Di, 21. November 2017

Cobra im Einsatz

28.10.2016 07:05

Salzburger wollte von Polizei erschossen werden

"Suicide by cop", also Selbstmord durch Schüsse eines Polizisten - das wollte ein 24-jähriger Einheimischer am Nationalfeiertag in Salzburg erreichen. Er ballerte mit einem Luftdruckgewehr herum, die Beamten schossen aber nicht zurück und warteten auf die Cobra. Da flüchtete der Mann und übergoss sich letztlich mit Benzin.

Ein Polizeihubschrauber kreiste bei einsetzender Dunkelheit über Salzburg, es waren so viele Beamte, auch mit Suchhunden, auf den Straßen wie selten - viele dachten da an einen Banküberfall. In Wirklichkeit suchte man aber nach einem psychisch beeinträchtigten Mann, der sich - wie er später gestand - von Polizisten erschießen lassen wollte.

Es waren Szenen wie in einem Hollywoodfilm, die sich da am Mittwoch ab 17.15 Uhr in Lehen sowie später in Itzling abspielten. Ein Einheimischer (24) hatte zuerst mit einer Luftdruckpistole in seiner Wohnung in der Meraner Straße herumgeballert. Nachbarn riefen die Polizei.

Mit Luftdruckpistole auf Beamten gezielt
Als mehrere Streifen vor Ort eintrafen, stand der 24-Jährige auf einem Vordach. Er war von seinem Schlafzimmerfenster aus auf dieses Dach geklettert. Die Polizisten forderten ihn auf, herunterzukommen, doch der Mann kletterte zurück in die Wohnung, holte seine Luftdruckpistole und zielte damit auf die Beamten. Diese gingen in Deckung und riefen die Cobra zu Hilfe. Dass es sich "nur" um eine Luftdruckpistole handelte, war zu diesem Zeitpunkt nicht ersichtlich.

Der Einheimische kletterte in der Zwischenzeit über ein Garagendach ins Freie und flüchtete zu Fuß. Als die Cobra seine Wohnung stürmte, war er weg. Dann ging es Schlag auf Schlag. Mit dem Hubschrauber, allen verfügbaren Beamten und Diensthundeführern wurde gesucht.

"Ich habe ihn angeschrien"
Martin Steger und seine Spürnase "Lado" nahmen in Itzling die Spur auf. "Zeugen haben den Mann über den Traklsteg rennen gesehen. Wir haben die Verfolgung aufgenommen. Dann ist er ganz plötzlich direkt vor uns aus dem Gebüsch gesprungen. Ich habe ihn angeschrien, dass er stehen bleiben soll. Er ist aber auf Höhe der Schillerstraße über die Gleise gelaufen und auf die Lärmschutzwand geklettert", erinnert sich Steger. "Ich gab den Kollegen sofort den Standort durch."

Mit Benzin übergossen
Unweit der Polizeiinspektion Itzling, in der Jakob-Harringer-Straße, konnte der Flüchtige gestellt werden. Doch er übergoss sich mit Benzin, das er wenige Minuten zuvor bei der OMV-Tankstelle in der Schillerstraße in eine Kanne zum Nachfüllen des Scheibenwischer-Wassers getankt hatte. Bevor er sich anzünden konnte, wurde er überwältigt. Bei der ersten Befragung gestand er, dass er von den Polizisten erschossen werden wollte.

Der 24-Jährige, der offenbar an einer psychischen Störung leidet, wurde ins Gefängnis nach Puch gebracht. In seiner Wohnung stellten Ermittler gestohlene Reisepässe und Digitalkameras sicher. "Der Mann ist schon wegen Eigentumsdelikten bekannt", so Polizeisprecherin Eva Wenzl.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden