Mi, 22. November 2017

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20.10.2016 07:20

Trump im TV-Finale: „Alles garantiert manipuliert“

Im Rennen um die US-Präsidentschaft haben sich Hillary Clinton und Donald Trump in der Nacht auf Donnerstag erneut ein hart geführtes TV-Duell geliefert. Dabei kam auch ein Thema zur Sprache, das Österreich in den vergangenen Monaten beschäftigt hat, nämlich die angebliche Manipulation von Wahlen. Der Republikaner will eine mögliche Niederlage bei der US-Wahl am 8. November nicht automatisch anerkennen.

"Ich werde mir das zu gegebener Zeit anschauen", sagte Trump in der dritten und letzten TV-Debatte mit der Demokratin Clinton. Er sprach von "Millionen von registrierten Wählern", die das Wahlrecht eigentlich gar nicht haben dürften.

"Kriminelle" Clinton "hätte nicht antreten dürfen"
Die Wahl sei schon deshalb manipuliert, weil man seiner Kontrahentin das Antreten erlaubt habe, fügte Trump mit Blick auf den E-Mail-Skandal um die Demokratin hinzu. In der zweiten TV-Debatte hatte er gesagt, dass Clinton "im Gefängnis" wäre, wenn er die Kontrolle über den US-Justizapparat hätte. Clinton zeigte sich nun "entsetzt", dass Trump den Wahlausgang nicht anerkennen wolle, und bezeichnete den Immobilienmagnaten als "gefährlichsten Mann, der jemals Präsident werden wollte". Trumps Wahlkampfmanagerin Kellyanne Conway zeigte sich nach der Debatte in Las Vegas allerdings sicher, dass er das Wahlergebnis akzeptieren werde. "Er wird das Ergebnis anerkennen, weil er die Wahl gewinnen wird", sagte sie dem Sender CNN.

Von gegenseitigen Untergriffen geprägte Debatte
Die Debatte der beiden Kandidaten, die neuerlich einen Handschlag zum Auftakt vermieden, war wie schon die zweite von gegenseitigen Untergriffen geprägt. Trump warf der Demokratin vor, eine "Lügnerin" zu sein und in ihrer politischen Karriere nichts zustande gebracht zu haben. "Du redest seit 30 Jahren, aber Du kriegst nichts hin", sagte er. "Wenn Du Präsidentin wirst, ist dieses Land im Chaos. Du hast viel Erfahrung, aber es ist schlechte Erfahrung." Clinton konterte: "Als ich im Situation Room saß und zusah, wie Osama bin Laden unschädlich gemacht wurde, hast Du gerade die Fernsehshow 'Celebrity Apprentice' moderiert", entgegnete Clinton.

Clinton bezeichnet Trump als "Marionette" Putins
Die Demokratin bezeichnete ihren Gegner als "Marionette" des russischen Präsidenten Wladimir Putin, der ihn ihm Wahlkampf unterstütze. Trump vertraue dem Kremlchef mehr als den US-Geheimdiensten. Trump wies die Vorwürfe zurück und sagte, dass seine Kontrahentin Putin deshalb nicht möge, weil dieser sie "überall ausgetrickst hat".

Clintons Team wie auch die US-Regierung machen Russland für die jüngste Cyberattacke auf das E-Mail-Konto von Clintons Wahlkampfmanager verantwortlich. Aus ihrer Sicht stellt dies eine Einmischung in den US-Wahlkampf zugunsten von Trump dar. Veröffentlicht wurden die Unterlagen unter anderem mit Reden Clintons bei der Investmentbank Goldman Sachs durch die Enthüllungsplattform WikiLeaks.

"Berichte über sexuelle Übergriffe sind Lügen"
Trump wiederum beschuldigte seine Gegnerin, hinter den Sexvorwürfen gegen ihn zu stehen. Clinton verbreite Lügen über sexuelle Übergriffe, sagte Trump zu den Berichten mehrerer Frauen, die den Republikaner belasten. "Ich kenne diese Leute nicht", sagte er. "Niemand hat mehr Respekt vor Frauen als ich. Niemand." Clinton warf dem 70-Jährigen daraufhin vor, Frauen zu verachten. "Donald Trump denkt, dass es ihn groß macht, wenn er Frauen erniedrigt. Es macht ihn nur zu einem Rüpel."

Trump bekräftigte in der Debatte auch seine Forderung nach einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. "Wir brauchen sichere Grenzen. Wir brauchen diese Mauer", sagte der Republikaner. Auch Clinton habe einst eine Mauer gewollt, nun sei sie aber für eine Politik der offenen Grenzen. Die Demokratin wies das zurück. Sie sagte, dass sie keine Familien auseinanderreißen wolle. Stattdessen werde sie sich darauf konzentrieren, "alle gewalttätigen Personen" auszuweisen.

Schlagabtausch über Thema Abtreibung
Weiters lieferten sich die beiden Kandidaten einen heftigen Schlagabtausch über das Thema Abtreibung. "Er sagt, dass Frauen bestraft werden sollten", sagte Clinton. Trump konterte, dass nach geltendem Recht "sogar im neunten Monat Babys aus dem Bauch herausgerissen werden können", was inakzeptabel sei. Daher werde er Abtreibungsgegner als neue Höchstrichter ernennen, damit die in den 1970er-Jahren vom Supreme Court verfügte Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs zurückgenommen werde.

Clinton versicherte, dass sie das Recht der Frauen, in solchen Fällen "zu wählen", unterstütze. Sie warf ihrem Kontrahenten "Angstmache" vor im Zusammenhang "mit der schlimmsten Entscheidung, die eine Frau oder Familie treffen kann". Die Entscheidung über einen Schwangerschaftsabbruch solle "nicht von der Regierung getroffen werden". Sie wolle Frauen weder zu Abtreibungen zwingen, wie dies in China der Fall sei, noch zum Austragen von Kindern, wie dies in Rumänien der Fall gewesen sei.

Trump irritiert mit Aussage über Mossul-Offensive
Irritiert hat Trump bei der Debatte mit Aussagen über die Offensive zur Rückeroberung der irakischen Stadt Mossul von der Terrormiliz IS. Zunächst erklärte er, die Operation sei nicht effektiv, weil seit Monaten darüber geredet werde und das Überraschungsmoment fehle. Dann sagte er, die demokratisch geführte Regierung habe den Angriff auf Mossul aus wahltaktischen Gründen eingeleitet. "Und sie macht das nur, weil Sie sich für das Präsidentschaftsamt bewerben und weil Sie 'tough' wirken wollen. Sie wollen gut aussehen."

Allerdings gibt es für Trumps Aussagen keinerlei Belege. Die Großoffensive war seit Monaten vorbereitet worden. Die von den USA angeführte Anti-IS-Koalition unterstützt die irakischen Regierungstruppen und kurdischen Peschmerga-Kämpfer am Boden mit Luftschlägen, Artillerie und Ausbildung. Die Regierung von Barack Obama erklärt immer wieder, dass die Federführung den Irakern obliegt.

Die komplette Debatte zum Nachsehen bei NBC News:

Umfragen: Clinton gewinnt auch drittes Duell
Eine erste Blitzumfrage von CNN unter Zuschauern ergab, dass 52 Prozent der Befragten Clinton als Siegerin der Debatte sahen, 39 Prozent dagegen hielten Trump für den Gewinner. Das Meinungsforschungsinstitut YouGov, das mehr als 1500 Zuschauer befragte, erklärte Clinton mit 49 Prozent ebenfalls zur Siegerin. Trump kam auch in dieser Erhebung nur auf 39 Prozent. Umfragen zufolge hatte der New Yorker Immobilienmilliardär auch die vorhergehenden beiden Debatten gegen Clinton verloren. Und auch in den letzten Wahlumfragen hat Clinton einen deutlichen Vorsprung vor Trump.

Stärken, Schwächen und Höhepunkte des Duells
TABUBRUCH: Es war das Thema des Abends: Donald Trump weigerte sich zu sagen, ob er das Wahlergebnis anerkennen wird.

DAS AUFTRETEN: Trump war besser vorbereitet, er wirkte besonders zu Beginn stark. Vergleicht man alle drei Debatten, hatte er in Las Vegas wohl seinen besten Auftritt. Aber auch Clinton war sehr gut. Sie hatte ihre Balance gefunden, griff ihn mal hart an, ignorierte ihn an anderer Stelle.

REDEANTEIL: Diesmal war die Demokratin ihrem Konkurrenten voraus: Laut einer CNN-Statistik kam der Republikaner auf 35,4 Minuten Redezeit, Clinton auf 41,5 Minuten.

FEHLENDE FAKTENTREUE: Trump nahm es mit den Fakten erneut nicht sehr genau. Er behauptete, die Mossul-Offensive habe nur begonnen, weil Clinton sich um das Präsidentschaftsamt bewerbe. Das stimmt nicht: Die Operation wurde seit Monaten vorbereitet, irakische Streitkräfte haben dabei die Führung.

GESTEN: Sie wollten sich einfach nicht mehr die Hände reichen, weder die beiden Präsidentschaftskandidaten noch Bill Clinton und Melania Trump. Hillary Clinton verabschiedete sich nach der Debatte demonstrativ von Moderator Chris Wallace, Trump ignorierte sie auf der Bühne.

WEISSES GEWAND: Clinton erschien in einem weißen Hosenanzug - wie schon nac hatte. Bei der ersten Debatte trug sie Rot, bei der zweiten Blau. Legt man alle drei Outfits zusammen, hat man Amerikas Nationalfarben.

Die Bilder zum letzten TV-Duell im US-Wahlkampf:

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