Do, 23. November 2017

Nur Tage nach 95er

11.11.2016 20:43

Schriftstellerin Ilse Aichinger in Wien gestorben

Die Schriftstellerin Ilse Aichinger ist wenige Tage nach ihrem 95. Geburtstag am 1.11. am Freitag in Wien gestorben, wie ihre Tochter Mirjam Eich der Deutschen Presse-Agentur in Berlin sagte. Mit ihren Erzählungen, Gedichten und Hörspielen sowie Kurzfeuilletons "Unglaubwürdige Reisen" und "Journal des Verschwindens" eroberte sie sich einen Ehrenplatz in der österreichischen Literaturgeschichte.

Der literarische Durchbruch gelang ihr mit "Spiegelgeschichte", ein Text, der das Leben rückwärts von der Bahre bis zur Wiege erzählt, und für den sie 1952 den Preis der "Gruppe 47" erhielt. Ihr 1948 erschienener Roman "Die größere Hoffnung" zählt zu den großen Werken der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur.

Die Jury des Joseph-Breitbach-Preises, der höchstdotierte Auszeichnung für Schriftsteller in Deutschland, den sie im Jahr 2000 erhielt, lobte Aichingers "strenge, hellsichtige, unerhört konzentrierte, oft geisterhaft wirkenden Arbeiten", die "das Schweigen zugleich brechen und bewahren".

Bures: "Österreich verliert eine große Tochter"
"Ilse Aichinger war eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen unserer Republik. Österreich verliert eine große Tochter", stellte die Präsidentin des österreichischen Nationalrates, Doris Bures in einer Aussendung fest. Kulturminister Thomas Drozda schloss sich unter anderem mit folgenden Worten an: "In Distanz zur Öffentlichkeit vermochte sie in Sprachsetzung und Themenbildung Wegbereiterin für ein anderes Österreich zu werden."

Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny erklärte: "Ilse Aichinger war ein Mensch, der unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg den Mut fand, die Fenster zu den gequälten und gedemütigten Seelen dieser Stadt aufzureißen. Ein fast schon revolutionärer Kraftakt, der sie der Anfeindung preisgab, das Land jedoch vor der emotionalen Erstickung bewahrte."

"Mit ihrer Arbeit hat sie einen maßgeblichen Beitrag zur Aufarbeitung der NS-Zeit und der Kultur im Gesamten geleistet", bekundete auch ÖVP-Kultursprecherin Maria Fekter ihre Trauer. "Ihr Wirken und ihre Leidenschaft für die Kultur und Geschichte werden uns noch lange nach ihrem Tod als Vorbild dienen"

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