Mo, 20. November 2017

Trauer in China

14.11.2016 15:27

Erste J-10-Kampfpilotin fliegt in den Tod

Die erste Pilotin von Chinas J-10-Kampfjet ist während eines Trainingsflugs ums Leben gekommen. Die 30-jährige Yu Xu habe sich zwar noch mit dem Schleudersitz aus ihrem Jet katapultieren können, sei aber dann vom Flügel einer anderen Maschine tödlich getroffen worden, berichteten staatliche Medien am Montag. Die als "Wegbereiterin" gefeierte Yu dürfte somit bei einer Reihe von Unfällen das erste Todesopfer mit dem betroffenen Kampfflugzeug Chengdu J-10 sein. Ihr männlicher Co-Pilot überlebte den Unfall leicht verletzt.

Yu Xu war eine der wenigen weiblichen Kampfpiloten der Volksrepublik China und Mitglied des "1. August"-Kunstflugdemonstrationsteams (benannt nach dem Gründungstag der chinesischen Volksbefreiungsarmee am 1. August 1927) der Luftstreitkräfte des Landes.

Die Pilotin und ihr Co-Pilot mussten ihren Jet am Samstag während einer Übung in der nördlichen Provinz Hebei per Schleudersitz verlassen, berichtete die Zeitung "China Daily" am Montag. Während ihr Co-Pilot demnach mit dem Fallschirm landen konnte und sich nur leichte Verletzungen zuzog, wurde die 30-Jährige vom Flügel eines anderen Jets getroffen und getötet.

China trauert um Verlust von "Wegbereiterin"
"Als einer von nur vier weiblichen Piloten im Land, die in der Lage sind, im Inland gebaute Kampfjets zu fliegen, stellt ihr Tod einen enormen Verlust für die chinesische Luftwaffe dar", berichtete die englischsprachige chinesische Tageszeitung "Global Times". Dem Bericht zufolge war Yu im Juli 2012 die erste Frau gewesen, die als Pilotin in einem J-10-Jet saß. Die 30-Jährige, die den Beinamen "Goldener Pfau" trug, stieg später zum Geschwaderführer auf und habe davon geträumt, sich als Astronautin für das chinesische Weltraumprogramm zu qualifizieren.

Der Tod der Kampfpilotin sorgt in China für große Trauer und Anteilnahme. Yu galt vielen Chinesen als "Wegbereiterin" und "legendäre Kriegerin unserer Zeit", wie User des größten sozialen Netzwerks des Landes, Weibo, die Fliegerin unter anderem nannten. Ihren letzten öffentlichen Auftritt hatte die 30-Jährige mit dem "1. August"-Team bei einer Flugshow Anfang November.

Video: Hier zeigen Chinas Kampfpilotinnen, was in ihnen steckt

Warum Yu und ihr Co-Pilot am Samstag ihren Kampfjet während des Trainingsflugs mit dem Schleudersitz verlassen mussten, ist noch unklar. Medien berichteten unter Berufung auf Militärquellen, der Kampfjet sei beim Training mit einem anderen Jet kollidiert. Eine offizielle Bestätigung für diese Version der Ereignisse gibt es allerdings noch nicht. Dem chinesischen Militär dürfte angesichts von Problemen mit J-10-Maschinen in der Vergangenheit viel daran gelegen sein, den Vorfall genauestens zu prüfen.

Der Chengdu J-10-Kampfjet ist ein einstrahliges, allwetterfähiges Mehrzweckkampflugzeug. Das Flugzeug, innerhalb der NATO auch "Energischer Drache" genannt, gilt seit der Indienststellung im Jahr 2004 als Arbeitstier der chinesischen Luftstreitkräfte. Bis zu 400 Stück wurden laut einem Bericht des britischen Militärinformationsdienstes IHS Jane's von dem Jet gebaut.

J-10-Jets von Triebwerksproblemen geplagt
Den Analysten des renommierten Branchenblatts der Rüstungsindustrie zufolge waren in den vergangenen Jahren insgesamt drei Abstürze von J-10-Maschinen aus der Volksrepublik gemeldet worden - bislang allerdings ohne Todesopfer. Ursache für die Unfälle dürfte laut unbestätigten Angaben jedes Mal das Triebwerk gewesen sein. Es handelt sich dabei um ein russisches Fabrikat, das Militärexperten zufolge für Materialfehler und technische Probleme bekannt sei.

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