Mi, 18. Oktober 2017

Eiselsberg-Analyse

10.11.2016 16:38

Linzer IMAS-Forscher: Abstiegsängste als Wahlmotiv

Meinungsforscher bekommen gerade wieder pauschal Verachtung zu spüren, weil niemand den Wahlmännersieg von Donald Trump vorausgesagt hat. DDr. Paul Eiselsberg vom Linzer IMAS-Institut, erklärt, was dahintersteckt und blickt für die "OÖ-Krone" auf die Ursachen von Trumps Abschneiden: "It’s the Abstiegsangst, stupid!", sagt er in Anlehnung an Bill Clinton.

"OÖ-Krone": Vorab galt Hillary Clinton bei Meinungsforschern und Medien als Wahlsiegerin. Es kam aber anders.
DDr. Paul Eiselsberg: Wir haben als Branche mit falschen Erwartungen an Sonntagsfragen zu kämpfen. Das ist keine exakte Naturwissenschaft, wir haben Schwankungsbreiten, die entscheidend sein können, wenn die Differenz zwischen zwei Kandidaten nicht groß ist, und wir haben ein US-Wahlsystem, das auf Wahlmännern und dem Prinzip "The winner takes it all" beruht. Dazu kommt dann noch das für die USA relativ neue Phänomen, dass sich Wähler des politisch inkorrekten Trump vorab  nicht immer deklarierten.

"OÖ-Krone": Hat Sie Trumps Wahlsieg denn überrascht?
Eiselsberg: Ich hab’ mir immer gedacht, wenn der Brexit (aus EU-Sicht) danebengeht, dann könnte es auch in den USA zu einer Abstimmung in eine ähnliche Richtung kommen. Am Vorabend der Wahl habe ich jedenfalls schon gesagt, dass ein Wahlsieg Clintons gar nicht fix sein wird.

"OÖ-Krone": Warum hat Trump schließlich gewonnen?
Eiselsberg: Angelehnt an Bill Clintons "It’s the economy, stupid!" vom US-Wahlkampf 1992 könnte man sagen, "It’s the Abstiegsangst, stupid!" Die längerfristige Zukunftsperspektive ist in der westlichen Welt, auch in Österreich, zunehmend von tiefen Sorgenfalten vor dem sozialen Abstieg geprägt. Das ist die Abstiegsangst, den Wohlstand und all diese Dinge zu verlieren.

"OÖ-Krone": Und das hat Trump wirklich sehr geschürt.
Eiselsberg: Abstiegsängste und Globalisierung, Leadership und Heimat, das waren seine Themen. Das war eine Angstwahl gegenüber  einer reine Organisationswahl von Hillary Clinton, wo die Emotion gefehlt hat.

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