Mi, 22. November 2017

Chalupka an Hofer:

23.10.2016 14:21

„Du sollst den Namen des Herrn nicht missbrauchen“

"So wahr mir Gott helfe": Die Kritik am umstrittenen Wahlkampfslogan von FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer reißt nicht ab. Nun meldete sich dazu auch der Direktor der Diakonie Österreich, Michael Chalupka, auf Twitter zu Wort. Seine klare Botschaft an Hofer: "Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen." Bereits zuvor hatte sich der evangelische Superintendent der Diözese Salzburg/Tirol, Olivier Dantine, erzürnt über den Wahlkampfslogan gezeigt. "Da wird der Name Gottes missbräuchlich verwendet", schrieb Dantine auf Facebook.

Chalupka zitierte in seinem Tweet das zweite der Zehn Gebote Gottes aus dem zweiten Buch Mose (Exodus Kapitel 20, 7). Dert genaue Wortlaut: "Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht."

Hofer seit 2009 Mitglied der evangelischen Kirche
Hofer ist 2009 aus der katholischen Kirche ausgetreten und nun Mitglied der evangelischen Kirche. Er erklärte bei der Präsentation der neuen Plakatwelle am vergangenen Freitag, er sei von der katholischen zur evangelischen Kirche gewechselt, weil dort Frauen Pfarrer werden dürfen. Seine Frau und seine Kinder seien aber katholisch, so Hofer. Mit seinem Wahlkampfslogan "In eurem Sinne entscheiden. So wahr mir Gott helfe" bringt er nun die evangelische Kirche gegen sich auf.

"Da wird Gott für Wahlprogramm in Beschlag genommen"
"Ein Kandidat, der seinen christlichen Glauben öffentlich macht, sollte das zweite Gebot (nach katholischer und lutherischer Zählung) kennen", weist Superintendent Olivier Dantine auf das Gebot "Du sollst den Namen Gottes nicht achtlos aussprechen" hin. "Da wird Gott missbräuchlich als Chiffre für eine 'abendländische Kultur' verwendet, und, weil als Wahlkampfmotto benutzt, wird Gott für das Wahlprogramm in Beschlag genommen", heißt es seinem Posting. Ein solches Wahlkampfmotto missachte zudem die Trennung von Staat und Kirche.

Evangelischer Bischof: "Eine Form des Religionsmissbrauchs"
Auch der evangelische Bischof Michael Bünker, der auch Vorsitzender des evangelischen Oberkirchenrates in Österreich ist, übte Kritik an den Hofer-Wahlplakaten. Wenn der Satz "So wahr mir Gott helfe" auf allen Plakaten stehe, werde Gott missbräuchlich für das Wahlprogramm in Beschlag genommen, sagte Bünker im Ö1-"Sonntagsjournal". Er sprach von einer Form des Religionsmissbrauchs zur Wählerwerbung. Bünker zufolge stelle sich die evangelische Kirche nicht gegen den Kandidaten Hofer, "aber ich erwarte mir, dass auf den Plakaten nicht 'So wahr mir Gott helfe' steht, sondern mit religiösen Inhalten behutsam umgegangen wird", so Bünker.

Hofer will Slogan auch bei möglicher Angelobung verwenden
Die Freiheitlichen haben auf die Kritik noch nicht reagiert. Generalsekretär Herbert Kickl sagte aber bereits bei der Plakatpräsentation am Freitag, Hofer werde im Falle seiner Angelobung den Zusatz "So wahr mir Gott helfe" auch bei der Gelöbnisformel verwenden. Die Berufung auf Gott sei eine "starke Verankerung in einem Wertesystem der christlich- abendländischen Kultur", so der freiheitliche Wahlkampfmanager. Hofers Bekenntnis, ein christlicher Mensch zu sein, unterscheide ihn auch von seinem Herausforderer, Ex-Grünen-Chef Alexander Van der Bellen.

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