Do, 18. Jänner 2018

krone.at-Test

04.11.2016 13:00

"Titanfall 2": Brachiale Mech-Action mit Tiefgang

Vor rund zwei Jahren hat EA mit "Titanfall" einen ungewöhnlichen Mehrspieler-Shooter veröffentlicht. Das Game erfreute mit frischen Ideen wie Jetpack-Doppelsprüngen, Wandläufen und Mechs, bot abseits seines flotten Multiplayer-Gameplays aber wenig Tiefgang. Mit "Titanfall 2" inklusive Einzelspieler-Kampagne will es Entwickler Respawn Entertainment nun richten. Ob das klappt, hat krone.at getestet.

Wenn auf den Schlachtfeldern der Zukunft Menschen in Hightech-Anzügen Jetpack-Doppelsprünge vollführen, an den Wänden laufen und aus allen Rohren ballernd unter Hindernissen durchrutschen, während um sie herum in zerstörten Städten gewaltige Kampfmaschinen aufeinander losgehen, dann will man die Geschichte hinter der ebenso rasanten wie futuristischen Action kennenlernen.

Das hätte EA auch beim ersten Teil von "Titanfall" bereits klar sein müssen, er kam allerdings gänzlich ohne Einzelspielerkampagne aus. In "Titanfall 2" haben die Entwickler nachgebessert.

Kampagne bietet reichlich Abwechslung
"Titanfall 2" kommt mit einer kurzen, aber sehr abwechslungsreichen Einzelspieler-Kampagne. Sie erzählt die Geschichte des Soldaten Jack Cooper, der unverhofft zum Mech-Piloten - in "Titanfall heißen die riesigen Kampfroboter Titanen - wird und gemeinsam mit seiner Kriegsmaschine "BT" auf der fremden Welt Typhon gegen die Söldner eines fiesen intergalaktischen Großkonzerns kämpft.

Zugegeben, die Story könnte einfallsreicher sein und mehr Zwischensequenzen vertragen, die einzelnen Missionen der Einzelspieler-Kampagne sind aber außerordentlich gut gelungen und trösten über erzählerische Schwächen hinweg. Keiner der weitläufigen Levels in der Kampagne gleicht dem anderen, das Repertoire reicht von üppigen Wäldern über karges Ödland bis hin zu gigantischen Fabrikhallen.

Oft kommt man im Hightech-Pilotenanzug mit Doppelsprüngen und Wandläufen in bester Parkour-Manier ans Ziel, die Level-Architektur sorgt dafür, dass man sinnvoll zwischen Titan und Pilot hin- und herwechselt. Dass die künstliche Intelligenz von "BT" für ein paar unterhaltsame Dialoge mit Jack Cooper gut ist und so gut wie jeder Level irgendeine neue Finesse - Zeitreisen, Spezialwaffen, Parkour-Rätsel - bereithält, sei ebenfalls positiv erwähnt.

Alles in allem macht die Kampagne von "Titanfall 2" vieles richtig, am Ende hat man Cooper und seinen Titanen direkt ins Herz geschlossen. Für spielerische Abwechslung sorgt neben der enormen Bewegungsfreiheit als Pilot und einer beachtlichen Vielfalt an Waffen der Umstand, dass man "BT" nach und nach mit alternativen Waffen anpassen kann, die man in Bosskämpfen gegen andere Titanen freischaltet. Flammenwerfer, Lenkraketen - mit der Zeit lernt "BT" viele neue Tricks.

Umfangreicher und flotter Multiplayer
Wer die Kampagne durchgespielt hat, wird zwar nicht zwangsläufig einen zweiten Durchgang wagen, findet aber im Mehrspielermodus eine neue Herausforderung, die viele Stunden lang fesselt. Ein gutes Dutzend Spielmodi hat Respawn Entertainment "Titanfall 2" spendiert und damit mehr Abwechslung als im Vorgänger geschaffen.

Klassiker von Deathmatch über Capture the Flag bis hin zu Kontrollpunkt-Kämpfen sind ebenso dabei wie große, mit Punkte abwerfenden KI-Soldaten angereicherte Schlachtfelder für Team-Kämpfe oder spartanische Duelle in einer großen Arena.

Ein paar unkonventionelle Modi sind ebenfalls dabei: In "Last Titan Standing" starten alle Spieler mit einem der namensgebenden Kampfroboter, wobei der letzte verbliebene Roboter gewinnt. Und im Modus "Bounty Hunt" sammeln die Spieler Kopfgelder, die sie an bestimmten Orten abliefern müssen, die dadurch natürlich besonders umkämpft sind.

An den richtigen Stellen nachjustiert
Im Vergleich zum Mehrspielermodus im ersten "Titanfall" sind die namensgebenden Titanen dabei nicht mehr ganz so mächtig, was der Balance zuträglich ist. Verfügten die Mechs in Teil eins noch über einen regenerativen Schild, der es einzelnen Piloten fast unmöglich machte, sie zu besiegen, lädt sich ihr Schild nun nicht mehr automatisch wieder auf.

Das ermöglicht es Piloten nun, die Kolosse mit Guerilla-Taktiken zu besiegen und bringt etwas mehr Spannung ins Spiel. Ebenfalls für taktische Tiefe sorgt die Verfügbarkeit unterschiedlicher Mech-Klassen mit ihren jeweils eigenen Stärken und Schwächen.

Davon abgesehen zeigt "Titanfall 2" die gleichen Multiplayer-Stärken wie der Vorgänger. Die Schlachten sind extrem schnell und fordernd - auch, weil der Tod durch die ungewöhnlich agilen Piloten sozusagen von allen Seiten kommen kann und versierte Spieler dank der eingängigen und präzisen Steuerung tatsächlich mit ganz schön wagemutigen Manövern über ihre Gegner hereinbrechen können.

Weniger begeisternd ist die Auswahl an Maps: Es gibt zwar neun weitläufige und abwechslungsreiche Mehrspielerkarten, spätestens in ein paar Monaten dürften sich die Spieler aber Map-Nachschub wünschen.

Solide Optik, brachiale Soundkulisse
Optisch spielt "Titanfall 2" auf hohem, wenn auch nicht allerhöchstem Niveau. Die Levels sind abwechslungsreich gestaltet und werden mit hübschen Beleuchtungs- und Partikeleffekten ins rechte Licht gerückt, die Spezialeffekte - etwa bei den Explosionen - können sich ebenso wie die Animationen der Figuren sehen lassen.

Allerdings merkt man dem Spiel hie und da an, dass der grafische Unterbau nicht mehr ganz aktuell ist - etwa bei nicht allzu detaillierten Texturen oder einzelnen nicht so gut getroffenen Objekten. In der Hitze des Gefechts fällt das aber kaum auf.

Akustisch gibt's ordentlich was auf die Ohren, vor allem wenn sich die gewaltigen Titanen in Bewegung setzen entsteht eine beeindruckende Geräuschkulisse. Der Soundtrack untermalt das Game dezent und stimmig, an der Vertonung haben wir ebenfalls nichts auszusetzen.

Fazit: Bei "Titanfall 2" hat Respawn Entertainment die Schwächen des ersten Teils konsequent ausgebügelt. Die Kampagne mag keinen Story-Oscar gewinnen, erfreut aber mit viel Abwechslung und unkonventionellem Gameplay. Im Mehrspieler-Modus gibt sich das Game trotz der geringen Zahl an Maps nicht minder abwechslungsreich, die agilen Piloten und die taktischen Möglichkeiten von Jetpack-Sprüngen, Wandläufen und mächtigen Kampfrobotern bringen Tiefe ins Spiel und motivieren auch über längere Zeit.

Plattform: PC, PS4 (getestet), Xbox One
Publisher: EA
krone.at-Wertung: 9/10

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