So, 19. November 2017

Schock in Thüringen

23.10.2016 18:17

Flüchtlings-Suizid: Riefen Anrainer „Spring doch“?

Berichte über Schaulustige, die einen jungen Flüchtling im deutschen Bundesland Thüringen zum Selbstmord ermuntert haben sollen, sorgen für Entsetzen. Der junge Mann aus Somalia war am Freitag aus dem fünften Stock eines Hauses in der Ortschaft Schmölln in den Tod gesprungen. Mehrere Augenzeugen - unter ihnen auch der Bürgermeister des Orts - wollen "Spring doch" oder ähnliche Rufe vor dem Tod des Flüchtlings wahrgenommen haben. Dem widersprechen Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Polizei. Diese hat dennoch die Ermittlungen aufgenommen.

Ein Polizeisprecher sagte am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa, eine Mitarbeiterin der Einrichtung habe bei der Befragung erklärt, dass die Worte "Spring doch" so nicht gefallen seien. Sie habe gemeint, etwas Ähnliches gehört zu haben.

Polizei geht allen Hinweisen nach
Die Ermittler kennen bisher auch nicht den Passanten, der dies gerufen haben soll. "Wir gehen diesen Hinweisen aber nach", sagte der Sprecher. Äußerungen von Schmöllns Bürgermeister Sven Schrade vom Samstag deuteten darauf hin, dass solche Worte gefallen sein könnten. "Uns liegen auch Informationen vor, dass einige, ich nenne sie mal Schaulustige, diesem Vorfall lange beigewohnt haben, und wohl auch Rufe gefallen sein sollen wie 'Spring doch'", sagte Schrade dem MDR. "So etwas kann man nur verurteilen."

Flüchtling randalierte vor Selbstmord in Unterkunft
Den Angaben zufolge war der Somalier, der 17 Jahre alt gewesen sein soll, zuvor wegen psychischer Probleme in Behandlung. Kurz vor der Tat habe er in der Unterkunft randaliert, weshalb die Polizei gerufen wurde. Die Beamten konnten ihn aber nicht mehr vom Sprung aus dem fünften Stock abhalten. Einem Sprecher zufolge sprang der Flüchtling neben ein von der Feuerwehr aufgespanntes Sprungtuch. Er starb in einem Krankenhaus.

Polizei und Feuerwehr bestätigten, dass sich Schaulustige vor der Unterkunft aufhielten. Laut Polizeiangaben filmte ein Passant die Szenen mit einem Handy. Er sei noch vor Ort aufgefordert worden, das Video zu löschen, was er vor den Augen der Beamten auch getan habe.

Ministerpräsident: "Das lässt einen fassungslos zurück"
Sollte es wirklich "Spring doch"-Rufe gegeben haben, sei das nicht tolerierbar, schrieb Bürgermeister Schrade am Samstag auf Facebook. "Es ist verachtenswert, ja unmenschlich. Ob Geflüchtete oder hier Lebende: Wir alle sind Menschen." Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow zeigte sich entsetzt: "Es lässt einen fassungslos zurück! Diese Gier nach spektakulärem Geschehen lässt die Humanität auf der Strecke", schrieb der Linke-Politiker auf Twitter.

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