Mi, 22. November 2017

Gift für Hirnreifung

16.11.2016 10:31

Macht Junkfood-Konsum unsere Jugend dumm?

Junkfood ist heutzutage wortwörtlich in aller Munde. Besonders bei Kindern und Jugendlichen ist das fettreiche und ungesunde Essen beliebt. Doch die minderwertige Kost schädigt möglicherweise das Gehirn, wenn sie während des Heranwachsens über lange Zeit verzehrt wird. Darauf deuten die Ergebnisse einer Schweizer Studie an Mäusen hin. Demnach stört fettreiches Nahrung die Reifung der Stirnhirnrinde, wodurch es im Erwachsenenalter zu Defiziten bei Hirnfunktionen kommt.

Zu dem besorgniserregenden Befund kamen Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) und der Universität Zürich bei Versuchen mit heranwachsenden bzw. erwachsenen Mäusen, die entweder mit extrem fettreicher oder mit normaler Nahrung gefüttert wurden. Das fettreiche Futter enthielt überproportional große Mengen an gesättigten Fetten, die besonders häufig auch in Junkfood und Wurstwaren enthalten sind. Anschließend wurden die Tiere in regelmäßigen Abständen verschiedenen Verhaltens- und Lerntests unterzogen.

Defizite bereits nach wenigen Wochen
Bereits nach vier Wochen konnten die Wissenschaftler bei jungen Mäusen, die fettreiche Nahrung erhielten, erste kognitive Defizite feststellen. Und: diese traten bereits auf, noch bevor die Nager an Gewicht zulegten. Entscheidend für die Entstehung dieser Defizite sei das Zeitfenster des übermäßigen Fettkonsums: Dieser wirke sich vornehmlich in der Adoleszenz - also von der späten Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter - negativ auf die Reifung des sogenannten Präfrontalen Cortex' (der Stirnhirnrinde) aus, berichten die Forscher.

Ihren Angaben zufolge ist der Präfrontale Cortex deshalb besonders anfällig, weil seine Reifung länger dauert als die anderer Hirnstrukturen. Die Stirnhirnrinde ist bei Mensch und Maus erst im frühen Erwachsenenalter abgeschlossen, weshalb sie während ihres Reifungsprozesses besonders anfällig für negative Umwelteinflüsse wie Stress, Infektionen, Traumata oder eben einseitige unausgewogene Ernährung ist.

Der Präfrontale Cortex ist das, was den Menschen zum Menschen macht: Er ist der Sitz von Gedächtnis, Planung, Impulskontrolle und Sozialverhalten. Ohne funktionierende Stirnhirnrinde, etwa nach einem Unfall oder aufgrund eines Tumors, verändert sich das Wesen des Menschen. Er hat Mühe bei komplexen Lernprozessen, kann seine Hemmungen verlieren, wird unkontrolliert aggressiv, kindisch oder triebhaft.

Ergebnisse auf den Menschen übertragbar
Laut Angaben der Forscher sind die bei den Mäusen erhobenen Ergebnisse auf den Menschen übertragbar: "Ähnlich wie beim Menschen reift der Präfrontale Cortex bei der Maus vornehmlich in der Adoleszenz." Auch die Leistungen, die dieser Hirnregion zugeschrieben werden, seien bei Mensch und Maus vergleichbar. Zudem stimme die Nervenzellstrukturen, auf die die fettreiche Nahrung negativ einwirkt, in beiden Organismen überein, so die Wissenschaftler

Sie räumen allerdings ein, dass die fettreiche Nahrung - über 60 Prozent der Kalorien wurden den Nagern durch Fette zugeführt - nicht dem entspricht, was die meisten Menschen (und Mäuse) über längere Zeit einnehmen. Diese Art der Zuspitzung sei bewusst gewählt worden, um den Effekt fettreicher Nahrung auf die Gehirnreifung klar und deutlich aufzuzeigen. "Derart fettreich essen wohl nur die wenigsten Kinder und Jugendlichen", so die Forscher. Sie empfehlen aber, dass der Ernährung in der Zeit des Heranwachsens mehr Beachtung geschenkt werden müsse.

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