Di, 12. Dezember 2017

Rekonstruktion

16.11.2016 17:46

Eine Auferstehung, die bewegt

Wie Phönix aus der (Brand-)Asche: Die von Nazis in der Nacht von 9. auf 10. November 1938 niedergebrannte Linzer Synagoge wurde im Ars Electronica Center Linz virtuell originalgetreu wieder aufgebaut. Eine 3-D-Visualisierung ermöglicht den Eintritt ins seinerzeit imposante Gebetshaus.

Die Rekonstruktion der Synagoge, deren Grundstein vor 140 Jahren in der Linzer Bethlehemstraße 26 gelegt wurde, ist eine gemeinsame Meisterleistung des jungen Wiener Architekten Rene Mathe und des Futurelabs des Ars Electronica Centers.
Anhand von wenigen Aufzeichnungen und  verbliebener Fotos arbeitete Mathe für seine Diplomarbeit neun Monate an einer möglichst originalgetreuen Rekonstruktion des zerstörten Sakralbaus, den SS-Männer mit Benzinkanistern in Brand steckten, nachdem sie mit Äxten die Türe eingeschlagen und die religiösen Schätze der Synagoge der jüdischen Linzer Kultusgemeinde, der damals rund 700 Oberösterreicher angehörten, geraubt hatten.

Virtueller Besuch des Sakralbaus möglich
"Ausgehend von Mathes perfekt geglückten fotorealistischen Abbildungen konnte unser Futurelab eine 3-D-Visualisierung erstellen,  die einen virtuellen Besuch des Sakralbaus ermöglicht", erklärt Ars-Electronica-Leiter Christoph Kremer. Die Applikation erlaubt es, die alte Synagoge durch den Haupteingang zu betreten, den nach Jerusalem ausgerichteten Thora-Schrein zu bestaunen und hinauf zu den Emporen zu wandeln, wo damals die Frauen saßen.
Hochaufgelöste Gigapixelbilder aus der Kamera von Lois Lammerhuber zeigen die religiösen Kulturschätze wie einen Thora-Zeiger aus Elfenbein, einen jüdischen Hochzeitsvertrag und den geretteten Schlüssel der Synagoge. Beeindruckt und bewegt war Danielle Spera, Direktorin des jüdischen Museums in Wien, das den "Wiederaufbau" unterstützte, und die Schriftstellerin Anna Mitgutsch, eines der heute nur noch 60 Mitglieder der jüdischen Linzer Kultusgemeinde.

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