlung heißt, dass zum Beispiel ein ganzer Stall voller Schweine mit Antibiotika behandelt wird, selbst wenn nur einige wenige Tiere krank sind", erklärt Theissing-Matei. "So erhalten auch gesunde Schweine regelmäßig eine Dosis des Medikaments. Ein untragbarer und absurder Zustand."

"Verantwortlicher Umgang mit Antibiotika nötig"
Die Intensivtierhaltung muss als Gesamtkonzept überdacht werden, fordert Greenpeace. Der Einsatz großer Mengen von Antibiotika ist in diesen Haltungsformen praktisch unvermeidbar. "In einer zukunftsfähigen und ökologischen Tierhaltung ist kein Platz für routinemäßige Herdenbehandlungen. Außerdem muss der Einsatz von Antibiotika, die für Menschen besonders wichtig sind, in der Tierhaltung verboten werden", stellt Theissing-Matei klar und betont: "Es ist höchste Zeit, dass Gesundheitsministerin Oberhauser ambitionierte Schritte in Richtung eines verantwortlichen Umgangs mit Antibiotika in der Tierhaltung setzt."

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