Sa, 18. November 2017

Alarmierende Studie

15.11.2016 10:44

Flughafen-WCs sind Drehkreuze für Superkeime

Was Reisende auf Toiletten von Flughäfen erwartet, ist nicht immer ein schöner Anblick. Wesentlich schlimmer kann allerdings das sein, was sie nicht sehen. Deutsche Forscher haben Airport-WCs in 59 Ländern unter die Lupe genommen, dort Abstriche der Türklinken genommen und die daran haftenden Erreger identifiziert. Das alarmierende Ergebnis: Die Wissenschaftler fanden oft sogenannte Superkeime und konnten nachweisen, dass die Toiletten für die Bakterien quasi "Drehkreuze" der Verbreitung sind.

Insgesamt 400 Türklinken von Toiletten auf 136 Flughäfen in 59 Ländern hat ein Team um Frieder Schaumburg und Karsten Becker vom Institut für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Münster in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut in Berlin zwischen Dezember 2012 und November 2015 untersucht.

Auf Abstrichen auch Superkeime entdeckt
Von den Abstrichen den Türklinken wurden die daran haftenden Keime auf Spezialnährmedien angezüchtet und anschließend die Spezies sowie das Erbgut jedes gefundenen Erregers analysiert. Besonders häufig fanden die Forscher den Erreger Staphylococcus aureus, der mit 5,5 Prozent etwa bei jeder zwanzigsten Probe auftrat, aber auch dessen gegen die am besten wirksamen Antibiotika, wie Penicillin und verwandte Substanzen resistente Variante MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus).

Dieser häufig auch als Superkeim bezeichnete Erreger ist ein alles andere als harmloses Bakterium und stellt eine erhebliche Gefahr für Menschen dar. Gelangen MRSA-Erreger ins Körperinnere, können sie zu Infektionen an verschiedensten Stellen des Körpers führen. Vor allem in Krankenhäusern stellt MRSA eine Gefahr dar, allein in den USA fielen dem Erreger 2005 etwa 19.000 Menschen zum Opfer.

Damit habe sich ihre These, dass Fluggäste bei Reisen in ferne Länder auch sogenannte multiresistente Superkeime in ihr Heimatland mitbringen können, bestätigt, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Clinical Microbiology and Infection". "Einer der gefundenen MRSA-Erreger, festgestellt in einer Probe aus Paris, war höchst ungewöhnlich für diese Region. Hauptsächlich kommt er in Indien vor. Er muss also vom Menschen dorthin gebracht worden sein", erläutert Karsten Becker.

"Gründlich Händewaschen ist ein Muss"
Auch wenn die gefundene Belastung der 400 untersuchten WC-Türklinken insgesamt gering ist, belege die Untersuchung, dass international reisende Fluggäste gefährliche Erreger - bis hin zu Superkeimen - erwerben und verbreiten können, so das Fazit der deutschen Forscher. Ihr Rat angesichts dieser Erkenntnis, ist daher nicht neu, aber unvermindert wichtig: "Egal an welchem Ort beziehungsweise Örtchen: Das gründliche Händewaschen nach der Toilettenbenutzung ist ein Muss".

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