Mo, 20. November 2017

Jetzt droht Klage

28.10.2016 06:19

Deutscher Zahnarzt lehnt Kopftuch-Bewerberin ab

Ein deutscher Zahnarzt hat die Bewerbung einer Muslima als zahnmedizinische Fachangestellte abgelehnt. Die Begründung: "Wir stellen solche Frauen mit Kopftuch nicht ein und verstehen auch nicht, wie Bewerberinnen sich diese Toleranz vorstellen können." Ein Shitstorm im Internet war die Folge, daraufhin entschuldigte sich der Arzt öffentlich für seine Wortwahl. Ihm droht dennoch ein gerichtliches Nachspiel.

Ein Screenshot der rüden E-Mail, in der der Arzt die Bewerberin mit den besagten Worten ablehnte, machte am Donnerstag die Runde in den sozialen Netzwerken. Seither wird der Arzt mit Anrufen bombardiert. "Ich habe ein Blackout gehabt, einen Riesenfehler gemacht. Es war niemals meine Absicht, beleidigend zu wirken. Meine Formulierungen waren einfach dumm und unpassend", sagte der Zahnarzt aus Stuttgart gegenüber dem Südwestrundfunk.

Von "AfD und Neonazis" stehe er jedenfalls politisch "weit weg", betont der Zahnarzt. Er habe versucht, Kontakt mit der Bewerberin aufzunehmen, um sich bei ihr zu entschuldigen. "Ich hoffe, dass die Entschuldigung angenommen wird." Seine gesamte Entschuldigung stellte er auch auf seine Website.

Arzt: "Sehe das nicht gesellschaftlich, mir geht es um die Hygiene"
Zum Thema Kopftuch sagte er gegenüber der "Bild" weiters: "Ich sehe das nicht gesellschaftlich, mir geht es vielmehr um die hygienischen Bedenken wegen des Kopftuchs." An den meisten Universitätskliniken, an denen Zahnmedizin studiert werden kann, seien Kopftücher aus hygienischen Gründen nicht gestattet, so der Arzt.

Die Absage der Zahnarztpraxis löste in den sozialen Netzwerken jedenfalls einen Sturm der Entrüstung aus. "Ich rufe dort an und mache für 30 Leute Termine, die nicht erscheinen werden", schrieb ein wütender Facebook-User. "Leider sind Diskriminierungen und Benachteiligungen in unserer Gesellschaft auch heute noch weit verbreitet", sagte Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) am Donnerstag. "Umso wichtiger ist es daher, deutlich zu machen, dass Diskriminierung in unserer Gesellschaft keinen Platz hat."

Der Zahnarzt sagte gegenüber der "Bild", er habe wegen der Sache mittlerweile rund 1000 - teils sehr aggressive - E-Mails bekommen. Sein Praxistelefon könne wegen Überlastung nicht mehr zur Terminvergabe genutzt werden.

Bewerberin reichte Klage ein
Gegen die Absage will der Rechtsanwalt der Bewerberin beim Arbeitsgericht nun Klage auf Entschädigung einreichen. Der Jurist beruft sich dabei auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in Deutschland. Das ist seit zehn Jahren in Kraft und besagt, dass niemand im Arbeitsleben für Dinge benachteiligt werden darf, die mit seiner Arbeitsleistung nichts zu tun haben - neben dem Glauben etwa wegen seiner Herkunft, seines Geschlechts oder seines Alters.

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