Mo, 20. November 2017

Vor Räumung

23.10.2016 14:47

Erneut schwere Krawalle im Flüchtlingslager Calais

Zwei Tage vor dem geplanten Start der Räumung des Flüchtlingslagers im nordfranzösischen Calais ist es in der Nacht auf Sonntag zu schweren Krawallen gekommen. Aus einer Gruppe von mehreren Dutzend Flüchtlingen flogen Steine auf Polizisten, die dann Tränengas einsetzten, berichtete der Nachrichtensender BFMTV. Das Lager soll ab Montag geräumt werden.

Die französische Regierung will das umstrittene Lager, in dem laut offiziellen Angaben etwa 6500 Menschen leben, ab kommendem Montag schrittweise auflösen. Die Migranten sollen mit Bussen in Aufnahmezentren im ganzen Land gebracht werden. Die Behörden schätzen, dass sich im "Dschungel von Calais" auch bis zu 200 Aktivisten der Bewegung "No Border" aufhalten, die für eine Welt ohne Grenzen eintreten.

12.000 Polizisten für Lagerräumung im Einsatz
Das Lager soll Montagfrüh um 8 Uhr geschlossen werden, die Räumung soll rund eine Woche dauern. Mehr als 12.000 Polizeibeamte sind bereits im Einsatz, um die Räumung vorzubereiten. Im "Dschungel" halten sich laut jüngsten offiziellen Schätzungen etwa 6400 Menschen mit Ziel Großbritannien auf, Hilfsorganisationen gehen sogar von mehr als 8100 Bewohnern in der Zeltstadt aus.

Flüchtlinge werden quer durchs Land verteilt
Ab Montag sollen die meisten der Menschen mit Bussen in Aufnahmezentren im ganzen Land gebracht werden. Dort sollen sie einen Asylantrag stellen können. In den vergangenen Tagen wurden bereits erste Flüchtlinge in andere Orte in Nord- und Südfrankreich gebracht. Hilfsorganisationen versuchten die Räumung mit juristischen Mitteln zu verhindern, doch ein Verwaltungsgericht gab am vergangenen Dienstag grünes Licht für die Räumung. Die Flüchtlinge würden in Calais unter "prekären Bedingungen und Unsicherheit" leiden, argumentierten die Richter. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bezeichnete die Lebensbedingungen in dem Flüchtlingslager vor Kurzem als "erbärmlich".

Hilfsorganisation: "Einige werden sich in der Umgebung verstecken"
Christian Salome, der Chef der Hilfsorganisation "Auberge des Migrants", sagte, etwa 2000 Flüchtlinge wollen nicht den von der französischen Regierung vorgesehenen Weg gehen. "Einige werden sich in der Umgebung von Calais verstecken. Es droht dort eine Verfolgungsjagd", sagte Salome der Zeitung "Journal de Dimanche". Er sei zwar für die Schließung des "Dschungels", doch für Neuankommende müsse es weiter eine Aufnahmeeinrichtung in der Hafenstadt am Ärmelkanal geben.

Die britische Ärztin Lynne Jones sagte der Deutschen Presse-Agentur, erst in der Nacht auf Sonntag sei eine fünfköpfige Familie aus Syrien angekommen. Auf die Frage, ob sie die Auflösung begrüße, sagte sie: "Ich bin für eine gute Lösung für die Migranten." Dazu müsse unter anderem Großbritannien mehr tun. Ein spezielles Verfahren gibt es für Minderjährige, die sich ohne Verwandte in dem Camp aufhalten. Sie können zunächst in Containern in Calais bleiben. Bei Kindern, die Angehörige in Großbritannien haben, pocht Frankreich auf eine Familienzusammenführung.

Hunderte minderjährige Flüchtlinge im Lager
Wie eine französische Hilfsorganisation mitteilte, haben am Sonntag knapp 40 minderjährige Flüchtlinge das Lager in Calais verlassen und reisten in Richtung Großbritannien. Dort sollen sie bei Verwandten unterkommen. Am Samstag hatten laut der Hilfsorganisation "France Terre d'Asile" bereits etwa 100 minderjährige Flüchtlinge das Lager verlassen. Über die Woche verteilt seien es insgesamt 194 Minderjährige gewesen. Helfer gehen davon aus, dass insgesamt rund 1300 unbegleitete Minderjährige im "Dschungel" leben.

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