Do, 23. November 2017

Eltern zu blauäugig

21.10.2016 07:04

Schüler unter Porno-Verdacht: Jüngster erst 10!

Eine besorgte Sozialbetreuerin hatte Alarm geschlagen: Das Landeskriminalamt ermittelte neun Monate lang an zwei Schulen im oberösterreichischen Bezirk Freistadt gegen 50 verdächtige Kinder und Jugendliche. Sie hatten per WhatsApp ein Kinderporno-Video geteilt und verbreitet. Das jüngste Mitglied der WhatsApp-Gruppe ist erst zehn Jahre alt! In Gang gesetzt hatte die "Lawine" eine Über-14-Jährige.

Ein Mädchen hatte sich der Sozialbetreuerin anvertraut. Es erzählte, dass in der WhatsApp-Gruppe ein Kinderporno-Video kursierte. Die Pädagogin wandte sich an das Landeskriminalamt, die Abteilung Sexualdelikte begann zu ermitteln. Es stellte sich heraus, dass insgesamt 50 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 15 Jahren an zwei Schulen in den Fall verwickelt waren.

Kein Einzelfall
Auslöser war eine Über-14-Jährige, die das verbotene Sexvideo aus Deutschland zugeschickt bekommen hatte. Das Mädchen teilte danach den Kurzfilm, der sich über den Nachrichtendienst WhatsApp explosionsartig ausbreitete.

Das ist bei Weitem kein Einzelfall, wie Philip Christl von der Staatsanwaltschaft Linz sagt: "Das ist sicher das fünfte Mal in den vergangenen ein, zwei Jahren, dass so etwas vorkommt." Die Justiz muss sich vor allem auch mit Sexvideos herumplagen, die von minderjährigen Mädchen für "Freunde" angefertigt werden. Nach Ende der Liebschaft werden die Clips dann im Internet verteilen.

"Kindern und Jugendlichen fehlt Problembewusstsein"
Die Mühlviertler Massenaffäre endete verhältnismäßig glimpflich: Alle 50 Handys wurden beschlagnahmt und ausgewertet, nach drei Monaten großteils wieder an die jungen Besitzer ausgefolgt. Strafrechtliche Konsequenzen gab es nicht, nur gemeinnützige Dienste als Buße.

"Leider fehlt den Kindern und Jugendlichen das Problembewusstsein. Und die Eltern schauen viel zu wenig hin", sagt Chefinspektor Wolfgang Dirisamer. "Die Kinder haben oft schon in der ersten oder zweiten Klasse Volksschule ein eigenes Smartphone. Wenn ich das will, dann muss ich als Erziehungsberechtigter schauen, dass das Handy sicher ist, also die Kinder nicht auf alle Inhalte im Internet ungefiltert zugreifen können. Dafür gibt es auch Schutzprogramme, die man leicht installieren kann. Aber viele Eltern sind dabei zu blauäugig", so Dirisamer.

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