Di, 12. Dezember 2017

Schutzmaßnahme

07.11.2016 11:19

Wand vor Flüchtlingsheim höher als Berliner Mauer

In Deutschland sorgt derzeit wieder einmal eine Mauer für Aufregung. Denn eine derzeit in Bau befindliche Mauer, die sogar höher als jene historisch leidlich bekannte in Berlin ist, soll Anwohner des Münchner Stadtteils Ramersdorf-Perlach vor Flüchtlingen bzw. vor dem Lärm derselben schützen. Für den parteilosen Bezirkspolitiker Guido Buchholtz, der auch ein Video vom Mauerbau ins Netz stellte, "der absolute Wahnsinn".

Jahrelang hatten Anwohner Neuperlachs, Teil des 16. Stadtbezirks Ramersdorf-Perlach im Südosten Münchens, und die Stadtregierung über eine neue Flüchtlingsunterkunft gestritten, wie deutsche Medien berichteten. Die Betroffenen pochten vor allem auf ihr Erholungsbedürfnis abends und an den Wochenenden. Ihre Häuser liegen gut 25 Meter hinter der Grundstücksgrenze der Unterkunft, zusätzlich getrennt durch einen dicht mit Bäumen und Büschen bewachsenen Grünstreifen, einen Fuß- und Radweg sowie ihre eigenen Gärten.

Um den Bau der Unterkunft für insgesamt 160 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nicht noch weiter zu verzögern, handelte die Stadt schließlich einen Kompromiss mit den Anwohnern aus: Eine Lärmschutzwand, bestehend aus Drahtgefäßen, die mit Steinen gefüllt sind, schirmt das Wohnheim künftig von den umliegenden Wohnhäusern ab. Ein Schallschutzgutachten ergab die Höhe von vier Metern für die Mauer - die somit sogar höher als die Berliner Mauer ist, die es auf eine Höhe von 3,60 Meter brachte.

"München musste das wohl noch übertreffen"
"München musste das wohl noch übertreffen", ist der Bezirkspolitiker Buchholtz ob des Mauerbaus in dem südöstlichen Stadtteil der Metropole wenig erfreut. "Der absolute Wahnsinn" sei die Mauer, so Buchholtz, der 2014 von den Grünen ausgetreten war. Vor einem Jahr noch habe München mit seiner Willkommenskultur am Hauptbahnhof weltweit für positive Schlagzeilen gesorgt, nun zeige sich die Stadt in Neuperlach von ihrer hässlichen Seite. "Unter Integration stelle ich mir etwas anderes vor", so Buchholtz.

Um zu verdeutlichen, wie massiv die vier Meter hohe Lärmschutzwand neben dem Neubau der Flüchtlingsunterkunft wirkt, filmte Buchholtz die Mauer aus der Luft mit einer Drohne und stellte den Clip ins Internet. Von der Unterkunft aus wirkt die Mauer, die immerhin noch mit Rankpflanzen begrünt werden soll, jedenfalls noch dominanter, weil das Gelände hier gut einen Meter tiefer liegt. In seinem Video stellt der Lokalpolitiker ironisch die Frage: "Die Flüchtlingsmauer in München: zum Schutz der Nachbarn vor der Gemeinschaftsunterkunft? Oder zum Schutz der Flüchtlinge vor den Nachbarn?"

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