Fr, 24. November 2017

Hohe Dunkelziffer

09.11.2016 19:03

Vergewaltigungen: Zahlreiche Anzeigen

Mehr als 30 Frauen haben bis September in Salzburg eine Vergewaltigung angezeigt. Im Jahr 2015 gab es 43 Anzeigen. Die Dunkelziffer ist hoch, viele trauen sich nicht zur Polizei. Die Täter, die erwischt wurden, kommen aus Afghanistan, Bosnien, Serbien, aus dem Iran, aus Nigeria, aus Pakistan, aber auch aus Österreich.

Eine 17-Jährige, die am Treppelweg an der Salzach in Hallein brutal vergewaltigt wird, eine 19-Jährige, die in der Landeshauptstadt zum Opfer wird, eine 44-Jährige, die in der Waschküche eines Mehrparteien-Hauses gleich mehrfach missbraucht wird - die Serie lässt sich noch fortsetzen. Das sind nur die wenigen Fälle von Vergewaltigungen, die heuer in Salzburg bekannt gegeben wurden.

Insgesamt zeigten bis September mehr als 30 Frauen einen Übergriff an. Im gesamten Jahr 2015 gab es 43 Anzeigen, 38 Täter wurden gefasst. 2014 wurden in Salzburg 57 Vergewaltigungen angezeigt, 45 Täter waren bekannt.

Hohe Dunkelziffer bei sexuellen Übergriffen
Die Dunkelziffer bei sexuellen Übergriffen ist hoch. Denn viele Frauen wagen es nicht, gegen ihren Partner oder einen Bekannten, der sie missbraucht hat, vorzugehen. Wieder andere schämen sich oder fürchten, dass es nichts bringt zur Polizei zu gehen. Auffallend ist, dass viele Fremde sexuelle Übergriffe begehen. Die erwischten Täter kommen - so die Polizei - aus Afghanistan, Bosnien, Serbien, aus dem Iran, aus Nigeria, aus Pakistan, aus dem Kosovo, aus der Türkei, aus Kroatien und aus Mazedonien. Mittlerweile ist der Anteil an ausländischen Tätern genau so hoch wie der an inländischen. Die meisten Vergewaltigungen gab es im Vorjahr in Salzburg-Stadt (23), gefolgt vom Pongau (9), Flachgau (8) und Pinzgau (3). Im Lungau und im Tennengau gab es keine Anzeige.

Österreichweit wurden im Vorjahr 826 Übergriffe bekannt. Von Jänner bis Ende Juli waren es heuer schon 443 Übergriffe. Besonders dramatisch war heuer im April der Fall einer 21-jährigen Studentin aus der Türkei. Sie wurde am Wiener Praterstern auf einer Toilette von drei jungen afghanischen Flüchtlingen missbraucht.

Manchmal auch falsche Vorwürfe im Spiel
Polizeisprecherin Eva Wenzl betont, dass eine Anzeige nicht heißt, dass es tatsächlich eine Vergewaltigung gab. "Es kommt auch vor, dass falsche Vorwürfe erhoben werden." Trotzdem, während sich die Frauen in Salzburg in Sicherheit wiegen, wird doch fast einmal pro Woche eine Frau Opfer eines Übergriffs. Die Polizei will hier so wenig wie möglich bekannt geben, da der Opferschutz besonders ernst genommen wird. Denn die Frauen sind durch solche Übergriffe traumatisiert genug, wird das auch noch in der Öffentlichkeit berichtet, leiden sie noch mehr. (Die "Krone" beachtet dies strikt und hält sich an den Opferschutz)

Expertin Renee Mader im "Krone"- Interview

Wie helfen Sie den Opfern von sexueller Gewalt?
"Wir können in erster Linie instrumentelle Hilfe anbieten, die auf gesetzlicher Ebene passiert. Weiters führen wir reflektierende Gespräche mit den Hilfe Suchenden. Als Erstes ist es auf jeden Fall wichtig, dass wir Opfer von sexueller Gewalt schützen."

Wie geschieht das?
"Bei uns melden sich nicht unbedingt die Betroffenen selbst. Wenn etwa eine Person die Polizei informiert, dass die Nachbarn gestritten haben, setzt sich diese mit uns in Verbindung. 82% der sexuellen Übergriffe an Frauen passieren zu Hause. Die Frauen sind diejenigen, die Hilfe brauchen."

Wie wird dabei genau vorgegangen?
"Das Wichtigste und eigentlich Erste, was gemacht werden kann, ist ein sofortiges Betretungsverbot für den Täter zu erlassen."

In welchem Umfeld geschieht sexuelle Gewalt?
"Wir unterscheiden zwischen Gewalt vom eigenen Partner und von Fremden. Dabei ist zu beobachten, dass sich Betroffene, wenn sie von einem Fremden missbraucht wurden, eher an uns wenden. Es sind dabei etwa 20 Prozent, die von Fremden sexuell missbraucht werden. In 80% der Fälle geht die sexuelle Gewalt vom eigenen Partner aus. Ein unglaublich hoher Prozentsatz. Viele Frauen trauen sich einfach nicht zu uns, weil sie Angst haben, zuzugeben, dass ihr eigener Partner der Täter ist. Die Hemmschwelle ist hoch."

Wie wird mit Opfern konkret gearbeitet?
"Wir arbeiten auf der Ebene der psychosozialen Beratung, das Ziel ist es die Psyche der Opfer zu stärken. Den Kontakt halten wir auch nach den Gesprächen noch lange aufrecht, damit sich die Personen auch im ’Inneren‘ gestärkt fühlen."

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