Do, 19. Oktober 2017

Viele alte Hitzköpfe

10.11.2016 09:07

So könnte Donald Trumps Kabinett aussehen

Eine der schwierigsten Aufgaben, die der designierte US-Präsident Donald Trump schon in Kürze zu lösen hat, ist die Besetzung seines Kabinetts. Die Aufgabe wird dadurch erschwert, dass der Quereinsteiger aus der Geschäftswelt in Washington nicht sonderlich gut vernetzt ist und viele Parteikollegen mit seiner aggressiven Kampagne verprellt hat.

Es sind vor allem weiße Männer fortgeschrittenen Alters, die von den US-Medien als Favoriten für Trumps Regierungsteam genannt werden. Aber auch Sarah Palin, das einstige Postergirl der radikalkonservativen und populistischen Tea-Party-Bewegung, wurde am Donnerstag aufs Tapet gebracht.

Sarah Palin: Die frühere Gouverneurin von Alaska bekundete laut dem Magazin "Politico" ihr Interesse an einem Posten in der neuen Regierung. Sie hat Trump im Wahlkampf unterstützt und war 2008 Kandidatin für die Vizepräsidentschaft unter dem republikanischen Präsidentschaftsbewerber John McCain gewesen. Dabei sorgte sie mit ihren erzkonservativen Ansichten immer wieder für Schlagzeilen. Von ihrer Kandidatur blieb am Ende nur das Bild einer Provinzpolitikerin, die der Weltpolitik nicht gewachsen war. Das Establishment ließ Palin fallen - das hat sie sich gemerkt. Nun könnte die 52-Jährige laut Trump-Vertrauten Innenministerin werden.

Newt Gingrich: Der Politveteran war während des Wahlkampfs einer der prominentesten Trump-Unterstützer. Nun wird er als Außenminister gehandelt. Gingrich ist in Washington gut vernetzt, aber auch umstritten. Als Chef des Repräsentantenhauses verfolgte er in den 90er-Jahren einen überaus aggressiven Oppositionskurs gegen Präsident Bill Clinton. Während er das letztlich gescheiterte Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten wegen dessen Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky anführte, hatte Gingrich selbst insgeheim eine außereheliche Beziehung. Der 73-Jährige hat ein ähnlich hitziges Temperament wie Trump und ist mit diesem während der Kampagne auch mehrmals aneinandergeraten.

Rudy Giuliani: Der Ex-Bürgermeister von New York hat Trump im Wahlkampf ohne Vorbehalte unterstützt. Dafür wird er nun womöglich mit dem Justizministerium belohnt. Der 72-Jährige eiferte Trump in den Wutattacken auf die Rivalin Hillary Clinton nach - für seinen wild gestikulierenden Parteitagsauftritt erntete er viel Spott aus der US-Comedybranche. Bei vielen US-Bürgern hat Giuliani durch seine Allianz mit Trump an Ansehen eingebüßt. Wegen seiner Erfolge bei der Kriminalitätsbekämpfung in New York und vor allem seines beherzten Einsatzes nach den Anschlägen des 11. September 2001 wurde er einst parteiübergreifend bewundert.

Chris Christie: Der bullige Gouverneur des Bundesstaats New Jersey hatte sich selbst um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner beworben. Nach seinem Ausstieg schloss er sich Trump an. Nun leitet der 54-Jährige das Übergangsteam, das den Machtwechsel im Jänner vorbereitet. Christie wird für mehrere Regierungsposten gehandelt, darunter den des Handelsministers. Auch er ist ein Hitzkopf. Christie hängt ein Skandal über die Schließung einer Brücke nach - eine Maßnahme, mit der er angeblich einen mit ihm verfeindeten Bürgermeister bestrafen wollte.

Reince Priebus: Der Parteichef der Republikaner hatte die heikle Aufgabe, die tiefen Risse zwischen dem Kandidaten und großen Teilen des Partei-Establishments zu übertünchen. Der 44-Jährige kritisierte Trump gelegentlich, so etwa für dessen frauenverachtende Sprüche. Zugleich forderte Priebus stets vehement die Solidarität der Partei mit ihrem Kandidaten ein. Der Jurist könnte nun Trumps Stabschef werden. Von dieser Schlüsselposition aus wäre er ein Verbindungsmann zum Kongress. Priebus ist ein Vertrauter von Paul Ryan, dem Sprecher des Repräsentantenhauses.

Jeff Sessions: Der erzkonservative Senator aus dem Südstaat Alabama hat Trump von früh an vehement unterstützt. Das Mitglied im Streitkräfteausschuss wird als Verteidigungsminister gehandelt. Der 69-Jährige hat in den vergangenen Jahren einen beinharten Oppositionskurs gegen Präsident Barack Obama verfolgt.

Steven Mnuchin: Der Schatzmeister der Trump-Kampagne gilt als Favorit für den Job als Finanzminister. Er arbeitete 17 Jahre lang für die Investmentbank Goldman Sachs, später reüssierte er als Produzent von Hollywoodfilmen. Seine Nominierung wäre ein Signal, dass Trump einen engen Kontakt zur Finanzbranche sucht - im Wahlkampf hatte der künftige Präsident noch wütende Attacken gegen das "System" geritten, womit er die Verquickung von Politik- und Finanzelite meinte.

Michael Flynn: Der pensionierte Oberstleutnant sorgte dafür, dass die Verbindungen Trumps, der nie in der Armee gedient hat, zur wichtigen Wählergruppe der Veteranen gestärkt wurden. Der 57-Jährige bringt auch Kenntnisse aus der Geheimdienstarbeit mit: Zwischen 2012 und 2014 leitete er den militärischen Nachrichtendienst DIA. Flynn könnte Nationaler Sicherheitsberater werden.

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