Mo, 18. Dezember 2017

Schönes Pulkautal

17.10.2016 09:09

So viel Himmel...

. . . kann man eine Landschaft schöner beschreiben? Nein, aber erleben. Im beschaulichen Pulkautal, wo die Dreharbeiten zum definitiv letzten Polt-Krimi soeben begonnen haben. Wir waren mit Kult-Autor Alfred Komarek auf Spurensuche - und haben dabei auch so manche Leiche im Keller entdeckt.

"Da, wo Sie jetzt stehen, ist meine erste Leiche gelegen!" Das war 1998 und der Beginn einer langen Erfolgsstory. Nicht nur die Romane waren Bestseller - auch die Filme mit Erwin Steinhauer in der Hauptrolle des schrullig-liebenswerten Gendarmen wurden zu Gustostückerln der heimischen TV-Geschichte. Jetzt starten hier im beschaulichen Pulkautal die Dreharbeiten zum letzten Polt-Krimi.

Auf den Spuren von Simon Polt
In "Alt, aber Polt" hat der Gendarm seine Uniformjacke längst an den Nagel gehängt und die Gemischtwarenhandlung der Gerüchtestreuerin Habesam übernommen. Versucht sich als Winzer in einer Welt, die für ihn ruhiger geworden ist. Doch der Tod eines jungen Mädchens ruft den Gerechtigkeitsfanatiker, der nicht einfach wegschauen kann, wieder auf den Plan.Auch wir haben an diesem milden Herbst-Tag einen Plan. Nämlich mit Autor Alfred Komarek auf den Spuren seines Simon Polt zu wandeln.

Die Schachbrett-Landschaft wirkt aufgeräumt. Späte Sonne zeichnet Weinberge weich. Hügel reiht sich an Hügel. "Tauchgänge im grünen Meer" hat Alfred Komarek einst ein Buch betitelt, als Hommage an diese Weinviertler Landschaft, in die er sich - als gebürtiger Ausseer - vor mehr als vierzig Jahren verliebt hat. Rasch einen Keller samt Presshaus in Obritz erwarb. Dort stehe ich - wie eingangs berichtet - gerade auf dem Platz der "ersten Leich". Gärgas, eingeleitet aus dem Nachbarkeller, war schuld am unrühmlichen Ende von Albert Hahn in "Polt muss weinen".

Weiter geht die Reise, bis wir zu einem Marterl, dem "Urlauberkreuz", an der Grenze zu Tschechien kommen. Lange Zeit verlief hier nur einen Steinwurf entfernt der Eiserne Vorhang, - war das Weinviertel der vierten Himmelsrichtung - und vieler Illusionen beraubt.

"Von diesem Marterl aus begannen Pilger schon seit jeher ihren Weg nach Maria Dreieichen." Erfahren wir. Kurz darauf erklimmt unsere Gruppe eine vier Meter hohe, nahezu senkrechte Lößwand. Von dieser stürzte der behinderte Willi im zweiten Polt-Band in den Tod. ",Blumen für Polt‘ war vermutlich mein Lieblingswerk - auch wenn sich die Dreharbeiten witterungsbedingt extrem schwierig gestaltet haben." So Komarek. Minus 20 Grad und Sturm - das kann auch im Pulkautal absolut ungemütlich sein. Gemütlich haben es hingegen die "Köllamauna", die vor einem Presshaus in Alberndorf sitzen. Mit frischem Sturm den sonnigen Vormittag begrüßen.

Zeit für Einkehr bei alten Bekannten. Der Familie Himmelbauer in Untermarkersdorf. Als Höllenbauer tauchen sie verlässlich in jedem Polt-Roman auf. Elisabeth, die Patronin, lädt zur Kellerführung - und einer Weinverkostung unter Bäumen, samt zünftiger Winzer-Jause. Weiter geht’s nach Mailberg. Zwischenstopp im Gasthaus Kopp - der Kirchenwirt im Leben von Simon Polt. Alte Lamperieverkleidung, vergilbte "Playboy"-Bilder - leere Stollwerkgläser. Dutzende Partezettel an einen Nagel geheftet. Eine Schank aus längst vergangenen Tagen, die sicher Tausende Geheimnisse im wurmstichigen Holz gespeichert hat.

Einst kam ein Herr aus Hamburg hierher. Legte dem Wirt einen Blankoscheck auf die Budel. "Setzen Sie einen beliebigen Betrag ein. Ich nehm das gesamte Mobiliar gleich mit!" Nüchterne - und kommentarlose Antwort des Pulkautalers, der sein Lokal schon längst geschlossen hat: "Nein!"

"Haben gespürt, jetzt muss Schluss sein"
Ein striktes "Ja" bekommen hingegen wir zu hören, als wir in Wullersdorf, wo sich die legendäre Gemischtwarenhandlung der Frau Aloisia Habesam befindet, eine finale Frage an den Autor stellen: "War das jetzt wirklich der allerletzte Polt-Roman?" "JA!" Nachdenklicher Nachsatz: "Der Simon Polt und ich sind immer noch gute Freunde, aber beim Schreiben haben wie beide gespürt, dass jetzt Schluss sein muss!"

Und dann teilt Alfred Komarek zum Abschied mit mir die Kult-Käswurst-Semmel - natürlich mit Gurkerl.

INFO
Initiative Pulkautal, 2054 Haugsdorf, Laaer Straße 12, Tel.: 02944/260 66. Hier werden auch Kellergassen- und Poltführungen angeboten. www.pulkautal.at
Weinviertel Tourismus, 2170 Poysdorf, Kolpingstraße 7, 02552/351 50 www.weinviertel.at

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden