Sa, 21. April 2018

Ballern im Weltall

07.11.2016 11:32

"Call of Duty: Infinite Warfare" im Test

13 Jahre lang hat sich "Call of Duty" auf der Erde herumgeschlagen, jetzt ist es für Activisions Shooter-Serie an der Zeit, den Weltraum zu erobern. Mit "Infinite Warfare" bricht das Franchise jedoch nicht nur geographisch, sondern auch spielerisch in neue Gefilde auf. Den letzten Feinschliff lässt die interstellare Ballerei aber vermissen.

Der Kampf um Ressourcen steht im Mittelpunkt der kriegerischen Auseinandersetzungen von "Call of Duty: Infinite Warfare". Admiral Salen Kotch, verkörpert von "Game of Thrones"-Star Kit "Jon Snow" Harrington, macht sie der Erde und ihren Kolonien streitig und zettelt einen intergalaktischen Aufstand an, den beizulegen Captain Nick Reyes und dessen tapferem Team zuteilfällt.

Erstmals in der Historie von "Call of Duty" verlässt "Infinite Warfare" dafür nicht nur die Erde, sondern auch lineare Story-Pfade. Von Board der Retribution aus, einem der letzten Kriegsschiffe der Erde, können Gamer in "Mass Effect"-Manier nämlich selbst bestimmen, welche Herausforderung sie als nächstes annehmen. Größtenteils optionale Nebenmissionen winken zur Belohnung etwa mit neuen Ausrüstungsgegenständen oder Waffen-Boni.

Erstmalig für die Serie müssen sich Gamer dabei neben - abgesehen von der Kulisse - klassischen Boden-Missionen auch im Luftkampf behaupten und hinter das Steuer eines Raumkampfjets, dem sogenannten Jackal, klemmen. Die Flugduelle und Entermanöver bringen zwar Abwechslung in das ansonsten weitgehend bekannte Gameplay, wurden aber offenbar bewusst einfach gehalten und verkommen so bald zum Lückenfüller.

Außerhalb des Cockpits präsentiert sich das Geschehen schon packender. Mittels Greifhaken müssen sich Gamer etwa im Orbit von Asteroid zu Asteroid oder am Außenrumpf feindlicher Sternenkreuzer entlanghangeln, gewaltige Mech-Roboter mit Schockgranaten außer Gefecht setzen oder, noch besser, diese hacken, um Kontrolle über sie zu erlangen und sie gegen ihresgleichen einzusetzen.

Technische Spielereien wie ein Energieschild, krabbelnde Sucher-Granaten oder Drohnen, die auf alles feuern, was man anvisiert, erleichtern dabei das Vorgehen. Und natürlich: jede Menge Waffen, ob ballistisch oder energiegeladen. Frisch aus dem 3D-Drucker, können diese mit allerlei Zusätzen (Schalldämpfer, Laser-Visier, etc.) versehen werden, um Durchschlagkraft und Präzision zu verbessern. Ob das Handling passt, kann praktischerweise vor dem ersten Einsatz am Virtual-Reality-Schießstand erprobt werden.

All die schönen Gadgets können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es "Call of Duty: Infinite Warfare" trotz Jetpack-Boosts und Wandläufen an Dynamik fehlt. Geschuldet ist dies neben dem nicht-linearen Missions-Design, das dem Ganzen die Fahrt nimmt, vor allem den emotionslos wirkenden Protagonisten. Hatten frühere "Call of Duty"-Titel mitunter zu viel Pathos und Schmalz -"Infinite Warfare" hat eindeutig zu wenig davon.

Uninspiriert wirkt auch der Multiplayer, der über weite Strecken an jenen von "Black Ops 3" erinnert und mit Ausnahme etwa eines neuen Fertigungssystems, das es Spielern ermöglicht, mittels gesammelten Schrotts sogenannte Prototypwaffen zu entwickeln, wenig Neues bietet und mit dem üblichen Mix aus Maps, Modi und freispielbaren Extras aufwartet. Schon mehr Spaß bietet der Koop-Modus "Zombies in Spaceland", in dem bis zu vier Spieler in einem von de 80er-Jahren inspirierten Weltraum-Vergnügungspark gegen die lebenden Toten kämpfen.

Fazit: Wer "Mass Effect" liebt, wird "Call of Duty: Infinite Warfare" mögen. Die Aufweichung des linearen Gameplays und die Weltraumschlachten bringen frischen Wind in die Shooter-Serie und sorgen zusammen mit Kämpfen in der Schwerelosigkeit für Abwechslung. Viele an sich gute Ideen wurden allerdings nicht konsequent umgesetzt und so wirkt der Titel unterm Strich wie ein Sammelsurium bunt zusammengewürfelter Spielelemente. Was Fans neben der dünnen Story jedoch am meisten schmerzen dürfte: Mit "Infinite Warfare" entfernt sich die Serie ein gutes Stück von ihren Ursprüngen und dürfte es heuer dementsprechend schwer haben, sich gegen die starke Konkurrenz von "Titanfall 2" und "Battlefield 1" zu behaupten.

Plattform: PS4 (getestet), Xbox One, PC
Publisher: Activision
krone.at-Wertung: 7/10

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