Sa, 18. November 2017

Buch von ORF-Legende

25.10.2016 06:00

Friedrich Orter warnt: „Wir müssen aufwachen!“

In seinem neuen Buch zeichnet ORF-Reporterlegende Friedrich Orter eine düstere Zukunft für Europa und warnt vor dessen Zerfall. "Europa ist im Fokus der Terroristen. Mit der Völkerwanderung drohen Religionskriege zwischen Muslimen und Nichtmuslimen. Die Mehrheitsgesellschaft ist in Gefahr. Es entstehen Parallelgesellschaften. Solidarität und Toleranz schwinden. Politische Radikalisierung wird Alltag", schreibt der 67-Jährige.

Das "Projekt Multikulti samt Gutmenschentum" ist seines Erachtens zum Scheitern verurteilt. Nur eine "permanente Aufklärung" könne dieser Entwicklung entgegensteuern. Orters Appell lautet: "Aufwachen!" (Ecowin, 20 Euro).

"Ich war in 14 Kriegen. Ich hasse den Krieg"
Das Buch mit demselben Titel ist eine Streitschrift, die es in sich hat. Orter zählt schonungslos die Probleme Europas auf - und er ist einer, der es wissen muss und dem man auch Glauben schenken darf. Schließlich hat er so ziemlich jede gefährliche Region der Welt bereist und als Kriegsberichterstatter viele Grausamkeiten gesehen. "Ich war in 14 Kriegen. Ich hasse den Krieg", sagte der 67-Jährige vor zwei Jahren während einer Lesung aus seinem damals neu erschienenen Buch "Ich weiß nicht, warum ich noch lebe".

"Nicht alle werden im Nordirak oder in der Türkei bleiben"
Erst vor wenigen Tagen war Orter als Interview-Gast in der "ZiB 2", um die Rückeroberung der irakischen Großstadt Mossul vom IS zu analysieren. Seiner Erfahrung nach handelt es sich bei der Berichterstattung sowohl der kurdischen Peschmerga-Milizen als auch der IS-Miliz um Propaganda. Die eine Seite zeige das schnelle Voranschreiten der Armee, die andere das weiterhin ruhige Leben in der zweitgrößten Stadt des Irak. Die Kämpfe werden nach Ansicht von Orter noch Monate andauern und bis zu 100.000 Menschen in die Flucht treiben. "Nicht alle werden im Nordirak oder in der Türkei bleiben", lautete die Warnung des 67-Jährigen.

"Keine Angstmache, das ist die Realität, wie ich sie sehe"
Der Schriftsteller sprach auch über sein neuestes Werk und darüber, wie sich Europa seiner Ansicht nach verändern wird. "Gegen die Selbstmordattentäter sind wir machtlos. Unsere Gesellschaft wird sich damit abfinden müssen, dass diese Gefahr bei uns zum Normalzustand werden wird, so pessimistisch das auch klingt", sagte Orter. Gleichzeitig wehrte sich der ehemalige ORF-Journalist gegen die Kritik, er betreibe Angstmache: "Das ist die Realität, wie ich sie sehe." Letzten Endes werde es um die Frage gehen, ob sich der radikale Islam oder der gemäßigte "europäische Islam" bei uns durchsetzt.

"Islam als Gesetzesreligion, die das Leben bestimmt"
Dass der Islam und Demokratien vereinbar seien, ist für Orter ein Irrglaube: "Die wenigsten von uns kennen den Islam als Gesetzesreligion, die das politische, soziale und kulturelle Leben bestimmt: eine Religion, die keine sich selbst verwaltenden Bürgerschaften kennt, eine Glaubenslehre, die die Einheit von Politik und Religion fordert und deren orthodoxe Anhänger den Islam für die einzige religiöse Wahrheit halten und sich auf die 114 Suren des Koran berufen", schreibt er in seinem Buch.

Erfolgreiche Karriere mit zahlreichen Auszeichnungen
Der promovierte Historiker begann seine ORF-Karriere gleich nach seinem Studium im Jahr 1975. Orter arbeitete zunächst für die Kurzwelle und stieß dann zur neu gegründeten ORF-Osteuroparedaktion. Dort waren Paul Lendvai und Barbara Coudenhove-Kalergi seine "Lehrmeister".

Preisgekrönter Jounalist und Autor
Polen, Rumänien und andere Länder der osteuropäischen Wende um 1989 zählten zu Orters Stationen. Die Balkankriege der 90er-Jahre erlebte er jahrelang hautnah mit. Mit dem "Krieg gegen den Terror" kamen Krisengebiete in Zentralasien sowie dem Nahen und Mittleren Osten dazu. Für seine Reportagen und Dokumentationen wurde der Journalist mit zahlreichen Preisen wie etwa dem Renner-Preis für Publizistik, dem Preis des Österreichischen Roten Kreuzes, dem OSZE-Preis für Journalismus und Demokratie und dem Ermacora-Preis für Menschenrechte ausgezeichnet. 2012 beendete Orter seine ORF-Laufbahn. Seither ist er als freier Autor tätig und lebt in Wien.

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