Mo, 20. November 2017

Art ist in Gefahr

10.11.2016 20:05

Britische Eichhörnchen sind mit Lepra infiziert

Die meisten europäischen Eichhörnchen auf den britischen Inseln sind mit Lepra-Erregern infiziert. Das haben Forscher der ETH Lausanne (EPFL) in der Schweiz gemeinsam mit schottischen Kollegen herausgefunden. Für Menschen ist das Ansteckungsrisiko zwar gering, aber für den Erhalt dieser Eichhörnchenart könnte die Krankheit zum Problem werden, so die Wissenschaftler.

Der "Aussatz" war einer der Schrecken des Mittelalters. Seit rund 100 Jahren ist die Lepra dank besserer Hygiene und wirksamer Antibiotika aus Europa so gut wie verschwunden - zumindest beim Menschen. Nicht so in der Natur, wie Mikrobiologen der EPFL und der University of Edinburgh nun im Fachjournal "Science" berichten.

Forscher untersuchten 110 Eichhörnchen
Demnach sind die gleichen Erreger, die beim Menschen Lepra verursachen, bei roten Eichhörnchen in England, Irland und Schottland im Umlauf, wie die EPFL am Donnerstag mitteilte. Ein Lausanner Forscherteam um Stewart Cole und schottische Wissenschaftler um Anna Meredith untersuchten 110 Eichhörnchen aus diesen Regionen per DNA-Test auf die Erreger Mycobacterium leprae und Mycobacterium lepromatosis.

Nur einige der Tiere hatten Symptome, andere keine. Dennoch fanden die Forschenden bei fast allen untersuchten Tieren einen der beiden Erreger. "Es war völlig unerwartet, dass M. leprae die Krankheit bei Eichhörnchen auslöst - Jahrhunderte nach seinem Verschwinden beim Menschen in Großbritannien", sagte Cole. "Das wurde vorher noch nie beobachtet."

Erreger überdauerte unbemerkt in der Natur
Die Studie zeige, dass ein Erreger jahrhundertelang unbemerkt in der Natur überdauern kann. Der nächste logische Schritt nach dieser Studie wäre, auch den Bestand europäischen Eichhörnchen (die wegen ihres rötlichbraunen Felles auch als rote Eichhörnchen bezeichnet werden) außerhalb der britischen Inseln zu untersuchen.

Für die Bevölkerung sehen die Forschenden allerdings keine spezielle Gefahr: "Selbst wenn es den Lepra-Erreger in den roten Eichhörnchen Kontinentaleuropas gibt, ist das Risiko der Übertragung auf den Menschen generell gering", betonte Benjak. Grund sei der geringe Kontakt zwischen Mensch und Eichhörnchen und dass die Jagd auf diese Tiere in den meisten europäischen Ländern verboten sei.

Seit Jahrzehnten keine Lepra-Infektion mehr
Auch in Großbritannien habe es seit Jahrzehnten keine Lepra-Infektion mehr gegeben, betonte Benjak. Gänzlich ausschließen könne man aber nicht, dass es seltene, nicht gemeldete oder fehldiagnostizierte Fälle gab, die in Großbritannien ihren Ursprung nahmen. Die Erfassung von Lepra-Fällen durch das offizielle Programm der Weltgesundheitsorganisation sollte intensiviert werden, schlägt der Forscher vor.

Die Entdeckung von Lepra in den britischen roten Eichhörnchen sei allerdings besorgniserregend aus Sicht des Artenschutzes, da es durch die zunehmende Verbreitung des amerikanischen Grauhörnchens ohnehin schon in Bedrängnis ist. "Wir müssen verstehen, wie und warum die Krankheit die roten Eichhörnchen befällt und sich unter ihnen verbreitet", sagte EPFL-Forscherin Meredith. So ließe sich die Krankheit hoffentlich besser im Zaum halten.

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