Di, 21. November 2017

„Krone“ vor Ort

09.11.2016 17:12

Kalifornien nach Trumps Wahlsieg unter Schock

Wahlschock im traditionell demokratischen Kalifornien: Niemand wollte daran glauben, dass Hillary Clinton bei der Präsidentschaftswahl verlieren könnte - nicht einmal die wenigen Donald-Trump-Unterstützer, die sich am Dienstagabend für eine "Watch Party" versammelt hatten. "Ich wollte nur ein paar Freunde einladen, damit wir uns das gemeinsam anschauen - aber dieser Sieg ist unfassbar", so Josh York, Organisator der republikanischen Feier und Vorstandsmitglied der Partei in San Francisco.

"Er hat immer schon genau verstanden, welche Probleme Amerika hat. Wir können einfach nicht mehr, uns werden die Jobs weggenommen, wir können uns die Krankenversicherung nicht leisten, wir sollen immer mehr und mehr Steuern zahlen. Es ist kein Wunder, dass die Leute ihn gewählt haben", so Matthew Don Carlo, ein Vertreter der Jungen Republikaner in der kalifornischen Hauptstadt Sacramento.

"Sein Sieg war der letzte Weg, um unsere Demokratie zu schützen", sagte der 29-jährige Tom Rehwalt. Stolz trug er am Wahlabend eine der typischen roten Trump-Kappen: "Make America great again", war darauf zu lesen. Kaum mehr als 35 Republikaner waren in die Bar im Zentrum von San Francisco gekommen. Mindestens ebenso viele standen protestierend vor der Tür, nachdem das Ergebnis verkündet wurde. Die Menge wurde schnell unruhig, die Polizei musste die Trump-Fans dazu anhalten, das Gebäude durch die Hintertür zu verlassen.

Clinton-Wahlhelfer schwer enttäuscht
Während die verdutzten Republikaner der Stadt feierten, weiß der Großteil der Clinton-freundlichen Kalifornier weder aus noch ein. Wildfremde schauten gemeinsam kopfschüttelnd auf Laptops, wie die Ergebnisse eintrudelten. Selbst der international anerkannte US-Politologe und Professor in Stanford, Francis Fukuyama, starrte ungläubig auf den Bildschirm, als die ersten Ergebnisse die Karte verfärbten, und sagte: "Man wird sehen, wer sich wirklich mit Donald Trump ins Kabinett setzt. Eine komplette Mauer wird er kaum bauen können, Teile schon."

Szenenwechsel: Tagelang war der Hauptsitz der Clinton-Kampagne in Kalifornien überfüllt mit freiwilligen Unterstützern gewesen. Unermüdlich hatten sie bis zum Schließen der letzten Wahllokale Telefonanrufe getätigt und SMS verschickt - zum Teil auf vier Telefonen gleichzeitig. Abends wollten sie gemeinsam zur Clinton-Party in ein nahes Hotel gehen. Doch der Einsatz war vergebens.

Keine Stunde nach der Verkündung des Siegs von Trump über Clinton war der Saal des Hotels bereits wie ausgestorben. Einzig Plakate lagen zerknüllt am Boden, von der Tür hingen blau-weiße Luftschlangen. Die Straßen von San Francisco waren unheimlich ruhig - Kalifornien hat sich schlafen gelegt, um mit einem Albtraum für die Mehrheit wieder aufzuwachen.

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