So, 21. Jänner 2018

Irreführende Werbung

14.11.2016 11:43

Urteil gegen Fiat wegen "500 Tage zum Nulltarif"

Das Oberlandesgericht Wien (OLG Wien) hat die österreichische Niederlassung des italienischen Autobauers Fiat wegen irreführender Werbung verurteilt. In einen TV-Spot wurde nicht auf zusätzliche Spesen hingewiesen. Geklagt hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) im Auftrag des Sozialministeriums. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

In dem TV-Sport wurde ein Auto der Marke Fiat mit den Worten "500 Tage zum Nulltarif" beworben. Konsumenten konnten hier die Möglichkeit in Anspruch nehmen, den Preis für das Auto erst später - nach 500 Tagen - zu zahlen. Wenn Verbraucher diesen angepriesenen Zahlungsaufschub tatsächlich in Anspruch nahmen, fielen dafür allerdings 200 Euro an Spesen an. Diese Spesen wurden in der Werbung jedoch nicht erwähnt, weder im gesprochenen Text, noch in Form eines schriftlichen Hinweises, so der VKI am Montag. Laut OLG Wien ist die Werbung daher irreführend.

Im TV-Spot fehlten außerdem gesetzlich vorgesehene Informationen. Wenn in einer Werbung für Kreditverträge oder entgeltliche Zahlungsaufschübe Zinssätze oder sonstige auf die Kosten bezogene Zahlen erwähnt werden, muss die Werbung auch bestimmte Informationen verpflichtend nennen, allen voran den effektiven Jahreszinssatz und den vom Konsumenten zu bezahlenden Gesamtbetrag, so der VKI weiter.

In den effektiven Jahreszinssatz sind, im Unterschied zum Sollzinssatz, auch die meisten Kosten miteinzurechnen. Das heißt, dass dieser Wert den Konsumenten ein wirkliches Bild über die auf ihn zukommende konkrete Zahlungsverpflichtung vermittelt. In der gegenständlichen Werbung wurden diese vom Gesetz zwingend vorgesehenen Informationen aber nicht genannt. Auch aus diesem Grund ist die Werbung gesetzwidrig.

"Werbungen dürfen generell nicht irreführend sein. Insbesondere bei Werbungen für Kredite und Zahlungsaufschübe müssen die Verbraucher zusätzliche Informationen erhalten, damit sie bereits im Vorfeld einschätzen können, wie teuer ihnen diese Kreditierungen kommen können. Bei Kosten in der Höhe von 200 Euro kann man definitiv nicht von einem Nulltarif sprechen", so VKI-Juristin Beate Gelbmann.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden