So, 21. Jänner 2018

Solidarität gefragt

04.11.2016 22:33

Nahversorger sind in der Steiermark Sorgenkinder

Bevölkerungsrückgänge und verändertes Kundenverhalten zwingen immer mehr Nahversorger in die Knie: Mittlerweile steht bereits jede dritte steirische Kommune ohne Lebensmittelhändler da, Tendenz steigend. Mancherorts treten die betroffenen Bewohner selbst als Retter in der Not ein und helfen der Gemeinde bei der Finanzierung eines neuen Ladens. Aber auch diese tun sich oft schwer!

Für einen Städter kaum vorstellbar: Einkaufen ums Eck ist für viele Steirer keine Selbstverständlichkeit. Jede dritte Gemeinde verfügt heute über keinen Nahversorger mehr, von Jahr zu Jahr werden es mehr.

Bürgermeister und Greißler
"Es ist hart!", sagt auch Karl Dobnigg. Der 67-Jährige ist nicht nur Bürgermeister von Kammern, sondern seit knapp vier Jahren auch Greißler. Als der letzte Nahversorger im Ort die Rollbalken herunter ließ, eröffnete Dobnigg kurzerhand sein "eigenes" Geschäft: "Wir haben einen Verein gegründet, mit Hilfe der 270 Mitglieder - allesamt Gemeindebewohner - haben wir das notwendige Startkapital zusammenbekommen. Wir arbeiten alle ehrenamtlich, sonst würde es gar nicht gehen", seufzt der Politiker. Im ersten Jahr betrug der Gewinn acht Euro, heuer waren es immerhin bereits 800. Dobnigg: "Wir sind schon zufrieden, wenn es sich ausgeht."

"Müssen zuschießen"
Vordernberg war die allererste Gemeinde, in der die Bevölkerung aus eigener Kraft einem Nahversorger neues Leben einhauchte. Das Geschäft läuft gut, dennoch ist nicht alles eitel Wonne: "450 der 1000 Bewohner sind Vereinsmitglieder, sie alle identifizieren sich mit dem Projekt, das ist natürlich enorm viel wert. Trotzdem müssen wir 1000 Euro monatlich zuschießen", erzählt Bürgermeister Walter Hubner. Sein Appell: "Statt mit dem Auto zum zehn Kilometer entfernten Diskonter zu fahren, sollte man besser vor Ort einkaufen. Irgendwann wird das Angebot ein jeder brauchen."

Kein Geschäft im Umkreis von 15 Kilometern
Was es bedeutet, ohne Nahversorger dazustehen, wissen die Bewohner von Geisttahl-Södingberg: "Bei uns gibt’s im Umkreis von 15 Kilometern kein Geschäft mehr - vor allem für die Älteren eine Katastrophe", sagt Bürgermeister Johann Hiden. Gemeinsam mit seinem Vize Josef Schüller arbeitet man intensiv an einer Lösung: "Wir wären auch bereit auf Mieteinnahmen zu verzichten. Aber eine Ansiedelung um jeden Preis - das geht halt auch nicht."

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