Sa, 21. Oktober 2017

Zwang zu Sex-Arbeit

14.11.2016 10:08

Menschenhandel mit 150 Opfern: China-Bande gefasst

Ein Fall von Menschen- und Prostitutionshandel im großen Stil ist in Niederösterreich und Kärnten aufgeflogen. Opfer - rund 150 Frauen sind betroffen - und Täter stammen vorwiegend aus China. Sechs Verdächtige wurden festgenommen.

Die Ermittlungen wegen des Verdachts des Menschenhandels zur sexuellen Ausbeutung, grenzüberschreitenden Prostitutionshandels und der kriminellen Vereinigung liefen bereits seit Jahresbeginn. Involviert waren die Landeskriminalämter Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Kärnten und Wien sowie das Bundeskriminalamt.

Opfer ausgebeutet und genötigt
Zwei in Wien ansässige chinesische Staatsbürger hatten intensiven Kontakt zu einer in ihrer Heimat ansässigen kriminellen Organisation gehalten. Frauen aus China, die an einer vermeintlichen Beschäftigung als Masseurin oder Kindermädchen in Europa interessiert waren, mussten bis zu umgerechnet 10.000 Euro für ein Visum bezahlen. Viele der Reisen endeten auf dem Flughafen Wien Schwechat. Dort wurden die Opfer vom jeweiligen Begleiter zunächst unter Mitnahme ihres Gepäcks und der Reisedokumente zurückgelassen, ehe andere mutmaßlich der Organisation angehörige Chinesen auf den Plan traten und Hilfe anboten.

Vom Airport ging es entweder in ein Billighotel oder sofort in Wohnungen in Wien, die laut den Ermittlern meist im Eigentum der Beschuldigten standen oder von ihnen angemietet waren. Anschließend wurde den Frauen eröffnet, dass sie - gegen Zahlung von 1000 Euro - unter Falschnamen um Asyl anzusuchen und in weiterer Folge die Prostitution auszuüben hätten. Die beiden in Wien ansässigen chinesischen Staatsbürger und die Mutter eines der Beschuldigten betrieben zahlreiche Sexstudios, wo die Opfer "angelernt" wurden.

Psychischer Druck und Drohungen
Die Frauen seien von Landsleuten kontrolliert und finanziell ausgebeutet worden, berichtete die Polizei weiter. Den Opfern sei meist das gesamte Geld abgenommen, sie seien "ständig unter psychischem Druck gehalten und bedroht" worden. Die Chinesinnen seien auch in Laufhäuser in Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und in Kärnten gebracht worden. Von 171 ermittelten Frauen seien etwa 150 als potenzielle Opfer anzusehen.

Durchsuchungen und Festnahmen
13 Hausdurchsuchungen wurden in Wien und Kärnten vollzogen. Dabei wurde laut Kripo zahlreiches Beweismaterial - u.a. eine Faustfeuerwaffe, schriftliche Aufzeichnungen, Totalfälschungen von Ausweisen, Falschgeld, Mobiltelefone, Computer und andere Speichermedien - aufgefunden. Bei drei Hausdurchsuchungen wurden außerdem insgesamt 30.000 Euro sichergestellt. Aufgrund von Aufzeichnungen gehen die Kriminalisten davon aus, "dass es sich dabei um einen Teilerlös aus der Ausbeutung der Opfer handelt".

Eine Frau sei laut Polizei in Kärnten festgenommen worden, für fünf weitere Verdächtige hätten in Wien die Handschellen geklickt. Alle Beschuldigten wurden in die Justizanstalt Wien-Josefstadt eingeliefert. Einer von ihnen ist voll geständig, zwei sind laut Polizei teilgeständig. Drei weitere bestreiten jegliche Tatbeteiligung. Nach einem weiteren Beschuldigten wird noch gefahndet. Die Erhebungen in dem Fall dauern an.

Allfällige weitere Opfer sind aufgerufen, sich mit dem Landeskriminalamt Niederösterreich unter der Telefonnummer 059 133/30 3333 in Verbindung zu setzen.

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