Mi, 24. Jänner 2018

Im Faulturm

16.11.2016 16:24

Tauchen in absoluter Dunkelheit

Den Wiener Roland Galler und seine vier Kollegen beneidet wohl niemand. Sie sind Faulturm-Taucher und seit Wochen in der Kläranlage in Klagenfurt im Einsatz.

Es ist kalt, nur die Luft, die aus Faulturm 1 strömt, ist warm, aber muffig. Schließlich fließen die gesamten Klagenfurter Abwässer hier zusammen. Der Faulturm 1 von insgesamt drei ist 22 Meter hoch, 20 Meter breit, er fasst 5500 Kubikmeter und wird täglich mit 200 Kubikmeter Klärschlamm beschickt.

"Mit der Zeit setzen sich Feststoffe darin ab", erklärt Kläranlagen-Leiter Gerhard Hohl: "Vor zwölf Jahren wurde der Turm zuletzt gereinigt, inzwischen sind die Ablagerungen laut digitaler Messung wieder auf 1500 Kubikmeter angewachsen."

Ein Job für die Faulturm-Taucher. "Ich muss als Nächster rein", sagt Roland Galler, der seit drei Jahren europaweit in absoluter Dunkelheit taucht. Er deutet auf seinen neuen, 15 Kilogramm schweren Helm.

"Platzangst darf man dort unten nicht haben. Wir können uns ja nur auf den Tastsinn verlassen, wenn wir mit einem Rohr die Ablagerungen absaugen."

Kein leichter Job: Im Faulturm, wo Bakterien die Abwässer zersetzen, hat es eine Temperatur von 37 Grad. Eine Stunde lang sind die Taucher jeweils im Wasser: "Zwei Liter Schweiß stehen danach im dichten Tauchanzug", weiß Galler. Und wie ist das, wenn der Anzug undicht ist? "Dann fließen die Fäkalien langsam rein." Keine schöne Vorstellung.

"Die Reinigung des Turmes kostet 135.000 Euro", erklärt Stadtrat Wolfgang Germ. Der abgesaugte Schlamm, eine zähflüssige, schwarze Pampe voll mit Phosphatverbindungen, die Bakterien nicht zersetzen können, wird mit Lastwagen nach Thon gebracht und weiterverarbeitet.

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