Mo, 20. November 2017

Kein Selbstmord?

15.10.2016 11:48

Bakrs Bruder behauptet: „Polizei hat ihn getötet“

Nach dem mysteriösen Selbstmord des Bombenbauers von Chemnitz, Jaber al-Bakr, erhebt nun dessen Bruder schwere Vorwürfe gegen die deutschen Behörden. Alaa al-Bakr glaubt nämlich nicht an einen Suizid. Er schließt zwar nicht aus, dass sein Bruder Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat war, einen Selbstmord hält er aber für unwahrscheinlich: "Ich bin mir wirklich sicher, dass die Polizei ihn umgebracht hat."

"Selbst wenn er IS-Mitglied war: Die begehen keinen Selbstmord", so Alaa al-Bakr gegenüber der "Welt". Dieser sei nämlich im Islam verboten. Gerade weil sein Bruder "sehr, sehr religiös" gewesen sei, würde dieser keinen Suizid begehen. "Ich bin mir wirklich sicher, dass die Polizei ihn umgebracht hat. Ich beschuldige hiermit die deutsche Polizei, am Tod meines Bruders schuld zu sein", sagt Bakr im Interview.

Über seine Familie sagt Alaa al-Bakr, der sich derzeit in der Nähe von Damaskus aufhält: "Wir sind keine Extremisten!" Vom Tod seines Bruders habe man übrigens aus den Nachrichten erfahren. Dass Jaber al-Bakr von anderen Syrern einfach so festgehalten werden konnte, kann sein Bruder ebenfalls nicht glauben: "Er konnte ziemlich gut Karate, er war in Syrien dafür bekannt. Ich habe ihn selbst trainiert, ich weiß, wie stark er war."

Jaber al-Bakr weigerte sich, in Assads Armee zu kämpfen
Jaber al-Bakr sei im November 2014 aus Syrien geflüchtet, etwa acht Monate später erhielt er Asyl in Deutschland. Er hatte sich geweigert, für die Armee von Machthaber Bashar al-Assad zu kämpfen, so sein Bruder: "Deswegen war er auch im Gefängnis. Er hat sich an einem Checkpoint von Soldaten des syrischen Regimes gedemütigt gefühlt und einen Soldaten geschlagen. Dann haben sie ihn verhaftet."

Das letzte Mal habe er mit Jaber vor zwei Monaten gesprochen: "Da war er gerade wieder in Syrien, in Ildib. Er habe davon gesprochen, wieder nach Deutschland zu gehen, um dort zu studieren. "Ich glaube, er war auch in Rakka." Rakka ist eine der Hocburgen des IS in Syrien. Ob Jaber al-Bakr dort von der Terrormiliz angeworben wurde, weiß sein Bruder nicht.

In Berliner Moschee radikalisiert?
Die Persönlichkeit seines Bruders habe sich verändert, "als der Krieg in Syrien immer grausamer wurde". Es habe "viele Massaker" gegeben, auch in Saataa, wo die Familie Bakr lebt. Das habe ihn beeinflusst. "Aber ich glaube auch, dass er von irgendwelchen Predigern in Deutschland beeinflusst wurde. Er hat wohl irgendeine Moschee in Berlin oder der Umgebung von Berlin besucht", sagt Alaa al-Bakr.

Bakr-Überwältiger unter Polizeischutz
Jene Syrer, die Jaber al-Bakr gefesselt der Polizei in Leipzig übergaben, erhalten nach eigenen Angaben Morddrohungen von IS-Sympathisanten. Zwei von ihnen wurden mittlerweile unter Polizeischutz gestellt. Ihnen sei eine "sichere Unterkunft" zur Verfügung gestellt worden, teilte das Landeskriminalamt Sachsen am Freitagabend mit. Es werde auch eine Aufnahme in das Zeugenschutzprogramm geprüft. Darüber entscheide die Polizei in Abstimmung mit der Generalbundesanwaltschaft.

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